Zeitungstest Tag 2: Kommentare und Spezielles

Nach der Zusammenfassung von Themen und Berichterstattung von vorhin nun ein Bericht zu den Kommentaren der Zeitungen und einige Sonderreportagen.

3. Kommentare

Auch hier zunächst zwei Kommentare zum Bahnthema aus der Süddeutschen und dem Tagesspiegel. Zweitere hat unter dem Titel “Das Recht des Stärkeren” die Tarifeinheit wieder ins Gespräch gebracht:

Dürfen sich kleine Gruppen in einem Konzern zusammenschließen, um für sich, auch auf Kosten der übrigen Belegschaft, mehr Geld zu erstreiken? Wie sehr zählt noch das Prinzip der Solidarität in einem Betrieb – oder wie es die Arbeitsgerichte nennen: das Prinzip der Tarifeinheit?

In Deutschland gibt es nur wenige Arbeitnehmer, die schon einmal eine Lohnerhöhung von 31 Prozent erhalten haben. Wieso sollten 20 000 Mitarbeiter bei der Bahn einen solchen Aufschlag erhalten, während sich mehr als 100 000 mit 4,5 Prozent zufrieden geben müssen, weil sie dummerweise bei der falschen Gewerkschaft sind?

Titelseiten vom 06. August 2007 Betont wird, dass die – wie früher Piloten und Ärzte – an einer Zentralen Stelle sitzen und damit ein enormes Drohpotential besitzen. Bernd Hops fordert so, dass der Gegensatz aus Tarifeinheit und Koalitionsfreiheit durch Gerichte geklärt wird. Auch wenn ich diese Kritik durchaus teile, erkenne ich juristisch nicht den Weg, wie man dieses Dilemma auflösen soll. Aber wie schon mehrmals gesagt, hält sich grade aus diesem Grund meine Solidarität mit der GDL in Grenzen.

Mit “Die meinen das persönlich” kritisiert Detlef Esslinger in der Süddeutschen die Dickköpfigkeit der beiden Verhandlungsführer, die sich nicht lange mit den üblichen Flosken aufhalten, die man bei einer Tarifrunde hört (“Schluck aus der Flasche abbekommen” vs. “zarte Pflänzchen des Aufschwungs nicht kaputt treten”), sondern direkt aufeinander losgehen und von einer “Terrorisierung” bzw. “Rumpelstilzchen” reden. Ein interessanter Kommentar, der sicher auch einen wahren Kern hat, mich aber in meiner Bewertung nicht wirklich zum neuen Nachdenken angeregt hat.

Die Junge Welt hatte es meines Erachtens ja bereits den Artikel mit dem Kommentar zu dem Thema verwechselt, aber unter “ansichten” findet sich neben dem “Bombenliebhaber des Tages” auch ein Kommentar zum Darfur Konflikt. Dieser fängt gleich mit den anscheinend für diese Zeitung ja üblichen Begriffen wie dem “imperialistischen Westen” an, der mit dem “großen Bruder aus Washington” an der Spitze eine internationale Gemeinschaft konstruliere und wirft dann gleich alles mögliche zusammen: Dass es beim Irak keineswegs eine Berufung auf eine internationale Gemeinschaft gab und bei dem Vorgehen gegenüber dem Teheran – glücklicherweise – eben doch (weil auch Russland und China keine Lust auf eine iranische Atombombe haben) spielt keine Rolle – wenn Amerika dabei ist, ist es eben Imperialismus. Naja, und damit dann wohl auch bei Sudan, wo nun ein “hochgerüsteter Waffengang” stattfinden wird. Der Artikel zieht sich weiter mit solchen Plattitüden durch die Zeilen, bis zu der Feststellung, dass

“die Protagonisten des Westens im Kampf gegen den »Schurkenstaat« Sudan blau­behelmte Verstärkung erhalten. An der Spitze der »internationalen Gemeinschaft«: der große Bruder aus Washington.”

Ob die USA überhaupt Truppen stellen werden, weiss ich garnicht, bisher habe ich dazu nichts gefunden, sondern nur Truppen aus Burkina Faso, Nigeria, Ägypten, Kamerun und Äthiopien. Aber sei es drum. Der Artikel hat außer der mehr oder weniger immer offenen Kritik am Westen nichts zu bieten, keine Antwort auf einen Stopp des Massenmordes, den es dort gibt – es sei denn auch Amnesty International oder Human Rights Watch gelten als Agenten des “großen Bruders aus Washington”. Stattdessen wird Sudan geschützt, obwohl nachweislich eine Zusammenarbeit der Regierung mit den Janjaweed existiert, die nicht der Bekämpfung der anderen Rebellen, sondern die der Bevölkerung zum Ziel hat. Eine Zeitung, die sich auf der ersten Seite so für Zivilisten in Afghanistan einsetzen und einen “Bombenliebhaber des Tages” ernennen, sollte vielleicht auch über diese Zivilisten nachdenken…

Titelseiten vom 06. August 2007 Nun gut, aber auch wenn die Länge schon fast dies denken lassen könnte, geht es ja nicht um diesen einen Kommentar ;) Aber die Frankfurter Rundschau und auch die FAZ haben mich bezüglich der Kommentare doch etwas enttäuscht. Bei der FR gibt es uner anderem einen Max Strauß, dem russischen Vorgehen im Nordpolarmeer oder dem neuen israelischen Botschafter. Und wenn ich bei der FAZ nicht die Kommentarseite übersehen habe, gab es nicht mehr als eine zur amerikanischen Aufrüstung im Nahen Osten und der Kanzlerkandidatensuche der SPD, aber darauf gehe ich jetzt nicht weiter ein.

4.  Interessantes

Es gab drei Themengebiete oder Artikel, die mich gefesselthaben und über die Tagespolitik hinausgingen und damit für die jeweilige Zeitung eine Art “Alleinstellungsmerkmal” darstellten:

So erinnerte die Süddeutsche auf der Seite 2, bei der immer aktuelles dargestellt wird -  auf die Atombombenabwürfe vor 50 Jahren. Mehrere Artikel berichteten, welche folgen, dies auf die japanische Politik noch heute hat und vom ersten amerikanischen Reporter in Nagasaki, der seine Berichte allerdings nicht durch die Militärzensur bekam.

Die Frankfurter Rundschau hatte das Thema Wehrpflicht im Hinblick auf eine SPD Diskussion über einen “dritten Weg” nachdem nur eingezogen werden soll, wenn die nötige Truppenstärke nicht durch Freiwillige zustande kommt.

Und der Tagesspiegel hat sich der Scientology Sekte gewidmet. Dazu wurde der Alltag einer Ausstiegsberaterin geschildert und schließlich auch deren neues Buch “Schwarzbuch Scientology” vorgestellt.

5. Tagesfazit

Titelseiten vom 06. August 2007 Mein erstes Fazit ist, dass dies eine Menge Arbeit ist und ich das morgen vielleicht strukturierter angehen muss, denn den ganzen Tag hieran zu denken ist nicht so toll, vor allem wenn man zum einen Urlaub hat und viel anderes machen will aber zum anderen ja auch anderes bloggen möchte ;)

Aber ansonsten bin ich mir beim Tagessieger etwas unsicher, würde aber aus dem Bauch raus dem Tagesspiegel einen kleinen Vorsprung vor der Süddeutschen. Verlierer des Tages ist eindeutig die Junge Welt aufgrund der ziemlich stark einseitigen Sichtweise, die mir garnicht passte. Ich hab ja damit gerechnet, aber so… Naja, mal abwarten ;)

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