Wenn Rohstoffreichtum arm macht

Wenn man an Gold, Öl oder Diamanten denkt, dann sieht man oft ermessenen Reichtum vor seinen Augen. Auch für die Länder, in denen solche Rohstoffe gefunden werden stellt man sich ein Leben in Reichtum vor. Oft ist aber genau das Gegenteil der Fall: Von den Geldern des Rohstoffexportes kommt nicht viel bei der Bevölkerung an und schlimmer erhöht der Reichtum die Chancen auf bewaffnete Konflikte: Es kommt zum sogenannten Reichtumsparadoxon.

Das Reichtumsparadoxon

Wie man sich dies genauer vorstellen kann, beschreibt der ehemalige Chefvolkswirtschaft und Nobelpreisträger Joseph Stieglitz in seinem Buch “Die Chancen der Globalisierung” sehr anschaulich:

Man solle sich so einen Diamantenhaufen in der Mitte eines Raumes vorstellen und jeder in diesem Zimmer verfolge den Wunsch möglichst viel von diesem zu erhalten. Das Ergebnis: Der oder die Stärksten erhalten auch den größten Teil der Beute und werden auch alles unternehmen, um diese zu sichern – oder noch mehr zu erhalten. Und daraus ergibt sich dann eine eigene Kriegsökonomie. Mit den gewonnen Rohstoffen werden dann Waffen gekauft um diese zu verteidigen oder den Konflikt um Rohstoffe weiterzuführen.

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Bürgerkrieg in Sierra Leone, als der Krieg zwischen der Regierung und Rebellen vor allem durch den Verlauf von sogenannten Blutdiamanten angeheizt wurde. Die Folge: 75.000 Tote und zwei Millionen vertriebene.

Kein Blut für Öl

Aber momentan ist ein anderer Rohstoff prominenter in dieser Frage geworden: Öl. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich der Sudan, in dem in Darfur aber auch im Süden ein Bürgerkrieg tobt/tobte, und China schützend die Hand über das Regime gehalten hat – 65 Prozent des sudanischen Öls gehen auch in das “Reich der Mitte”. Und der Kampf um das Afrikanische Öl hat grade erst begonnen: 117 Millionen Barrel Öl warten dort darauf abgeschöpft zu werden und dementsprechend liefern sich insbesonder China und die USA ein Wettlauf um die Ressourcen dort – mit beunruhigenden Folgen für die Menschenrechte.

Chancen

Dabei böte der Ölreichtum den Menschen dort ungearnte Chancen. Laut IWF wird Afrika aufgrund dieser Vorkommen ein hohes Wirtschaftswachstum und Investitionen erhalten, die die Entwicklungshilfe um Längen schlagen wird. Für Angola wird ein Wachstum von bis zu 31 Prozent vorhergesagt.

Bei aller Skepzis über Vorhersagen des IWF wird man dennoch feststellen, dass solche Handelsgeschäfte viel Geld in das Land bringen und demnach die Möglichkeit geben, ein Land nach vorne zu bringen und Infrastruktur zu schaffen. Stattdessen findet eher eine Aufrüstung des Sicherheitsapperates statt oder Investitionen ins Auslandsvermögen oder schöne Prachtbauten der Regierenden. Auch wenn in 50 Entwicklungs- und Schwellenländer Erdöl, Erdgas und Bergbau die zentralen Exportgüter sind, leben dort von den insgesamt 3,5 Millionen Einwohnern noch immer 1,5 noch immer von weniger als einem Dollar pro Tag. Studien begelegen, dass in rohstoffreichen Ländern die Ausgaben für Polizei und Militär über denen von rohstoffarmen Ländern liegen und die Internationale Arbeitsorganisation ILO stellt in einer Studie sogar fest, dass es “Afrika ohne Erdöl besser gehen würde”.

Schlussfolgerung

Die Frage nach solchen Analysen ist immer, welche Schlussfolgerungen man für die praktische Politik zieht – und wie so oft ist dies nicht einfach. Die pauschale Kritik am “Westen”, wie sie oft mit einem Hinweis auch auf die Kolonialzeit vorgebracht wird, ist für mich jedenfalls zu kurz gedacht. Sie vernachlässigt nämlich die inneren Prozesse in den Staaten und die Tatsache, dass dort eben auch Despoten an der Macht sein können, denen es nicht darum geht, den Menschen in ihrem Land zu helfen, sondern sich nach Luxus sehnen. (Die im übrigen auch aufgrund der Öleinkommen garnicht vom Volk abhängig sind, wie man sich dies in einer Demokratie vorstellt bzw. diesem damit dann auch nichts bieten müssen.)

Man mag dann einwerfen, dass der Westen ja mit solchen Staaten Handel betreibt, was sicherlich stimmt, aber auch nicht als Allheilmittel zu sehen ist. Natürlich sollten Fälle, wie das europäische Buhlen um die Gunst zentralasiatischer Staaten kritisch begleitet werden, aber man sieht auch, was passiert, wenn sich der Westen – wie im Sudan zurückzieht: Es gibt mit China nunmal auch einen Abnehmer, der gerne das Öl abnimmt, ohne Fragen zu stellen und sogar noch schützend die Hand drüber hält – als “innere Angelegenheit”.

Dennoch hat Stieglitz Recht, wenn er sagt, dass es für den Westen nicht ausreicht, einfach mit dem bösen Finger auf die Regierungschefs in Afrika zu zeigen, denn zumindest ein wenig kann man doch tun, um zu einer Verbesserung der Situation beizutragen:

1. Korruption bekämpfen
In einigen Staaten ist es noch immer Möglich auch Bestechungsgelder von der Steuer im Heimatland abzusetzen. Dass so Korruption gefördert und damit die Menschen in anderen Ländern betrogen werden ist unhaltbar und muss bekämpft werden.

2. Waffenverkäufe einschränken
Eigentlich auch eine logische Forderung, denn ohne Waffen keine Konflikte. Sie müssten also teurer werden und beim Verkauf muss zumindest die Quelle des Geldes hinterfragt werden. Problem meiner Ansicht ist jedoch, dass auch hier viele Waffenhändler ihr Unwesen treiben und beispielsweise das deutsche Maschinengewehr nicht nur in Deutschland, sondern m.W. auch im Iran noch hergestellt wird (Lizenz).

3. Zertifizierung von Rohstoffen
Ähnlich wie bei den Diamanten in Sierra Leone könnte man auch überlegen andere Rohstoffe zertifizieren zu lassen, so dass nur Waren mit Bestätigung der Regierung verkauft werden dürfen. Bei Öl mag das vielleicht schwerer sein, aber bei Tropenholz von Papua-Neuguinea ist das sicherlich ratsam.

Dies alles ist sicher nur ein kleiner Ausschnitt aus Möglichkeiten um dem Reichtumsparadoxon ein wenig entgegen zu treten, aber vielleicht fällt dir ja noch was ein? ;)

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0 thoughts on “Wenn Rohstoffreichtum arm macht

  1. Pingback: Angola » Blog Archives » Nigerian oil delta rebel detained in Angola

  2. Völlig richtig, ein sehr guter Artikel!

    Zum Glück verstehen immer mehr Politiker, dass das so ist, das hat auch die Afrika-reise von Merkel gezeigt. So erhalten die Menschen in diesen Ländern endlich eine Chance.

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