Twitter als Medium der iranischen Opposition

Die Wahlen im Iran haben einige Unzufriedenheit hervorgerufen. Ob es Hossein Mussawi der Herausforderer des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadineschad – - nun am Ende geschafft habe sei mal dahin gestellt, aber eins ist eindeutig: Ein solcher Erdrutschsieg riecht eben nach Wahlfälschung. Nun kommt es tagtäglich zu Massenprotesten im Land – oft gegen die Verbote des Innenministeriums und den Widerstand von Polizei und Milizen.

Seit gestern kann man feststellen, dass #IranElection immer wieder bei Twitter auftaucht. Direkte Berichte werden über diesen Dienst verbreitet und so erfährt man nicht nur von den Nachrichtenagenturen, was in Teheran vor sich geht. Wie wichtig dieser Dienst inzwischen ist, zeigt sich an einer bemerkenswerten Aktion: Eigentlich sollte Twitter heute nacht zu Wartungszwecken für 1,5 Stunden ausgeschaltet werden, wogegen sich eben per Twitter einiger Widerstand meldete – mit Erfolg. So kann man auf Twitter.com nun nachlesen, dass der Wartungstermin verschoben wurde:

In coordination with Twitter, our network host had planned this upgrade for tonight. However, our network partners at NTT America recognize the role Twitter is currently playing as an important communication tool in Iran. Tonight’s planned maintenance has been rescheduled to tomorrow between 2-3p PST (1:30a in Iran).

Natürlich versuchen staatliche Stellen den Zugriff auf diesen Dienst wie weitere zu unterbinden, aber die Opposition umgeht diese eben mit verschiedenen Proxyservern – im übrigen nur am Rande: So wie man die Netzsperren in Deutschland auch umgeht. Man sieht also, dass eine Internetsperre in der globalisierten Welt nicht wirklich haltbar ist – zumindest nicht für die informierten Bürger. Twitter ist eben mehr als eine “virtuelle Klowand”.

Mehr zu dem Nutzen von sozialen Netzwerken im Iran gibt es auch bei Spiegel online oder Carta.

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5 thoughts on “Twitter als Medium der iranischen Opposition

  1. Die Welt ist leider nicht so einfach wie du denkst:
    http://aangirfan.blogspot.com/2008/10/was-khomeini-agent-of-us-and-uk.html
    http://www.newyorker.com/reporting/2008/07/07/080707fa_fact_hersh?currentPage=all
    http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax

    usw.

    Die Wahlen sind nach meinem Stand nicht gefälscht. Die Amis waren wohl trotzdem nicht einverstanden mit dem Ergebnis.

    Angbl. sei auch der Sohn des Schah möglicherweise der nächste Machthaber… naja… die Zeichen stehen für Krieg im Moment.

    • Ich bin mir durchaus über die Geschichte bewusst. Staaten des Westens haben oft Demokratien gestürzt, wenn die Autokratie dort näher stand. Das ist aber eben auch eher genau das: Geschichte.

      Und klar: Die USA, die EU und viele andere Staaten haben ihre Interessen an der Entwicklung im Iran. Aber wenn der Iran eine saubere Demokratie wäre, bräuchte er keine Zensur um Proteste zu unterbinden. Anstatt vor einer Prüfung zu sagen, dass man nach dieser eh nichts ändert hätte man diese abgewartet und weiteres. Und dass es Unregelmäßigkeiten gab, ist ja sogar begrenzt zugegeben worden – zwar zurückhaltend und wie ich vermute als Versuch der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen, aber immerhin.

      Vielen Dank dennoch für den Versuch wiedermal dem Westen die Schuld für die Versäumnisse in der Demokratie anderer Staaten vorzuwerfen, aber – wie du schon sagtest – die Welt ist nicht so einfach wie man denkt. Und das Beispiel Honduras zeigt m.E. auch ganz gut, dass die Zeit wo die politische Richtung über eine Demokratie gestellt wurde gottseidank oft vorbei sind.

  2. Ich propagiere nichts anderes als freie Information gegen Zensur. Ich habe was gegen imperialistische-interventionistische Politik, vor allem wenn ich mich gleich strategischer Propaganda anschließen soll, wie du es bereits tust.

    Hier noch ein paar Artikel:
    http://www.hintergrund.de/20090702418/politik/welt/honduras-die-nichtigkeit-des-coups.html
    http://www.hintergrund.de/20090626415/politik/welt/iran-das-scheitern-des-%E2%80%9Cgr%C3%BCnen%E2%80%9D-putsches.html
    http://www.hintergrund.de/20090703419/politik/welt/tod-eines-symbols-wer-erschoss-neda.html

    Mit Deiner Logik müsste man ja glatt sagen Deutschland wäre eine saubere Demokratie, und die würdest Kriegshandel, Korruption und Ausbau des Krisenmanagments, (Überwachungs, Innere Armee) befürworten.

    Ich bin mir sicher du tust das nicht. Diskussion Ende.

  3. Der Artikel auf den du dich beziehst, dreht sich einzig und alleine um die Frage der Zensur im Iran und dem Widerstand der Oppsition gegen diese mit modernen Medien. Die Politik hatte ich in dem Artikel zu Beginn sogar ausgeklammert: “Ob es Hossein Mussawi der Herausforderer des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadineschad – – nun am Ende geschafft habe sei mal dahin gestellt,…” – die politische Bewertung und Diskussion kam von deiner Seite.

    Und nein: Ich halte die Bundesregierung nicht für eine saubere Demokratie, aber für eine sehr gute. Ich kritisiere vieles an deren Politik, aber ich bin froh, dass ich hier noch frei Twittern, Bloggen und auch die absurdesten Demonstrationen durchführen darf, wenn ich es möchte. Im Iran, der von dir hier ja offensichtlich verteidigt wird, ist das ganz offensichtlich nicht so.

    Aber Diskussion Ende beschreibt das sicherlich am besten, wir werden hier nicht auf einen Nenner kommen :)

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