Milliarden – Vergleich

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Mehr schlecht als Recht kann man oben mehrere Geldbeträge erkennen. Beispielsweise 321 Milliarden, die nötig wären, um alle Kinder in Entwicklungsländern 5 Jahren Nahrung und Schulbildung zu geben, 39 Milliarden für Hartz IV oder 400 Milliarden für das Deutsche Rettungspaket in der Wirtschaftskrise. Entnommen ist es einer Grafik der Zeit, die ich allen ans Herz legen will, da sie wirklich interessant ist und einfach mal bestimmte Dimensionen von Geldbeträgen (in Milliarden) deutlich macht. Auch sehr interessant ist die Vorlagegrafik von Information is beautiful, bei dem besonders die untere Hälfte beeindruckend ist. (gefunden über Spreeblick)

Nach der Erweiterung jetzt der Arbeitsplatzabbau

Wann immer es darum geht Arbeitsplätze zu sichern, ist der Staat gerne Bereit auch finanziell einzuspringen: 500 Milliarden für die Banken, eine Bürgschaft für Opel oder auch mal weiträumige Zugeständnisse bei der Umwelt. Manche Maßnahmen davon sind sicherlich notwendig, um eine akute Krise abzuwenden und Arbeitsplätze zu sichern. Vor einem Jahr wurde in Gelsenkirchen aber noch ein 70ha großes Gelände dem BP Standort zur Verfügung gestellt, um zu expandieren oder Zulieferer anzusiedeln – freilich auf Kosten der Umwelt. Man erhoffte sich eben Arbeitsplätze. Bereits im Mai gab es die ersten Gerüchte, dass die Arbeitsplatztendenz eher negativ ausfällt und nun ist es offiziell: Bis 2012 fallen 340 Arbeitsplätze an den Standorten von BP weg – zwar nicht als “betriebsbedingte Kündigungen”, aber am Ende sind es 340 Menschen in Gelsenkirchen, die eben nicht ihr Geld dort verdienen – ob nun Nicht-Neueingestellte oder Entlassene spielt faktisch keine große Rolle. Bilanz: 60ha der Wirtschaft freigegeben und dafür 340 Arbeitsplätze gewonnen.

Andersrum hätte das für mich wohl den Verlust an Natur auch nicht wett gemacht, aber die ganze Aktion hätte immerhin einen tieferen Sinn gehabt. Jetzt kann man nur hoffen, dass sich diese Änderung irgendwann rückabwickeln lässt und bei CDU und SPD ein Nachdenkprozess zur Industriepolitik einsetzt. Noch bei seiner Nominierung zum OB-Kandidaten der SPD hatte Baranowski grade BP und die Norderweiterung als ein Beispiel für die gute Ergänzung von Umwelt- und Industriepolitik genannt. Für mich der einzige Tiefpunkt in dieser Rede damals, denn an die industriepolitischen Impulse in diese Richtung glaubte ich nicht und Umweltpolitik ist mit einer “Überkompensation” wohl kaum getan bei einer solchen Zerstörung.

Mal was zur Finanzkrise

Grade geht es ja wieder rund an der Börse oder eher bergab und irgendwie fühle ich mich berufen, genötigt oder was auch immer dazu, einige Worte zu dieser Sache loszulassen. Also ich kann ja gut nachvollziehen und finde es auch richtig, dass man etwas unternimmt und den Kapitalmarkt stabilisiert. Ich nehme auch einfach mal an, dass die 400 Millarden Euro, die maximal ausgegeben werden müssen, auch durchaus dem notwendigen Rahmen entsprechen.

In dem Sinne finde ich es auch richtig, dass nun bei Banken, die teilweise vom Staat übernommen werden, Managergehälter gekürzt werden und ähnliches. Nur das Problem bleibt, dass ein immenser volkswirtschaftlicher Schaden entstanden ist, der sich auch durch verringerte Managergehälter in keinster Weise beseitigen lässt und für den – das ist fast noch entscheidender – der größte Teil der Bevölkerung nichts kann. Es war die Mentalität, dass man sein Geld ja für sich arbeiten lassen könnte und es sich von ganz alleine vermehren würde. Und plötzlich fiel dann wieder auf, dass es keinen wirklichen Wert hinter den ganzen Vermögen gab. Naja, und bezahlen sollen es nun alle.

Der Staat muss das Geld für den Stützfond ja auch irgendwie aufbringen und dies führt zwangsläufig in eine höhere Staatsverschuldung. Und wer dies nun weiter denkt, merkt, dass davon wieder eher die wohlhabenden profitieren, da diese sich die sicheren Staatsanleihen kaufen können. Und damit profitieren selbst in der Krise noch diejenigen, die nicht unerheblich an der Entstehung beteiligt waren.

Wie man damit umgehen will oder soll, kann ich jetzt auch nicht anbieten, aber vielleicht wäre eine Vermögensabgabe auf Kapitalvermögen ab einer bestimmten Höhe ein Ansatz um diese Ungerechtigkeit zu vermindern und so den Fonds zu finanzieren?

Zum Abschluss noch ein kleiner Filmtipp passend zum Thema: Ende des Monats kommt nämlich von Erwin Wagenhofer, der mit “We feed the world” ja schon eine globalisierungskritische Dokumentation gedreht hatte. In “Let’s make money” geht es um genau dieses Phänomen der angeblichen Geldvermehrung:

Lohnt sich bestimmt! :)

Quickies: Adidas und Olympia, Kapitalismus und Demokratie, Call-in-TV und der Wunsch nach der D-Mark

Auch wenn ich mir eigentlich “Urlaub” für das Wochenende verschrieben habe, hier einige kurze Links mit Anmerkungen ;)

Adidas-Chef Hainer kritisiert Anti-China-Demonstranten

In einem Interview mit dem Spiegel kritisierte Adidas Chef die Demonstranten beim Fackellauf, die die Meinungsfreiheit “missbraucht” hätten, als sie diesen unterbrochen hatten. Dies kann man vielleicht noch so sehen, aber dass er das Engagement noch stark verteidigte und auch Protestforderungen damit ablehnte, dass dies der Versuch sei, adidas in die “Politik hineinzuziehen”. Interessant auch die Aussage zum Imageschaden:

“Wir haben jedenfalls bei Themen wie der Verarbeitung von Känguruleder in unserer Schuhproduktion mehr Protest-E-Mails bekommen als in diesen Tagen wegen China.”

Wirft auch ein interessantes Bild auf die Gesellschaft(en), oder?

Jeder Dritte wünscht sich die D-Mark zurück

Dies ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie. Grund: Er ist ein gefühlter “Teuro”. Laut Manfred Weber, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, hält diese Einschätzung für falsch. Und meine Einschätzung: Ich denke wir wären ohne Euro schlechter dran. Nicht nur, weil man dann öfter umtauschen müsste, sondern weil uns wohl auch solche Krisen wie in den USA als einzelner Staat weitaus schwerer treffen würden, als nun die EU. Und demnach wäre das Benzin wohl auch teurer bei dem Ölpreis.

Zwischen Erfolg und Katastrophe
Und wo man schon beim Öl und damit dem Kern des Wirtschaftslebens sind, hier ein kurzer Artikel zur Verbindung von Kapitalismus und Demokratie. Ob allerdings “traditionell” von der Politikwissenschaften dargestellt wird, dass eine eindeutige Verbindung existiert, wage ich dann doch mal zu bezweifeln.

“Der Hot-Button sucht und sucht…”
Interessantes Interview mit Marc Doehler, dem Betreiber von Call-in-tv, einem Forum, welches kritisch über Call-in-”Quizsendungen” bereichtet und schon öfter von Abmahnungen betroffen war.

Einige Zahlen zum neuen Bahnstreit

Anstatt vieler Worte nur zwei kleine Zahlen zur Brandrede des Bahnchefs Mehdorn nach den Tarifabschlüssen, als er Stellenstreichungen und erhöhte Fahrpreise (Ja! Noch teurer!) ankündigte:

  • Geschätzte Kosten aller Tarifabschlüsse ((inkl. mögliche Erhöhungen bei GDBA und Transnet, Quelle)): 400 Millionen Euro
  • Jahresgewinn 2006 ((2005 noch 1,35 Millionen, Quelle)): 2,5 Milliarden Euro

Ich denke also, dass selbst nach Erhöhung genug Gewinn über bleibt – selbst wenn man die Zahlen der Vorjahre heranzieht. Ich brauche keine privatisierte Bahn, die in Rumänien ein Schienennetz aufbaut, aber die Grundversorgung hier schleifen lässt…

Managergehälter

Es wird wieder über Löhne in Deutschland gestritten. Nein, nicht um den Lohn eines Friseurs, der für 3 Euro pro Stunde arbeitet oder dem Mitarbeiter von PIN, der vielleicht seinen Job verliert, weil 9,80 Euro Mindestlohn zuviel ist, sondern um die Spitzenverdiener wie beispielsweise Porsche Chef Wendelin Wiedeking, der mit etwas mehr als 50 Millionen Euro im Jahr nach Hause geht. Es geht um Managergehälter und wenn man ehrlich ist, geht es um Neid. Wieso verdient der soviel und ich sowenig? Klar, ich könnte von einem Monatsgehalt sehr gut leben – wahrscheinlich gar den Rest meines Lebens, aber die Frage bleibt, ob diese Debatte irgendetwas bringt, denn aus Neid eine politische Entscheidung herzuführen, wäre sicherlich falsch. Continue reading

Linktipps 26.11.2007

Wie Hartz-IV-Empfänger in Deutschland überleben – Nachrichten Wirtschaft – WELT ONLINE Annotated

Millionen Menschen müssen mit Hartz IV – 347 Euro im Monat plus Transferleistungen – klarkommen. WELT ONLINE hat zwei Hartz-IV-Empfänger begleitet. Der eine isst nur einmal die Woche warm. Der andere pflegt trotz Geldmangels einen alternativen Lebensstil. Und beide arbeiten schwarz.

Wie geht es weiter im Bahnkonflikt?

Gestern abend lief bei Anne Will eine mehr als interessante Diskussion zum Thema Bahnstreik – ich würde sogar sagen, es war bisher die beste Sendung von Anne Will bisher. Jedenfalls ging es um den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn und es kam fast zu einem Spitzentreffen, denn neben dem GDL Vorsitzenden Schell saß das Vorstandsmitgliedglied der Bahn Margret Suckale. Und ich muss sagen, dass der GDL Chef war schon sehr überzeugend… Continue reading

Sonntags einkaufen … muss nicht sein

Was die Ladenöffnungszeiten angeht bin ich eigentlich ziemlich liberal: Von Montags bis Samstags 24 Stunden können die Geschäfte gerne auf haben, sofern sie es sich leisten können. Die Realität zeigt aber ja schon, dass sich dies kaum aufrecht erhalten lässt: In Gelsenkirchen schließen die Geschäfte unter der Woche meist schon vor acht – mit Ausnahme des Freitags. Wenn dazu noch der ein oder andere (in NRW maximal 4) Sonntage kommen, habe ich auch kein Problem damit, da dies noch immer eher die Ausnahme als die Regel ist. In Berlin sind 10 Sonntage genehmigt, darunter die vier Adventsonntage – Grund genug für die Kirche um zu klagen. Continue reading