Der Präsidentschaftswahlkampf in 8 Minuten

Wer – wie ich in letzter Zeit – an Zeitmangel leidet, wird zu schätzen wissen, was eine gute Zusammenfassung wert ist. Auch für diejenigen, die einfach nur nochmal schnell zurückblicken wollen, fasst dieses Video den US Präsidentschafts-Vorwahlkampf der Demokraten nochmal in rund 8 Minuten zusammen. Viel Spaß – sowohl bei dem Video, als auch beim Fußball heute abend :D

(via)

Blick nach Amerika: Obama baut Vorsprung aus

Nach den Vorwahlen vom 4. März war es vorwahltechnisch ziemlich ruhig geworden hier, darum nun ein großes Update :) Zunächst die kleine Delegierten-Mathematik. Nach den Siegen bei den letzten Vorwahlen in Wyoming am Samstag und Mississippi gestern hat Obama seinen Vorsprung weiter ausbauen können und führt mit rund 130 Delegierten vor seiner Konkurrentin, bei rein gewählten Delegierten liegt der Vorsprung nochmal minimal höher.

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Die nächsten Wahlen liegen nun in der weiten Zukunft: In Pennsylvania wird am 22. April den nächsten Höhepunkt bilden. Momentan führt dort noch Hillary Clinton in Umfragen, aber sechs Wochen sind eine lange Zeit.

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Diese lange Zeit verstärkt aber auch Befürchtungen nach einer Schlammschlacht bei den Demokraten. Eine Beraterin von Obama hatte bereits ihren Hut nehmen müssen, nachdem sie Clinton im Interview als Monster bezeichnet hatte, während heute eine Beraterin von Clinton doch zurückgetreten war, nachdem sie versucht hatte Obama’s Hautfarbe im Wahlkampf zu betonen. So sagte Geraldine Ferraro, Barack Obama

wäre nicht in seiner derzeitigen Position, wenn er weiß oder eine Frau wäre. (…) Er hat einfach sehr viel Glück, der zu sein, der er ist. Und das Land hat sich in diesem Konzept verstrickt.

Das Angebot von Hillary Clinton doch als Vizepräsident gemeinsam in die Präsidentschaftswahlen zu starten hat Obama jedoch bereits abgelehnt:

Ich weiß nicht, wie jemand, der an zweiter Stelle liegt, demjenigen auf Platz eins die Vizepräsidentschaftskandidatur anbieten kann. (…) Ich will nicht Vizepräsident werden, sondern Präsident der Vereinigten Staaten. Ich will der Chef sein.

Aufgrund des knappen Ergebnis wird nun überlegt, wie man es mit Florida und Michigan hält, in denen bereits gewählt wurde, die aber aufgrund von vorgezogenen Wahlterminen keine Delegierten zum Parteitag schicken dürfen. Momentan scheint es am wahrscheinlichsten diese nochmal zur Wahlurne zu rufen.

Dementsprechend kann man gespannt darauf sein, was sich in den USA noch ereignet, bis der demokratische Kandidat feststeht. McCain kann sich angesichts der Streitigkeiten bei den Demokraten nur die Hände reiben, denn so wird das Lager noch weiter gespaltet und ob man dann am Ende wieder zusammen hinter einem Kandidaten gegen die Republikaner antritt wird von Tag zu Tag, von Angriff zu Angriff schwerer. Im übrigen: Nach einer Berechnung von Mirror on America könnte es für Obama deutlich näher an die erforderlichen 2025 Delegierten herankommen, als angenommen.

Hillary Clinton gewinnt Ohio und Texas – McCain bestätigt

Wow, was für eine Nacht. Bis vor wenigen Minuten gab es noch ein Zittern und Hoffen, dass es Barack Obama doch noch schaffen würde, in Texas den Sieg hinzubekommen. Wie bereits berichtet zeichnete sich dort in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen an. Am Ende konnte Hillary Clinton den dortigen Vorsprung bei den Latinos ((63% wählten sie)) besser nutzen und gewann den wichtigen Staat. Wie sich dieses in Delegiertenstimmen auswirkt, muss sich erst noch zeigen. Womöglich – so eine Berechnung von NBC – könnte Barack Obama dort aufgrund des Wahlsystems mehr Delegierte gewinnen, als die Siegerin Clinton. Genaueres dazu gibt es von mir in den nächsten Tagen, wenn die Zahlen ausgewertet sind.

clinton_march4 Ansonsten stellt sich die Frage danach, wie man das Ergebnis bewertet. Es ist sicher unstrittig, dass Hillary Clinton in dieser Nacht den Schwung von Obama bremsen konnte. Nach 12 Wahlsiegen in Folge (den ersten heute Nacht mitgezählt), konnte sie mit ihren drei (neben Ohio und Texas auch Rhode Island) Siegen heute hier einen Flock setzen. Die optimistische Sichtweise ihrer Kampagnenvertreter, die ihr nun einen Schwung zusprechen teile ich aber (noch) nicht, denn immerhin hat sie ja nun doch nur eine größere Katastrophe verhindert. Ist es ein großes Comeback, wenn sie es grade so noch geschafft hat, die Siege einzufahren, die vor eins, zwei Wochen als sicher galten? Ich denke so einfach ist es nicht. Wie hätten die Wahlen wenige Tage später ausgesehen? Nun, es ist Spekulation, aber ich finde es übertrieben, wenn man nun so tut, als hätte sie einen grandiosen Sieg errungen. Siehe auch Mirror on America.

jsmwins_splash2_02 Gewonnen hat wohl nur McCain, denn der hat alle Vorwahlen für sich entscheiden können und damit die Grenze von 1191 Delegierte übersprungen. Heute wird er damit wohl auch von den Großen der Republikanischen Partei – z.B. Präsident Bush – empfohlen und kann sich als republikanischer Präsidentschaftskandidat eben auf diesen Wahlkampf vorbereiten.

Bei den Demokraten steht nun in Frage, ob es überhaupt eine Entscheidung vor dem Nominierungsparteitag geben kann. Nach CNN Spielchen wäre dies selbst bei einem kompletten Gewinn von Obama nicht mehr möglich gewesen und naja, es wird nun knapper. Von daher werden wohl die Superdelegates die Entscheidung herbeiführen müssen. Meines Erachtens kann allerdings frühestens der 6. Mai eine solche Bedeutung wie der heutige Tag, da dort mit Vorwahlen in Indiana und North Carolina insgesamt 187 Delegierte zur Wahl stehen. Heute waren es 370. Die nächste größere Wahl ist am 22. April in Pennsylvania mit 158 Delegierten, vorher sind nur noch am 8. und 10. März die Vorwahlen in Wyoming (12) und Mississippi (33).

Ob es dabei ein Live-Blog gibt, kann ich noch nicht sagen, wobei ich das bei Mississippi eher bezweifle. Aber wer weiß. Jetzt jedenfalls muss ich erstmal ein wenig Schlaf nachholen, denn mir fallen fasst die Augen zu. Achja, wer mal sehen will, wie es beim Live-Bloggen hier so aussah heute, kann dies hier sehen:

Im Hintergrund zwei Fernseher, der Große mit CNN, auf dem anderen Phoenix / NBC. Eigentlich wollte ich dies per DVB-T und einem anderen Laptop machen, aber da war das Signal zu schwach :( Naja, dann wurde aus dem Büro der alte Fernseher wieder abgeholt. Auf dem großen Rechner wird gebloggt und seltener im Hintergrund recherchiert, die meisten Zahlen stammen vom EEE PC, wo man diese beim Tippen einfach nachlesen kann. Achja und dazwischen Cola zum Wachbleiben :D

Hier noch das Protokoll der Nacht euch… äh… naja, mir eine gute jetzt und euch einen schönen Vormittag :D

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K.O. in Texas und Ohio

image Barack Obama scheint Hillary Clinton nun einen Knockout am kommenden Dienstag versetzen zu wollen und benutzt den erreichten Finanzvorsprung nun um die Entscheidung herbei zu führen. 15 Millionen gehen für Werbespots in Texas und Ohio ((10 in Texas, 5 in Ohio)) raus und bezahlte Wahlhelfer werden eingeflogen, um den Senator aus Illionois noch die letzten entscheidenden Prozentpunkte zu bringen. In den letzten Wochen hatte Obama 50 Millionen Dollar sammeln können, während Clinton nur 32 Mio. sammeln konnte. Nach 11 Niederlagen in Folge braucht sie hingegen dringend eindeutige Siege in den beiden bevölkerungsreichen Staaten, um sich Siegeschancen weiter offen zu halten. Aus ihrem Lager werden die Stimmen bereits lauter, die andeuten, dass eine Aufgabe von ihr folgen würde, sollten diese ausbleiben. Über die Wahlen wird hier im Blog natürlich live berichtet und auch Phoenix hat die Brisanz erkannt und berichtet live ab 0.45 Uhr. Schwere Frage, ob man da lieber zu CNN oder Phoenix greift :)

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Wahlspot um das Telefon im Weißen Haus

“Es ist drei Uhr nachts, ihre Kinder sind sicher und schlafen, aber es klingelt ein Telefon im Weißen Haus. Irgendetwas ist in der Welt passiert.” Mit diesen Worten (natürlich in englisch) beginn ein Wahlspot von Hillary Clinton. Es folgt darauf dann der Hinweis, dass der Wähler entscheidet, wer diesen Ruf beantwortet. Ob es vielleicht jemand ist, der das Militär und die Staatschefs kennt? Also Hillary Clinton? Naja, seht selbst:

 

Obama antwortet geschickt, indem er feststellt, dass es weniger die Frage sei, wer antwortet als was geantwortet wird. Er sei der einzige, der in Sachen Irak die richtige Antwort gegeben habe. Hier sein Statement in kompletter Länge:

Und dabei ist es natürlich nicht geblieben, denn es kam ein entsprechender Gegenspot:

Man erkennt, dass die Entscheidung am kommenden Dienstag ((Mittwoch in Europa)) ungeheure Bedeutung bekommt und die Stimmen, die davon ausgehen, dass sich Hillary Clinton im Fall einer Niederlage zurückziehen sollte, nehmen nicht ab. Grund genug um wieder mal live diese Wahl zu beobachten.

Eine Million Spender

imageEine Schallmauer ist durchbrochen: Heute nacht hat Barack Obama seine Kampagne auf die Füße von mehr als 1.000.000 Spendern gestellt. Darin zeigt sich dann auch der finanzielle Erfolg seiner Kampagne: Seine Spender haben im Durchschnitt nur wenig mehr als 100 Dollar gespendet, während das US Wahlrecht eine Höchstgrenze von 2300 Dollar vorsieht. Dadurch dürfte ihm noch eine deutliche Reserve zur Verfügung stehen.

image Bei Hillary Clinton sieht es dagegen anders aus. Seit Wochen hinkt sie Obama hinterher, was das Spendenaufkommen angeht. Vor allem hatte sie sich auf Großspender verlassen, so dass dort nicht mehr viel zu holen ist. Jetzt werden wohl auch schon dubiose Lobbygruppen gegründet, um ohne Limit weitere Wahlkampfunterstützung aufzubauen. Auch hatte sie bereits 5 Millionen aus dem Privatvermögen in die Kriegskasse überführen müssen.

Ob dies was gebracht hat, scheint täglich zweifelhafter. Texas hat Clinton in den Umfragen bereits verloren, in Ohio schmilzt ihr Vorsprung langsam aber stetig ebenso.

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Texas Ohio

Vielleicht erklärt dies dann auch, wieso aus dem Clinton Lager nun verstärkt ein Vorwurf konstruiert wird, Obama wäre israelfeindlich. Nach dem Turban nun der zweite Angriff auf den Senator aus Illinois. Irgendwo ist es aber auch verständlich: Es ist der letzte Kampf von Hillary Clinton, denn selbst aus dem eigenen Lager kommen Stimmen – auch vom Ehemann Bill, die davon ausgehen, dass mit Niederlagen in diesen beiden Staaten auch die eigene Kandidatur beendet erscheint – vielleicht nicht rechnerisch aber psychologisch und faktisch.

Debatte der Demokraten

Also bisher habe ich bezüglich der Debatte zwischen Obama und Clinton noch keine Meldung gefunden, die einen Sieger oder direkte Folgen ausmachen konnte, nur damit hat Hillary Clinton es eben – trotz einiger Attacken – nicht geschafft, den Aufwind von Barack Obama zu stoppen. Entscheident wird es bekanntlich kommende Woche bei den Wahlen in Texas und Ohio. Hier nun nochmal das Protokoll der Live-Blog Sitzung letzte Nacht: Continue reading

Ralph Nader steigt in den Wahlkampf ein

nader.jpgEin weiterer Ralph hat sich in den Wahlkampf um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten eingeschaltet: Anders als der junge Ralph Wiggum ist Ralph Nader ein wirklicher Kandidat, der einige Stimmen auf sich vereinigen könnte. Bereits bei den letzten zwei Wahlen hatte der Verbraucheranwalt aus Conneticut für das höchste Amt kandidiert, wobei ihm insbesondere das Jahr 2000 internationale Bekanntheit einbrachte: Von Seiten der Demokraten hat man ihm nämlich vorgeworfen, dass er am Ende für die Niederlage von Al Gore gegen George W. Bush verantwortlich wäre. 500 Stimmen im entscheidenden Staat Florida hätten demnach gereicht, um den vorherigen Vizepräsidenten aufrücken zu lassen. Auch insgesamt verloren die Demokraten mehr Stimmen an ihn, als die Republikaner. Continue reading