Irgendwann wird Untersuchung zur Strafe

Er sitzt weiterhin in Haft: Der Fall des 17 jährigen Marco in der Türkei wird mehr und mehr zu einer Farce. Wie lange dort schon gebraucht wurde um eine Videoaussage aus Großbritannien in die Türkei zu bringen war schon merkwürdig genug und nun bekommt man sie nicht übersetzt. Wenn man es gut meint, würde man hier größte Schlampigkeit vorwerfen, ansonsten kommt einem Willkür und Böswilligkeit in den Sinn. Denn sieben Monate Untersuchungshaft, wobei das Verfahren noch nicht richtig begonnen hat, wirkt eher nach Strafe. Fluchtgefahr ist sowieso etwas seltsam, wo das Bild von Marco W. sicherlich in jedem Medium der Türkei auftaucht. Von daher kann ich hier nur hoffen, dass die Klage der Anwälte vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Erfolg haben wird, denn unmenschlich ist ein so langes Einsperren eines unschuldigen Menschen sicherlich – und das ist er bekanntlich bis zu seiner Verurteilung.

Der vergessene Deutsche

In den letzten Tagen überschlagen sich die Medien mit Berichten über den 17 Jährigen Marco W., der in der Türkei nach einem Urlaubsflirt oder mehr nun im Gefängnis sitzt. Ich will garnicht in die Diskussion einsteigen, ob er sich an dem 13 jährigen Mädchen vergangen hat oder nicht, ob sie sich als 15 ausgegeben hat oder ob er nur ein großes Opfer ist, das müssen andere Stellen klären und die Medien berichten schon mehr als genug – eher zuviel – über diesen Fall. Nur soviel, dass der Fall auch in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden würde. Nein, es geht mir auch nicht darum, die durchaus kritischen Haftbedingungen zu kritisieren, unter denen er – und im übrigen auch viele, viele Türken – zu leiden hat. Auch die schon sehr lange Untersuchungshaft wurde von anderen Stellen mehr aus ausführlich kritisiert. Ich finde nur mehr als seltsam, wie die Politik nun plötzlich emsig und auf allen Ebenen für den jungen Deutschen eintritt, aber ein anderer schwerwiegenderer Fall seit Jahren ignoriert wird… Continue reading