PolitCamp #3 – Digitale vs. Politische Kultur

Bevor es heute losgeht, will ich noch den dritten Bericht von gestern loswerden. Denn noch ist es schön leer, ich habe einen Platz an einer Steckdose gefunden und eigentlich noch 10 Minuten bis die Sessionplanung beginnt. Bin mir aber unsicher, ob es nicht eh später alles losgeht heute. Naja, sei es drum. Es geht um die Frage, wie die digitale Kultur oder Kommunikation des Web 2.0 mit der politischen in Verbindung zu bringen ist. In einer Session gestern ist dazu relativ frei diskutiert worden, was eine Wiedergabe der Diskussion etwas schwerer macht, darum versuche ich es mal einfach aus dem Bauch heraus.

Ich denke durchaus, dass das Web 2.0 mit seinen einfachen Kommunikationsmöglichkeiten und inwischen auch entsprechend leichteren Tools die Möglichkeiten bietet Bürger besser in den Prozess der politischen Willensbildung zu integrieren. Und natürlich entstehen auch andere Kommunikationskanäle. Aber soweit zu gehen, das Web 2.0 als die nächste Stufe unserer Demokratie anzusehen, würde ich noch nicht.

Hauptproblem: Der Zugang zum Internet und die nötigen Kenntnisse. Demokratie bedeutet eben alle zu erreichen und nicht die “Internet-Elite”, die mit Twitter und Web 2.0 Anwendungen tagtäglich herumhantiert. Ob es nun 40 Jahre dauert, bis man soweit ist oder dies schneller geht, sei mal dahin gestellt, aber die Aussage, dass es dafür durchaus eine Generation braucht, die mit dem Internet groß geworden ist, scheint recht plausibel.

Und noch eine interessante Beobachtung ist zu erkennen: Im Internet wird es alles etwas oberflächlicher. Zum einen erkennt man dies an dem teilweise genannten Anspruch, Politik auch auf 140 Zeichen darstellen zu können. Ich halte dies ein wenig für illusionistisch, denn Politik ist meist eben komplizierter. Andererseits: Wenn man in 30 Sekunden Häppchen fürs Fernsehen wichtige Botschaften unterbringt, dann geht das in 140 Zeichen auch und sonst gibt’s gerne mal einen Link dazu.

Wichtiger ist aber die Frage, ob das Web 2.0 wirklich zu mehr Aktivität und politischem Engagement führt. Wie einfach ist es doch kurz Protest zu tweeten, einen Punkt auf einer Landkarte zu setzen oder mal eben etwas zu unterschreiben. Aber wie es jemand von der SPD sagte:

“Jemand der nur ab und an mal in den Rechner tippt und am Rechner sitzt und sitzen bleibt, tritt keine Bewegung los.”

Und ich finde etwas ist da dran. Da schließe ich mich selber nicht aus, mache so etwas ja auch gerne mal mit. Ist ja schnell getan und man fühlt sich gut, etwas getan zu haben. Aber eben zu Demos, direkte politische Aktionen und weiteres gehen dann doch weniger. Das Web 2.0 schafft eben das Risiko, dass man sich mit einem Mausklick zufrieden gibt.

Und noch ein Risiko bremst meines Erachtens das Internet als politisches Medium aus: Es wird auf Fehler gewartet und auch alte Sachen gerne hervorgekramt. Eine unausgegorene Idee per Twitter oder andere Medien einfach zur Diskussion zu stellen führt zwangsläufig zu negativer Presse. Gestern wurde im Rahmen einer Berichterstattung offensichtlich die Zeitleiste von Volker Becks Tweets alleine auf Rechtsschreibfehler abgesucht. Die Schnelligkeit, die das Web 2.0 oft erfordert führt eben auch dazu, dass die Politiker übervorsichtig werden.

Und noch eins wird übersehen in der Kommunikationskultur des Web 2.0: Die Bedeutung des einzelnen Wortes. Bei Twitter geht es vielleicht darum, einmöglichst kurzes Wort zu finden, wer aber einmal miterlebt hat, wie um einzelne Worte gerungen wird, versteht vielleicht, dass die verschiedenen Bedeutungen von Wörtern in der Politik eine weitaus wichtigere Rolle spielen.

Mein Fazit, bevor jetzt gleich die Elefantenrunde beim Politcamp startet: Das Web 2.0 wird zu einem neuen Kommunikationsweg, ist aber eben auch nicht alles. Viele Menschen haben keinen Zugriff darauf oder kennen sich zuwenig damit aus, als dass es zum Hauptmedium unserer demokratischen Entwicklung wird. Zudem gilt: Die Politiker müssen natürlich einen Weg finden, diesen Kanal zu bedienen und auch Mut zur Lücke haben. Also: Beide Seiten müssen sich bewegen :)

Politcamp #1 – Twitter

Heute war der erste Tag des Politcamps und mein Resüme will ich mal in drei Artikel packen. Der erste – also dieser – hat Twitter zum Schwerpunkt, da sowohl die Eröffnungssession wie auch eine spätere sich um diesen Dienst drehten. In einem weiteren geht es dann jeweils um die Wahlkampfarena und Gedanken zur Digitale vs. Politische Kommunikation.

Aber vielleicht erstmal etwas Einleitendes: Beim Politcamp treffen sich an diesem Wochenende über 600 Webaktivisten und politisch Aktive hier in Berlin, um wie bei einem Barcamp verschiedene Schnittpunkte zwischen Web 2.0 und Politik zu diskutieren und voneinander zu lernen. Gestern abend gab es mit einer kleinen Twitterlesung und BBQ ein Warm-Up und heute um 10 Uhr ging es dann auch wirklich los. Neben den Sessions, die den Rahmen für die drei Artikel heute bieten, war ich noch bei einer Session zu WordPress, die aber außer einigen Pluginempfehlungen eben doch zu Einführend in das System war, so dass ich jetzt nicht weiter darauf eingehen möchte :)

Nun aber zum ersten Themenkomplex: Twitter. Keine Ahnung, ob es ein TweetCamp gibt, bei dem es nur um Twitter geht, aber dieser Dienst hat auch diese Veranstaltung fest im Griff. Diskussionen über die Sessions finden darüber statt – entweder durch regelmäßigen Blick aufs Handy und Suche nach #pc09 oder durch die Twitterwall, eine Leinwand auf die eben diese Beiträge gebeamt werden. Auch zwei Sessions drehten sich heute um diesen Mikrobloggingdienst. Continue reading

Twitterzitat des Tages: Alkohol und “Killerspiele”

Nein, eine Reihe wird nicht draus, aber ich fand die Aussage einfach zu gut, um sie hinten rüber fallen zu lassen. Also: Puh (Patrick Steinke) schrieb vor etwa 4 Stunden:

Jedes Jahr sterben zigtausende Menschen in folge von Alkoholkonsum aber der Kaufhof nimmt Spiele ab 18 aus dem Verkauf – gehts noch dümmer?

Viel mehr kann man eigentlich zu der Entscheidung von Kaufhof nicht geben, außer vielleicht, dass bei unvernünftigem Alkoholkonsum die Folgen sehr viel eindeutiger sind, als bei dem unvernünftigen Umgang mit Computerspielen – dort kippt man eher vom Stuhl, wenn man zuviel spielt, oder verliert seine sozialen Kontakte, aber nur wenn noch ganz, ganz, ganz, ganz viel anderes dazu kommt, kann dies dazu führen, dass jemand zum Amoktäter werden könnte. In Deutschland ist dies bisher 3 mal passiert – zugegeben mit einigen – zuvielen – Toten. Aber wenn man wirklich etwas tun will, dass weniger Menschen sterben in Deutschland, dann fängt man mit  Computerspielen am falschen Ende der Statistik an!

Twitter zur Nachrichtenverbreitung

1Es war ungefähr 15 Uhr, als über Markus Beckedahl über Twitter eine Art Hilferuf sandte:

Brauche HIlfe: Deutsche Bahn AG schickt mir Abmahnung wegen Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. http://bit.ly/yKBM

Der Blogger, der bereits seit Jahren auf Netzpolitik.org über Datenschutz, Politik 2.0 und weiteres bloggt, hatte am vergangenen Samstag einen Beitrag über ein internes Memo über die Mitarbeiterspionage bei der Deutschen Bahn veröffentlicht. Zum Hintergrund der Veröffentlichung sagte er im Interview mit Julia Seeliger:

Ich hab das Dokument zugespielt bekommen und kurz überlegt, ob ich es veröffentlichen soll. Aber ich finde, das Memo gehört in die öffentliche Debatte und es zirkulierte ja schon länger in den Medien. Ich wollte aber allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich eine eigene Meinung zu bilden.

3Nun jedenfalls schlug die Meldung in Twitterland ein wie eine Bombe und verbreitete sich in Windeseile. Eine Suche nach dem Link zu seinem Beitrag führt zu mehreren Seiten voller Tweets, indem auf diesen Sachverhalt verwiesen wird und Rivva zählt momentan 45 Blogs, die auf den Artikel verweisen. Die interne Memo, die die Deutsche Bahn eigentlich mit dieser Abmahnung aus dem Netz entfernen wollte, ist inzwischen weiter verbreitet als zuvor, wurde auf andere Dienste übertragen vielleicht gar noch weiter gebloggt.

Und auch klassische Medien haben reagiert: Neben Heise und Golem auch nicht technisch-spezifische Medien wie beispielsweise DerWesten. Offensichtlich kam man bei dort auch nicht um die Twitterschweme herum, schrieb man doch um ca. 19 Uhr:

Danke für alle Hinweise in Sachen DB und @netzpolitik. Text zum Thema ist in der Mache!

Und in der Tat: Kurze Zeit später wurde – natürlich ebenfalls über Twitter – der obenstehende Artikel angekündigt. Und auch Spiegel Online hat das Thema eingebunden.

Also offensichtlich ist der Schuss der Bahn – die im übrigen ja eigentlich aufklären wollte – deutlich nach hinten gegangen. Hat schon fast etwas von viralem Marketing, nur dass hier negative Werbung betrieben wird.

Konferenzen über Konferenzen

Tja, das neue Jahr ist nichtmal ein Jahr alt und schon sammeln sich die ersten Konferenzen an, die im ersten Halbjahr im Bereich Web 2.0 auf mich zukommen. Und da der ein oder andere ja vielleicht auch Interesse an dem ein oder anderen Ereignis hat, hier mal die wesentlichen Termine:

Da in diesem Jahr auch die Bundestagswahl ansteht und sich meine Diplomarbeit auch um diese Verbindung von Politik und Web drehen wird, hoffe ich den ein oder anderen Impuls aus diesen Veranstaltungen zu ziehen.

Clement vor Gericht – Bericht bei twitter

Okay, das Gericht vor dem Wolfgang Clement sich verantworten muss, ist “nur” das SPD Schiedsgericht in NRW, aber immerhin geht es um nicht weniger, als seine Parteimitgliedschaft. Die formalen Regeln und den Hintergrund kann man am besten direkt im Blog der SPD NRW nachlesen:

Die Bochumer Schiedskommission hatte in erster Instanz Wolfgang Clement eine Rüge gegen Wolfgang Clement wegen seiner Äußerungen vor der hessischen Landtagswahl erteilt. Clement hatte indirekt dazu aufgerufen, Andrea Ypsilanti wegen ihrer Energiepolitik nicht zu wählen. Gegen dieses Urteil sind sowohl Clement als auch einzelne Gliederungen in Revision gegangen.

Auch im Pottblog finden sich entsprechende Informationen über das Verfahren. Was dort aber auch bei mir im Mittelpunkt stehen sollte, ist das das Ergebnis direkt getwittert wird. Also theoretisch dürften damit Benutzer des Internetdienstes twitter schneller informiert sein, als Nutzer anderer Medien. Aber warten wir es ab – sowohl dieses Rennen, als auch das Ergebnis des Verfahrens…

Politik und Web 2.0

Politik und Internet sorgt eher für Gelächter, wenn Politiker mit “Fachbegriffen” traktiert werden oder wenn die ersten Gehversuche mit Videos dargestellt werden. Nun, allgemein ist Web 2.0 bei Politikern noch in den Kinderschuhen, wie eine Kurzstudie von newthinking communications nun zeigt. Dabei wurden soziale Netzwerke wie studiVZ, facebook oder XING, sowie die Blogosphäre oder YouTube auf ihre Nutzung durch Parteien und deren Jugendorganisationen untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd: In den sozialen Netzwerken gibt es zwar durchaus Gruppen, die auch einige Mitglieder haben, aber sowohl in der Blogosphäre fehle eine Verankerung ebenso bei Twitter und auf Videos bei YouTube werde nur beschränkt zugegriffen. Hier ist für alle Parteien also noch eine riesige Baustelle – auch für uns in Gelsenkirchen. Von daher finde ich den Ansatz von Till Westermayer gut, sich einmal strukturiert Gedanken dazu zu machen. Bruchstücke gibt es in meinem Kopf auch schon, teilweise mehr, aber naja, mal sehen, was sich bis zur Kommunal- und Bundestagswahl daraus stricken lässt. Die Studie hat für mich aber daneben noch einen weiteren interessanten Ansatzpunkt: Sie könnte ggf. in meine Diplomarbeit fließen oder zumindest Ansätze dafür bieten ;)

Kurztripp nach Gambia

Auf dem Weg zur Uni war ich heute auch kurz in Gambia. Sagt zumindest Twinkle, mein Twitterprogramm für das iPhone. Dieses versucht den aktuellen Ort zu bestimmen, damit man gucken kann, wer in der Umgebung noch twittert. Und was kam bei mir raus?


Also bleibt die Frage: Gibt es ein Altenessen in Gambia oder haben wir dieses an Gambia verkauft und ich damit eine Grenze überschritten? ;)

FreeRice.com

image Twitter ist schon mehr als merkwürdig. Da will man eigentlich nur den allabendlichen Gruß in die Twitter-Gemeinde los lassen und sieht dann, dass der geschätzte Kollege noch “eine Runde hunger minimiert” bei freerice.com. Dann kommt die Neugier durch, denn freerice.com ist ja nicht das selbe wie der Imbiss um die Ecke, also kann der eigene Hunger ja nicht gemeint sein. Und was findet man unter genannter Adresse: Ein kleines Vokabeltraining-Spielchen, bei dem für jede richtige Antwort 20 Reiskörner an die Hungernden dieser Welt gehen. Macht jedenfalls Spaß, man lernt neue Wörter und hilft auch noch ein wenig damit. Tja, und um die Geschichte abzurunden, bloggt man dann natürlich noch darüber und aus dem Gute Nacht Gruß sind wieder einige Minuten geworden ;)

Der einzige Twitterer von Gelsenkirchen?

In letzter Zeit fange ich an Twitter wirklich zu lieben, das liegt sicher am neuen iPhone, bei dem man Dank Twinkle schnell auch bebilderte Berichte bekommen kann, zum Beispiel von der heutigen Vorstandssitzung und dem danach. Über bertdesign bin ich dann auf einen Artikel von Kosmar über verschiedene Twitterdienste gestoßen.

Ein interessanter Artikel ist Twitterlocal, bei dem man gucken kann, wer in der Umgebung getwittert hat und was der Titel schon verrät: Gelsenkirchen ist diesbezüglich ziemliches Entwicklungsland. Neben mir twittert nur die EfA Tagung, die am Dienstag im Wissenschaftspark über barrierefreies Internet diskutiert. Also, liebe Gelsenkirchener, ein Grund mehr sich diesem neuen Hype nicht weiter zu verschließen ;)

Auch nett: TweetStats, bei dem man sich über sein eigenes (oder das fremde) Twitterverhalten informieren kann. Bei mir kann man so eindeutig den Anstieg im März erkennen nach dem Barcamp Ruhr.

Weiteres habe ich noch nicht ausprobiert, aber schon interessant, was sich um diesen Dienst mit dem Wunsch in 140 Zeichen zu schreiben, was man grade tut, alles entwickelt hat ;)

Und achja: Meine Tweets findet man noch immer hier :)