Absolute Mehrheit – Fazit


Absolute Mehrheit

Gestern Abend lief zum ersten mal Raabs "Absolute Mehrheit" bei ProSieben.

Storified by · Mon, Nov 12 2012 02:16:48

Ich hatte ja schon zweimal etwas zu Raabs Show geschrieben: 
Raabs Populismus-ShowAls ich gestern gehört habe, dass Stefan Raab eine neue Polit-Talk-Show plant, dachte ich erst, dass das ja etwas Bewegung in das Genre b…
Chaos bei "absoluter Mehrheit"Über Raabs Populismusshow "Absolute Mehrheit" hatte ich meine Meinung ja schon geschrieben und jetzt wird es chaotisch: Volker Beck war z…
Gestern Abend lief dann zum ersten Mal diese Sendung und trotz allem wollte ich mir das angucken. Man muss ja prüfen, ob sich die Kritik Bewahrheitet. Und das hat sie. Hier mal einige Tweets, die auch meine Meinung deutlich machen:
Der Politikwissenschaftler in mir hat zwar Bauchschmerzen, aber trotzdem mal reinschauen #AbsoluteMehrheitDominik Brück
Wer bei #AbsoluteMehrheit gewinnt zeigt nur, daß er die dämlichsten Anhänger hat, die für diesen Scheiß 50 Cent pro SMS/Anruf ausgeben #raabChris
Nennt mich altmodisch, aber Respektlosigkeit erkennt man auch an der Körperhaltung! Wie sitzt Raab eigentlich a. dem Sofa? #AbsoluteMehrheitFrank
Raab aber sehr parteiisch für ne Sendung mit Gewinner-Konzept. #AbsoluteMehrheitPatrick Jedamzik
Ich verstehe das Ziel der Sendung nicht. Warum braucht ein Polit-Talk einen Gewinner? #AbsoluteMehrheit @ProSiebenRoy Busch
Vielleicht sollte es bei der nächsten Bundestagswahl auch Preise geben. Dann machen die Leute auch den größten Mist mit. #absolutemehrheitnordkiez
Inhaltlich brachte die Sendung auch nicht wirklich viel. Alleine die Einspieler zu den Themen waren oft schon so platt, dass man nur aufschreien konnte. Bei der Energiewende wurde die Atomkatastrophe von Fukushima verharmlost und dann mit falschen Fakten gegen die Energiewende geschossen. Die Diskussionen waren immer entsprechend kurz, weil man zwischendurch die neuen Statistiken vom Televoting zeigen musste. Und auch Stefan Raab empfand ich schon einseitig in seiner Moderation: Kritische Fragen gingen in erster Linie an SPD und LINKE, als Oppermann Dinge aus der vorherigen Diskussion geradestellen wollte – nach einem Statistiken – wurde auch er abgewürgt. 
Man hat am ehesten bei Van Aaken gesehen, worum es bei der Diskussion ging: Anstatt sich zu den Mitdiskutanten zu drehen, wandte er sich an das Publikum und damit weg von seinen Kollegen auf der Bühne. Es bleibt so: Bei der Sendung wird um Stimmen geworben, nicht um die besten Inhalte. 
Andere Konzepte abseits von Jauch & Co. zeigen meines Erachtens wie man Talkshows und Politikvermittlung auch wirklich interaktiv durchführen kann:
log in – WikipediaAm 23. November 2010 nahm der ZDFinfokanal (heute ZDFinfo) den Sendebetrieb der politischen Talksendung auf. In der ersten Ausgabe beantw…
Stefan Raab mag ein guter Entertainer sein und vielleicht könnte er sogar eine gute und moderne Politshow machen. Aber dieser Versuch bei Politik einen Gewinner zu küren ist echt nervig. Politikvermittlung braucht zwei Dinge: 1. Seriöse Informationen und 2. geordnete Diskussion. Beides hatte die Sendung nicht. 

Raabs Populismus-Show

Als ich gestern gehört habe, dass Stefan Raab eine neue Polit-Talk-Show plant, dachte ich erst, dass das ja etwas Bewegung in das Genre bringen könnte. Auf der ARD kann man sich jeden Abend ja irgendjemanden angucken und m.E. sticht nur Maischberger etwas positiver heraus – immer gucken tue ich die Sendung dennoch nicht. Als ich dann aber mehr über das Konzept erfahren habe, wurde mir schon etwas schlecht:

Fünf Diskutanten – Politiker und Bürger – treten nacheinander im Disput gegeneinander an. ProSieben-Politikchef Peter Limbourg ordnet das Gesagte nach jeder Runde ein, dann entscheiden die Zuschauer per Televoting, wer interessant genug war, auch noch in der nächsten Runde Gehör zu finden. Der Sieger hat am Ende rein rechnerisch fünfzig Prozent aller Zuschauer auf seine Seite gezogen und wird mit 100.000 Euro belohnt. (Frankfurter Rundschau)

Kurz: Derjenige, der mit den mehrheitsfähigeren Meinungen auftritt oder diese am reißerischsten Präsentiert kommt also weiter und gewinnt. Wenn das dann auch noch in der verschärften Varianten mit “Runden” stattfindet, verschwinden Minderheitenmeinungen sehr schnell. Mit Politik hat das meines Erachtens dann nicht mehr viel zu tun. Politik lebt vom Pluralismus, von verschiedenen Meinungen, von Diskussion und vielleicht sogar von Kompromissen. Klar, am Ende im Parlament geht es um Mehrheiten, aber zur Bildung von Meinung gehört es, verschiedene Ansichten zu hören und darauf basierend seine Meinung bilden. Wenn aber sofort derjenige mit der lautesten Stimme und der einfachsten Lösung “gewinnt” geht dieses Prinzip verloren.

Heute bin ich auf ein Zitat von Mark Twain gestoßen, welches dazu mehr als gut passt:

“Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect.”
[Deutsch sinngemäß: "Wann immer du dich auf der Seite der Mehrheit befindest, ist es Zeit für eine Pause dies zu überdenken"]

Anstatt sinnvoller Diskussion geht es um Unterhaltung, Information muss dem Wettbewerb weichen und am Ende wird der Eindruck erzeugt, eine bestimmte Meinung sei Mehrheitsmeinung. Politik wird vereinfacht auf einen Prozess wo zwei Meinungen gegeneinander stehen und es doch eigentlich ganz einfach sei. Ich fände ein junges, diskutives und modernes Konzept angebrachter, welches die Politikverdrossenheit durch Information absenkt, anstatt sie durch Entertainment zu vergrößern. Aber vielleicht hatte ich mir zuviel von ProSieben und Raab versprochen. Mit solchen Konzepten verdient man keine 0,50 Euro pro Anruf.

Raabs Gegendarstellung

Gegendarstellungen sind der Weg, mit dem man sich gegen eine fehlerhafte Berichterstattung wehren kann. Dies hat nun auch Stefan Raab getan und sich gegen einen Artikel im Focus gewehrt, in dem seiner Meinung nach 20 Fehler zu finden sind. Alle 20 Punkte kann man im Bildblog nachlesen, aber ist schon interessant, wie falsch Berichterstattung dann wohl sein kann:

6. Weiter heißt es: “Der Metzgerssohn, der heute noch das Mettbrötchen mit Zwiebeln, Gurkenscheibe dazu, ganz hinten in seiner Stammkneipe schätzt (…).”
Hierzu stelle ich fest, dass ich nie Mettbrötchen mit Gurkenscheiben dazu esse und auch keine Stammkneipe habe.

18. In der Bildunterzeile des Fotos auf S. 162, das ein Modellschiff zeigt, heißt es: “Sein Traumschiff – im Internat”.
Hierzu stelle ich fest, dass das Modellschiff nicht mein Traumschiff ist.

19. In der Bildunterzeile des Fotos auf S. 163, das ein Klassenzimmer zeigt, heißt es: “Seine Klasse – im Internat”.
Hierzu stelle ich fest, dass es sich nicht um mein Klassenzimmer handelt.

20. In der Bildunterzeile des Fotos auf S. 166, das ein Mettbrötchen zeigt, heißt es: “Sein Brötchen – in der Kölschkneipe”.
Hierzu stelle ich fest, dass es sich nicht um mein Mettbrötchen handelt.

Dem Focus gefällt diese Gegendarstellung ganz offensichtlich nicht und versucht diese Kritik an Fehldarstellungen als Kritik an Raab zu verkaufen:

Bekannt ist STEFAN RAAB, 44, als Spaßvogel und als Musikfreund, der Lena Meyer-Landrut großgemacht hat. Eine andere Seite zeigt Raab, wenn es um die eigene Person geht. Dies verrät diese Gegendarstellung, die FOCUS mit Blick auf den Informationsgehalt sehr gern druckt. Schon zu Beginn der Recherche zum Stefan-Raab-Porträt “Will der nur spielen?” hatte der Medienunternehmer mit rechtlichen Schritten drohen lassen. FOCUS recherchierte trotzdem. Reporter gingen ins Handelsregister, sie sprachen mit Nachbarn und Weggefährten, mit Mitschülern und Jugendfreunden, mit Anwälten, einstigen Lehrern und Priestern. Einige haben schon angeboten, ihre Erinnerungen mit eidesstattlichen Versicherungen zu unterstützen. Den Wahrheitsgehalt der Gegendarstellung wollen wir nicht kommentieren. Unseren Lesern, die sich ein eigenes Bild machen möchten, empfehlen wir besonders die Punkte 6, 18 und 20.

Meine Meinung: Der Focus wollte eine Homestory von Raab machen und den Lesern vorgaukeln genaue Informationen über das Privatleben des Entertainers zu haben und hatte dies offensichtlich nicht oder sie eben bei Kleinigkeiten ausgeschmückt.

Lena als Marke

Wer noch dachte, dass Lena Meyer-Landrut eine 19 jährige Sängerin ist, die den Eurovision Song Contest gewonnen hat, muss sich eines besseres belehren lassen: Lena Meyer-Landrut ist eine Marke und sie gehört Raab TV. Tja, so schnell wird man offensichtlich von einem Menschen zu einer Marke. Hintergrund:

Nachdem der unter anderem für Science Fiction und Fantasy bekannte Heyne Verlag unlängst eine Biografie mit dem Titel [extern] “Lena – Einfach raus und leben” ankündigte, bekam er Post von einer Kölner Kanzlei, die behauptete, dass [local] Stefan Raabs Firma Raab TV die Inhaberin “sämtlicher ausschließlicher Nutzungsrechte an dem Namen Lena Meyer-Landrut” sei und selbst “in erheblichem Umfang eigene gleichgelagerte Produkte vertreiben” werde.

Der Verlag werde die Biographie dennoch am 2. August herausbringen. Mal abgesehen davon, dass ich mich – ohne jetzt etwas gegen Lena sagen zu wollen – frage, wieso es für eine 19-jährige deren Karriere gerade erst begonnen hat schon eine Biographie geben muss, halte ich das auch für richtig. Lena ist nunmal mehr als eine Marke, sondern eine Person des öffentlichen Lebens. Und diese muss nunmal auch damit leben, dass über sie geschrieben wird – auch von Leuten, die sie nicht nach oben gebracht haben.