Nachspiel 2011

Es ist schon über eine Woche her, dass ich auf der Spielemesse in Essen war, aber zuerst die Diplomarbeit und die danach einbrechende Faulheit hat den Bericht etwas verzögert, aber da damit jetzt Schluss ist nun ein kleiner Überblick über bereits gespieltes und einiges gekaufte. Wir haben von unserem Rollenspielpodcast System Matters heute auch den Rückblick veröffentlicht, der aber seinen Schwerpunkt aber bei Defenders of the Realm hat, dem erstem Spiel auch meiner Rückschau – nicht aus qualitativen, sondern aus Überleitungsgründen :D

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Rückblick auf die WM

Okay, ganz ist es noch nicht vorbei, denn heute Abend spielen ja noch Holland und Spanien um die Krone der WM in Südafrika. Aber zum einen hat Paul da ja schon das Ergebnis entschieden und zumindest für Deutschland ist die WM nun ja doch vorbei.

Und sie hatte mir Spaß gemacht. Wenn man überlegt, wie vorher über die deutsche Nationalmannschaft geunkt wurde, weil eigentliche Stammspieler krankheits- oder verletzungsbedingt ausfielen. Ich war eher davon ausgegangen, dass vielleicht die “Zweite Garde” nun mal zeigen wollte, was in ihr steckt. Und das hat sie gut getan. Bis auf die Niederlage gegen Spanien war es doch ein tolles Turnier. Klar wäre mir lieber gewesen, man hätte heute abend gespielt um den Titel, aber ich denke auch ein dritter Platz ist wieder ein gutes Ergebnis.

Innenpolitisch kann man wieder festhalten, dass Deutschland trotz vier Wochen Jubelstimmung nicht in einen faschistischen Schreckensstaat entwickelt hat. Die Jagd nach Nationalflaggen war von daher überzogen, insbesondere, wenn man einem Libanesen die Fahne klauen will. Im Gegenteil zeigt dieses wiedereinmal, dass zu starres Nationaldenken wirklich von gestern ist. Sowohl bei denen, die die deutsche Nationalmannschaft nicht unterstützen, weil sie nicht deutsch sei. Aber eben auch von denen, die hinter jeder deutschen Fahne einen verkappten Nationalisten vermuten. Es ist eben so, dass man durchaus mehrere Identitäten besitzen kann – zwar in unterschiedlicher Gewichtung aber eben nicht so eindeutig wie dann gerne behauptet.

Und dann gibt es ja noch eine Neuerung: Die Vuvuzela. Ich hoffe aber, dass es bei den vier Wochen bleibt, denn das “Röööö” hat doch ein wenig das Fußballfeeling genommen, wenn es Fangesänge und ähnliches übertönt.

Nun kehrt also wieder das normale Leben zurück, denn die WM war doch schon ein Event, über das man gesprochen, bei dem man gemeinsam gefiebert hatte oder abends oft wusste, dass zumindest Fußball im Fernsehen läuft – wenn sonst nur Mist dort zu finden ist. “Normales Leben” bitte ich demnach in dem Zusammenhang zu sehen. Und nun heißt es zu warten bis zur EM 2012 oder der WM 2014.

Mehr als 1.300 Verfahren eingestellt

In den letzten Tagen musste ich oft zurückdenken: Vor genau einem Jahr fand in Rostock die große Demo gegen den G8 Gipfel statt. Was als positives fröhliches Event begann, endete mit dem Einsatz von Wasserwerfern und einem brennenden Auto ja leider unrühmlich.

Von den geschätzen 3.000 Randalierern wurden bisher 83 rechtskräftig verurteilt. Höchststrafe: 14 Monate Haft für einen 38-jährigen, der einen faustgroßen Stein Richtung einiger Polizisten geworfen hatte. Neun weitere Verdächtige werden noch gesucht.

Unter den 1450 Ermittlungsverfahren waren aberauch skurrile Anschuldigen, wie der gegen einen 20-jährigen Berliner, der einen „selbstgebastelten Brandsatz” mit zur Demo gebracht haben sollte – es war ein Edding, bei dem die Kappe fehlte und der zum Schutz vor Austrocknung in Papier eingewickelt war.

Dass nun 1.300 Verfahren eingestellt wurden, wertet das Rostocker Antirepressionsbündnis als “juristischen Offenbarungseid”. Sicher nicht ganz zu unrecht. Es gibt viele offene Fragen und vieles am Einsatz von Polizei und auch der Bundeswehr ist und bleibt strittig. Sexuelle Gewalt, Tornado Einsätze, Käfighaltung waren nur einige der unzulässigen Mittel des Staates. (Vergleiche hierzu auch den Untersuchungsbericht von Christian Ströbele.)

Nur eins ist und bleibt dennoch richtig: Gewalt sollte auf Demonstrationen keinen Stellenwert haben. Der Versuch den Gewaltausbruch vom 2. Juni 2007 zu rechtfertigen wurde ja selbst von prominenten Personen wie Peter Wahl kritisiert.

Und um nochmal persönlich zurückzublicken hat sich an meiner damaligen Einschätzung wenig geändert: Es waren aufregende schöne Tage. Am Mittwoch direkt am Zaun gewesen zu sein, hatte wirklich etwas für sich. Ich brauchte damals danach nur mehrere Tage, um mich daran zu gewöhnen nicht ständig den Himmel nach Hubschraubern abzusuchen :)