Wenn zwei sich streiten ist Israel schuld…

Gestern wurde in Deutschland demonstriert: Gegen den Krieg in Gaza oder öfter eher den Angriffskrieg des terroristischen Israel. Bei der Demonstration in Gelsenkirchen soll nach Berichten des Gelsenkirchen Blogs auch “Tod den Israeliten” gefordert, angeblich mit Verweis auf die Gaskammer. Ich war nicht dabei und kann es nicht bestätigen, aber ganz von der Hand zu weisen ist es nicht, wenn man sich Bilder aus Duisburg anschaut: Dort wurde voller Emotionen mit Schneebällen und mehr auf ein Fenster geworfen, wo eine Israel Fahne angebracht war – bis die Polizei diese schließlich “einzog” ((was immer das bedeuten mag: Abnehmen ist eine Sache und schon kritisch genug, aber die Fahne eines anerkannten Staates einziehen? Naja, überlassen wir diesen Nebenaspekt dem Spiel der Wörter :) )) (Video und mehr bei den Ruhrbaronen). Fazit demnach und eigentlich offensichtlich: Wer momentan noch Verständnis für Israel aufbringen kann, hat es nicht leicht.

In einem netten Kommentar hat Martin Heller dies für Spiegel Online dargestellt: (gefunden über Blog von Sebastian Brux)

Jetzt kann man natürlich noch ewig darüber streiten, wer nun mehr Schuld an dieser neuerlichen Eskalation hat, aber ich bleibe dabei, dass sich das Ende der Gewaltspirale eher auf palästinänsischer Seite finden lässt: Wenn die Raketen schweigen würden und die Gefahr für die Städte in Israel damit sinkt, hätte Israel keinen Grund mehr in irgendeinerweise einer Zweistaatenlösung im Weg zu stehen. Das haben Sie doch bereits gezeigt: Der Gaza Streifen war verlassen, für das Westjordanland gleiches angekündigt und im Prinzip hatte man beide Regionen bereits Ägypten und Jordanien angeboten, die aber grade aufgrund der schwierigen Sicherheitslage ablehnten.

Israel ist deshalb aber auch nicht der Friedensengel in der Region: Das Verhalten gegenüber der Hamas als Wahlsieger war – auch vom Westen – genauso falsch, wie es wahrscheinlich auch vereinzelte Maßnahmen an der Grenze oder bei der Versorgung sind und man auch bei diesem Krieg auch über die ein oder andere Bombardierung sicherlich nachdenken kann. Aber wie gesagt: Über die Schuld in einem Konflikt zu diskutieren, der seit über 60 Jahren existiert und immer mal auf der einen oder anderen Seite Hardliner hatte, ist müßig.

image Leidtragenden dieses Konfliktes sind Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze. Es sind eben nicht nur die Palästinenser, die leiden, sondern auch die Menschen in israelischen Städten, die seit Jahren Tag ein-Tag aus mit dem Gefühl einer ständigen Bedrohung leben müssen.

Ich glaube nicht, dass eine einfache Regelung für einen Waffenstillstand einen dauerhaften Frieden sichern kann. Früher oder später fliegen wieder Raketen nach Israel, vielleicht auch weil diese bestimmte Maßnahmen aus Misstrauen noch nicht gelockert haben ((ohne das jetzt als Rechtfertigung verstanden zu wollen)) und früher oder später kommt dann die Reaktion und wir sind keinen Schritt weiter.

Henryk M. Broder schlägt im Spiegel vor, Ägypten als Sicherheitsgaranten einzubeziehen:

“Ägypten, das Gaza bis 1967 verwaltet hat, übernimmt den “Strip”, macht die Grenze nach Ägypten auf und kontrolliert die Grenzen zu Israel. Kulturell stehen die Gazaner den Ägyptern ohnehin näher als den Palästinensern im Westjordanland. Im Gegenzug verpflichtet sich Israel, den Palästinensern im Westjordanland beim Aufbau einer umfassenden Infrastruktur zu helfen, die einer Staatsgründung vorausgehen sollte. (…) Nach zehn Jahren stimmen dann die Bewohner des Gaza-Streifens und die im Westjordanland darüber ab, ob sie getrennte Wege gehen oder sich vereinigen wollen. Das alles unter der Voraussetzung, dass Selbstmordattentate und Raketenangriffe aufhören und Israel die gezielten Tötungen einstellt.”

Klingt schön und wäre sicherlich eine der möglichen Lösungen. Nur wird Ägypten sich einen solchen Brocken wirklich ans Bein binden und sichern, das Israel nicht mehr von dort angegriffen wird? Wohl kaum! Bereits im letzten Jahr hatte Mubarak gesagt, dass dies ein “bloßer Traum” wäre und der Gazastreifen nie zu Ägypten gehören würde.

Bliebe noch die Alternative einer internationalen Schutztruppe, die den Gazastreifen sichert. Dies lehnt die Hamas momentan ab. Und unabhängig davon: Wie würde ein solches Mandat aussehen? Dürften die Soldaten gegen Hamas Milizen vorgehen? Den Beschuss Israels verhindern? Und wenn ja: Welches Land würde Soldaten für ein solches Pulverfass zur Verfügung stellen mit der Problematik dort womöglich wirklich militärisch eingreifen zu müssen und eigene Soldaten zu verlieren?

Eine einfache Lösung gibt es nicht. Wenn Israel den Kampf einstellt ändert sich für die Bevölkerung von Städten wie Sderot, die mit 3 bis 4 Raketeneinschlägen pro Tag rechnen müssen, nicht viel. Und auch wenn ich davon ausgehe, dass – sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Hamas von seinem Ziel einer Zerstörung Israels absieht, den Beschuss unterbindet und die Zweistaatenlösung akzeptiert – weitere militärische Aktionen Israels nicht durchgeführt würden, wäre die Zivilbevölkerung noch immer in einem Elend gefangen und da Vertrauen bekanntlich schneller zerstört wird, als es wieder wächst, würde sich nicht sofort eine Verbesserung deren Umstände einstellen, denn Sanktionen verschwinden eben nicht von einem Tag auf den anderen.

Man sieht also: Wer den Konflikt im Nahen Osten wirklich erfassen will, muss – bei aller unterschiedlichen Bewertung über das Vorgehen oder die Sinnhaftigkeit desselben ((ich weiss ehrlich gesagt auch nicht, für wie logisch und vernünftig ich das israelische Vorgehen im Hinblick auf die Erfahrungen im Libanon-Krieg halte, auch wenn ich es für moralisch nachvollziehbar halte)) – mehr tun, als nur Israel als Schuldigen an die Wand zu stellen. Dies war offensichtlich das Motto der Demos heute. Und um das zu sehen, braucht man nichtmal die genannten Ausdrücke, sondern kann sich einfach die Videos auf YouTube angucken, die logischerweise auch nicht als Friedensdemo sondern ganz eindeutig als “Anti-Israel Demo” gekennzeichnet wurden. Sehr löblich und wiedermal ein Beweis dafür, dass grundsätzlich Israel Schuld ist. Ein Schelm wer böses dabei denkt…

Wenn sich Publizisten streiten…

Bereits seit mehreren Wochen verstehen sich Henryk M. Broder und Stefan Niggemeier nicht mehr wirklich gut. Zweiterer hatte einige Artikel über den nicht unumstrittenen Publizisten verfasst, in denen er vermeindliche Fehler aufzeigte, aber dabei auch ganz polemisch mit Titeln wie “Doof wie Broder” oder “Gehirnfasten mit Henryk M. Broder” arbeitete. Dieser reagierte natürlich postwendend, aber es geht jetzt auch nicht darum, das ganze hin und her nochmal darzustellen. Das hat Jörg bereits in einer längeren Darstellung gemacht und wie ich finde auch inhaltlich richtig abgerundet.

Im neusten Schlagabtausch hat sich Broder jedenfalls das BILDblog vorgenommen und stellt dazu fest:

[Stefan Niggemeier] hat nicht einfach einen Riesenspaß daran, täglich BILD zu lesen, er braucht dafür ein Alibi, um nicht in den Verdacht zu geraten, dass es ihm einen Riesenspaß macht, BILD zu lesen. Und Niggemeier treibt es nicht mit sich allein. Einige zehntausend Afficionados, die nicht einmal eine gelesene BILD aus der U-Bahn mitnehmen würden, besuchen regelmäßig den BILDblog, um sich darüber zu informieren, was ihnen so zuwider ist wie einem Vegetarier eine Portion Tartar. So wichst zusammen, was zusammen gehört.

Man muss BILD nicht lesen. Echte Genießer tun es aber in einem BILDblog-Sweat-Shirt zu 26.9o über einem BILDblog-T-Shirt zu 14.9o mit einer BILDblog-Strickmütze auf dem Kopf zu 12.- Euro.

BAM…Ich würde sagen, das hat gesessen und: Ganz falsch ist das ja nicht. Ich mag Bild nicht, ich lese sie nicht, aber ich brauche auch kein BILDblog um mich zu vergewissern, dass die Zeitung Mist ist, da reicht ein flüchtiger Blick auf den Zeitungsständer.

Nun, sei es drum. Jedem das seine und ob die Welt mein Blog bräuchte ist sicher auch zu bestreiten, aber manche Dinge kann Broder nunmal gut auf den Punkt bringen. Robert Basic hat schonmal Popcorn und Cola bereit gestellt und 5 Goldtaler auf Broder gesetzt und auch Media-Blog hat das Thema bereits aufgegriffen. Ich bin mal gespannt, wie sich der Kleinkrieg der beiden Publizisten weiter entwickelt :)

(via Rivva/turi)

Kapitulieren wir?

Henryk M. Broder Am Publizisten Henryk M. Broder schieden sich die Geister. Vor kurzem wurde bei Spiegel Online das Vorwort der Neuauflage seines Buches “Hurra, wir kapitulieren” abgedruckt und Ario hatte sich in einem Artikel über die “fremdenfeindlichen und xenophoben Thesen” beschwert. Ich muss sagen, dass ich auch so gedacht habe, als ich mir das Buch kurz nach der Veröffentlichung gekauft hatte. Ich hatte Lust darauf ein Buch zu lesen und mich tierisch darüber aufzuregen – es ist nicht gelungen. Es gibt einige Stellen in dem Buch, die bei mir Fragen offen ließen, die mich stutzig machten oder bei denen er hoffnungslos übertreibt, aber ich finde er beschreibt dennoch einige wesentliche Entwicklungen in unserer westlichen Gesellschaft sehr gut und man sollte zumindest kurz drüber nachdenken, anstatt pauschal alles abzulehnen. Schon lange hatte ich mir vorgenommen darüber einen Artikel zu schreiben, es dann verschoben und schließlich das inzwischen zweimal gelesene Buch wieder ins Regal gestellt – aus diesem “aktuellen” Anlass und damit ich neben den Studien zum Kalten Krieg noch etwas anderes machen wollte, nun hierzu doch noch ein Beitrag :)

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