Herzlichen Glückwunsch Italien!

Es halt leider nicht gereicht. Wiedereinmal sind wir im Halbfinale gescheitert und können am Sonntag nicht mit der deutschen Nationalmannschaft mitfiebern Europameister zu werden. Große Spieldiagnosen findet ihr woanders genug, hier nur auf die Schnelle einen Glückwunsch an die italienische Mannschaft und allen Fans am Sonntag ein spannendes und erfolgreiches Spiel – für wen auch immer man sein mag. :)

Das Video oben habe ich an dem Abend an der Ringstraße aufgenommen. Wir waren eigentlich schon auf dem Rückweg, aber offenbar war da noch mehr Huplaune vorhanden, als gedacht. Übrigens auch von deutschen Fans – viele Autos auf der Straße hupten zusammen mit den italienischen Freunden.

Nationalismus und Patriotismus

Ich wundere mich ein wenig, dass ein solcher Artikel nicht schon in meinem Blog ist – zumindest habe ich nichts gefunden – denn das Thema taucht bei jeder EM und WM seit 2006 auf: Der böse Nationalismus, der durch die Deutschlandfahnen und Fantum hervorgerufen wird. Die GRÜNE JUGEND hat durch eine entsprechende Aktion nun für einigen Wirbel gesorgt.

Ich halte von diesen ganzen Theorien nicht viel. Bei Weltmeisterschaften geht es um eins: Den Sport. In wenigen Wochen ist der Spuk wieder vorbei und baut sich auch in erster Linie während dieser Sportereignisse auf – weil man eben mit der eigenen Mannschaft mitfiebert. (Klar, einzelne Fahnen bleiben immer mal wieder hängen, aber es ist ja nicht so, dass dauerhaft die gleiche Art der oft ja auch internationalen Beflaggung bleibt.)

In wenigen Wochen kommen dann statt Deutschlandfahnen wieder Vereinsfahnen an die Fenster. Und dagegen habe ich nichts von der GRÜNEN JUGEND oder linken Gruppierungen gehört. Aber macht es einen Unterschied, ob man jemanden ablehnt, weil er Ire ist oder weil er aus Dortmund kommt und schwarz-gelb im Fußball schicker findet als blau-weiß. Die Sprüche bei solchen Spielen sind auch nicht ohne – vielleicht sogar harscher als bei Länderspielen.

Und eigentlich müsste hier auch entsprechender Protest aufkommen. Da fehlt er aber. Denn hinter dieser Theorie steht doch eins: Die Angst vor Ausgrenzung. Sprüche danach, das ein “wir” auch immer ein “die anderen” bedeuten würde, gelten auch für die Bundesliga. Diese Sprüche gelten für sehr vieles. Es gilt für Parteien, für Vereine, politische Strömungen und – auch wenn ich mir damit vielleicht Feinde in der GJ mache – doch auch ein wenig für Essgewohnheiten. Wenn man sich manche Äußerungen gegenüber “Fleischessern” angucke, ist doch auch die Frage im Raum, wo beginnt dann Diskriminierung und Ausgrenzung.

Aber sei es drum. Ich will jetzt keine Diskussion über Veganismus, Vegetarismus und gesunde Ernährung und Tierschutz lostreten, sondern nur eins deutlich machen: Jeder von uns hat mehrere Identitäten, die sich nicht ausschließen oder dazu führen, dass man sich über andere stellt. Man ist nicht entweder Deutscher oder Europäer, man kann Deutscher und Europäer sein. Darum kann man auch Fan der deutschen Nationalmannschaft sein und eine Deutschlandfahne aus dem Fenster oder am Auto hängen haben, ohne deshalb wieder in alte Denkmuster über Nationalismus zurückzufallen.

Und dann die deutsche Vergangenheit. Ja, die deutsche Vergangenheit hatte viel damit zu tun, dass man die nationale Identität Übersteigert hatte und sich als Herrenrasse in Europa über die anderen Staaten stellte. Die Folgen – Krieg, Zerstörung und Massenmord – sind bekannt. Aber wer damit bei jeder Gelegenheit die letzten inzwischen fast 70 Jahre Bundesrepublik negiert verkennt das neue – schwarz-rot-goldene – Deutschland. Die Bundesrepublik hat sich in Europa integriert und bereits früh diese europäische Säule zu einer Grundlage der eigenen Politik gestellt. Die Fahne die momentan in den Fenstern hängt und als Zeichen des Nationalismus bekämpft wird, war von den Nationalsozialisten verboten worden, da sie eben ein Zeichen der Freiheit darstellt und bei der deutschen Revolution 1848 genutzt wurde. Und eins ist ganz klar: Zu dieser Geschichte des Landes und zu seiner Identität gehört auch die nationalsozialistische Vergangenheit. Dies ist aber auch immer Teil der Politik der Bundesrepublik gewesen.

Natürlich gibt es viel Kritik an der Politik in Deutschland. Man kann auch darüber streiten, ob Deutschland in den 90er Jahren den Status einer Zivilmacht verloren hatte. Aber die Deutschlandfahne deswegen als nationalistisch zurückzuweisen, weil man sie mit dem Nationalsozialismus gleichsetzt, wird der Geschichte ebenso wenig gerecht, wie eine Aussage, dass der Holocaust ja schon Geschichte sei und man diesen vergessen solle.

Es geht mir mit diesem Artikel nicht dazu, irgendjemanden davon zu Überzeugen, dass Patriotismus doch eine neue Lebenseinstellung sei. Das kann ich kaum, bildet er doch bei mir sicherlich keinen Schwerpunkt. Nur diese ewige Debatte alle 2 Jahre bei der EM oder WM, dass die Deutschlandfahnen am Auto den Untergang eines demokratischen, toleranten und offenen Deutschlands bedeuten, nervt mich irgendwie und ich bin ja auch überrascht, dass ich nicht darüber geschrieben habe. Es zwingt einem niemand eine Deutschlandfahne aufzuhängen, man muss kein Fan der Nationalmannschaft sein, man kann die ganze EM ablehnen. Aber dieser moralische Zeigefinger und der Versuch anderen den Spaß an dem sportlichen Wettstreit zu verderben geht einfach nicht. Ausgrenzung findet beim Mannschaftssport auch absetzt von nationalen Mannschaften statt. Ausgrenzung findet aber auch statt, wenn man sich moralisch über einen anderen Teil der Bevölkerung stellt und diesen vorschreiben will, was gut und richtig ist.

Einige Worte zu Magath

Ich habe immer gesagt, dass Fußball mich selten begeistert kann und soviel hat sich auch nicht daran geändert. Der Sport ist in vielen Fällen oft zu langweilig oder von mir aus auch mittelfeldlastig, um mich zu fesseln. Ausnahme bieten maximal entscheidende Spiele und Nationalspiele bei Turnieren. Wenn ich gefragt werde, ob ich denn wegen meiner Herkunft Schalke Fan sei – und irgendwie wird man in Deutschland ja früher oder später immer in eine Fußballvereinskiste gepackt – ist meine Antwort, dass man ja kaum Drumherum komme und ich mich dennoch eher als Schalke-Sympathisant sehe. Ich denke zum Fan-sein gehört mehr als dann hinzugucken, wenn es wichtiger wird und wahrscheinlich kann man auch nur dann wirklich verstehen, wieso es nun so gegen Felix Magath geht.

Zugegeben, Magath ist vielleicht nicht der “normale” Schalke Trainer mit Kumpelfaktor und sowohl seine missverständlichen Äußerungen (“Ich bin kein Fan von Schalke”) als auch manch anderer Fehltritt haben vielleicht viele Fans gegen ihn aufgebracht. Aber neben der Person geht es doch auch um den Sport und die Leistung dort, oder?

Soweit ich es sehe, ist der Verein in der Bundesliga nicht so erfolgreich und Radioberichte oder Fans berichten bei den Spielen von einem schlechten, wenn nicht desaströsen Auftreten der Mannschaft. Andererseits sieht man nun ja auch, wie man bei den noch wichtigen Spielen noch überzeugen kann und so steht die Mannschaft im Viertelfinale der Champions League und im Finale des DFB Pokals. Wen kümmert es denn dann ernsthaft noch, ob Schalke nun auf Platz 10, 12 oder 8 der Bundesliga steht? Es ist ja nicht wirklich so, dass Schalke es dort ohne großen Aufwand schaffen würde noch wirklich was zu reißen, oder? Dann kann ich sowohl vom Trainer als auch von den Spielern verstehen, wenn man den Fokus vielleicht darauf setzt das Beste aus dem herauszuholen, wo es auch noch was zu gewinnen gibt. Und wenn dies nur unbewusst geschieht.

Ich weiß nicht, ob ich mir anmaßen kann, mit Felix Magath “zufrieden” zu sein. Wahrscheinlich nicht. Und ich kann den Unmut der Fans verstehen, die jede Woche treu in das Stadion gehen und dort sehen, wie die Mannschaft nur Müll zusammenspielt. Dennoch bleibt als außenstehender sympathisierender Laie doch die Frage, ob die Lage des FC Schalke 04 wirklich so mies ist, dass man einen Trainer loswerden muss.

Rückblick auf die WM

Okay, ganz ist es noch nicht vorbei, denn heute Abend spielen ja noch Holland und Spanien um die Krone der WM in Südafrika. Aber zum einen hat Paul da ja schon das Ergebnis entschieden und zumindest für Deutschland ist die WM nun ja doch vorbei.

Und sie hatte mir Spaß gemacht. Wenn man überlegt, wie vorher über die deutsche Nationalmannschaft geunkt wurde, weil eigentliche Stammspieler krankheits- oder verletzungsbedingt ausfielen. Ich war eher davon ausgegangen, dass vielleicht die “Zweite Garde” nun mal zeigen wollte, was in ihr steckt. Und das hat sie gut getan. Bis auf die Niederlage gegen Spanien war es doch ein tolles Turnier. Klar wäre mir lieber gewesen, man hätte heute abend gespielt um den Titel, aber ich denke auch ein dritter Platz ist wieder ein gutes Ergebnis.

Innenpolitisch kann man wieder festhalten, dass Deutschland trotz vier Wochen Jubelstimmung nicht in einen faschistischen Schreckensstaat entwickelt hat. Die Jagd nach Nationalflaggen war von daher überzogen, insbesondere, wenn man einem Libanesen die Fahne klauen will. Im Gegenteil zeigt dieses wiedereinmal, dass zu starres Nationaldenken wirklich von gestern ist. Sowohl bei denen, die die deutsche Nationalmannschaft nicht unterstützen, weil sie nicht deutsch sei. Aber eben auch von denen, die hinter jeder deutschen Fahne einen verkappten Nationalisten vermuten. Es ist eben so, dass man durchaus mehrere Identitäten besitzen kann – zwar in unterschiedlicher Gewichtung aber eben nicht so eindeutig wie dann gerne behauptet.

Und dann gibt es ja noch eine Neuerung: Die Vuvuzela. Ich hoffe aber, dass es bei den vier Wochen bleibt, denn das “Röööö” hat doch ein wenig das Fußballfeeling genommen, wenn es Fangesänge und ähnliches übertönt.

Nun kehrt also wieder das normale Leben zurück, denn die WM war doch schon ein Event, über das man gesprochen, bei dem man gemeinsam gefiebert hatte oder abends oft wusste, dass zumindest Fußball im Fernsehen läuft – wenn sonst nur Mist dort zu finden ist. “Normales Leben” bitte ich demnach in dem Zusammenhang zu sehen. Und nun heißt es zu warten bis zur EM 2012 oder der WM 2014.

Rache für Wembley und der Fernsehbeweis

Heute stand die Deutsche Nationalmannschaft also im Achtelfinale gegen den “Lieblingsgegner” England. Das Ergebnis ist nichts neues: 4:1 haben die deutschen Spieler gewonnen und England damit die größte Niederlage während einer WM zugefügt. Und noch eine andere Ungerechtigkeit ist mehr oder weniger gesühnt worden: 44 Jahre nach dem berühmten Wembley Tor – bei dem England ein Tor gegeben wurde, obwohl der Ball nicht hinter der Torlinie war – wurde heute ein gültiges englisches Tor nicht gewertet. Zugegeben: 1966 war es deutlich unklarer und anders als bei dem alten Tor musste man nun nicht 24 Jahre auf die Klärung die Frage warten, ob es nun ein Tor war oder nicht. Aber ich wage auch mal zu behaupten, die Auswirkungen waren geringer heute. Während damals in der Verlängerung das Endergebnis von 4:2 dadurch zustande kam, dass Deutschland die Abwehr öffnete und mehr auf Angriff spielte, hatte die englische Mannschaft doch auch nach der Entscheidung weiterhin aktiv gespielt, aber eben nicht ganze 90 Minuten lang, sondern vielleicht 30.

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Lass die Finger von der Vuvuzela

Tja, die WM hat begonnen und was hört man am häufigsten? Richtig ein Wööööö von der Vuvuzela. Und zwar als Dauerbeschallung. Man gewöhnt sich mit der Zeit zwar ein wenig daran, aber was ist aus schönen Fangesängen und einem Auf- und Abschwellen der Lautstärke je nach Situation geworden? Das fehlt mir dann doch ein wenig. Problematischer ist die Situation wohl für Reporter und die Spieler, deren Absprachen damit deutlich erschwert werden. Und der Frust über diese Dauerbeschallung hatte Radio Bremen dazu veranlasst diesem “Instrument” ein eigenes Lied zu widmen: Lass die Finger von der Vuvuzela:

Politikum um Evonik

Am letzten Wochenende spielte bekanntlich Schalke gegen Dortmund und dieses Fußballspiel ist immer schon etwas besonderes, immerhin ist es ein Revierderby und hier besonders aufgeladen. Ich erinnere mich daran, wie meine Großeltern aus dem ländlichen Norden an einem solchen Wochenende hier in Gelsenkirchen waren und es ewig dauerte, bis sie aus der Stadt zurückkehrten. Man machte sich schon fast Sorgen, um dann später zu erfahren, dass sie sich nur begeistert angeguckt hatten, wie Schalke und Dortmund-Fans sich voller Inbrunst gegenseitig beleidigt hätten. Sei es drum, ich schweife ab. Jedenfalls ist ein solches Spiel in beiden Städten immer irgendwo etwas besonderes.

Am Samstag hatte der Hauptsponsor des BVB deshalb folgende Anzeige geschaltet:

Ich hatte es am Samstag bereits im pottblog gesehen ((daher auch das Bild, vielen Dank für die Genehmigung das Bild auch hier zu nutzen:) )) und für lustig empfunden. Jetzt vielleicht nicht zum auf dem Boden rumkugeln, aber für einen Schmunzler über diese kleine Stichelei an einem Tag, bei dem eben die Rivalität dieser beiden Städte auf dem Spielfeld symbolisiert wird (eigentlich gibt es sie auch nur da) hat es doch gereicht. Wie dem auch sei, dachte ich damit wäre es nun gegessen und gut.

Aber nein: Die Gelsenkirchener Lokalpolitik fühlt sich von dieser Anzeige enorm beleigt und reagiert entsprechend mit der Forderung einer Entschuldigung, etc. pp. Liebe Leute. Diese Stadt hat wahrlich größere Probleme, als diesen Scherz. Meines Erachtens wurde hier etwas aufgebauscht, was gang und gebe ist. Einige Personen in unserer Stadt nehmen das Wort Dortmund nichtmal in den Mund, sondern weichen aus Abneigung wegen dem Fußballverein auf Dinge wie “Vorort von Lüdenscheid” aus und auch die Stadtmarketing spielt doch – wie Jens in einem anderen Beitrag zeigt – ganz offen mit dieser Rivalität.

In den Kommentaren zu einem weiteren evonik Bericht bei ihm bin ich auch auf folgendes Bild aus Schalker Kreisen gestoßen:

Ich weiss nicht, ob es für soetwas eine Entschuldigung gab oder ähnliches, aber auch das würde ich peinlich finden. Hier wurde einfach mit etwas gespielt, was denn Menschen in Gelsenkirchen und Dortmund bekannt ist und wo es irgendwo dazu gehört, den anderen ein wenig zu pisaken. Aber wer mehr in soetwas reininterpretiert, sollte sich doch mal Gedanken darüber machen, ob Fussball und diese Rivalität nicht etwas übersteigert sind…

Ein fröhliches Miteinander

Also dann war es schließlich soweit: Nach 90 Minuten stand es 3:2 für Deutschland und die Türkei aus dem Turnier ausgeschieden. In letzter Minute dieses spannenden aber nicht hochgradigen Spiels schoss Phillipp Lahm die Deutschen in den Fußballhimmel – naja, zumindest eben ins Finale der Europameisterschaft, wo sich die Mannschaft von Joachim Löw allerdings gegen Russland oder Spanien ((die Entscheidung fällt morgen/heute [Donnerstag])) mehr einfallen lassen sollte. Da es allerdings weniger um das Spiel, als das danach gehen soll, hier nur der Verweis auf spreeblick, wo der Spielverlauf nochmal kurz und amüsant zusammengestellt wird.

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Viel mehr geht es um die ungeheuren Emotionen nach dem Spiel, bei dem man sich schon fast fragen kann, was denn Sonntag nach dem Sieg über Spanien (oder Russland) noch kommen soll. Und noch eins schwebte über der Veranstaltung: Wird es friedlich bleiben? Um es kurz zu machen: Es blieb friedlich. Lediglich 15 Festnahmen und 12 Strafanzeigen konnte die Polizei in Gelsenkirchen bis ein Uhr vermelden, darunter sechs Körperverletzungen. Vorher gab es bereits im Rahmen des Public Viewing einige Festnahmen – im übrigen in diesem Fall komplett deutsche Staatsbürger ((bei den 15 Festnahmen gibt es keine Angaben)). Also schon rein statistisch dürften die rechten Gruppierungen, die noch vor den Türken mit Messern “warnten” damit widerlegt sein. Im Gegenteil: Die einzigen überregional gemeldeten größeren Vorfälle finden sich in Dresden, wo Dönerbuden angegriffen wurden. Ein Schelm wer böses dabei denkt…

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Hier in Gelsenkirchen konnte man dagegen erleben, dass friedlich miteinander gefeiert wurde. Ob nun Menschen in Türkei-Trikots, die mit Deutschlandfahne auftauchten oder solche, die mit dem weißen Halbmond und Stern auf roten Grund an der Ringstraße/Hauptstraße feierten. Und dies bunt gemischt und eben gemeinsam. Autos wurden aufgehalten nicht nur mit einem kollektiven “Hinsetzen, Hinsetzen…”, sondern auch dem rhythmischen Rufen von “Deutschland – Türkiye – Deutschland – Türkiye”. Und auch wenn mehrheitlich die Farben schwarz-rot-gold den Platz beherrschte, wehte dazwischen völlig ungezwungen oft eine türkische Fahne im Wind.

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Ich würde sogar sagen, dass dieses Gemeinsame den Abend bedeutender gemacht hat, als das doch durchwachsene Spiel vorher. Zum einen zeigte es (wieder), dass das Schwenken der deutschen Fahne oder gar das Bemalen des Gesichtes in den Nationalfarben keineswegs mit einem Nationalismus gleichzusetzen ist oder den Rechten in die Arme spielt. Zum anderen zeigte der Abend aber eben auch, dass die türkischen Mitbürger sich – bei allen Problemen in der Integrationspolitik – integriert haben ohne eigene Identitäten aufzugeben und damit auch mitfeiern können, wenn die eigene Mannschaft gegen die deutsche verliert. Hätten wir dies andersherum auch gekonnt? Wieviele Deutsche wären wohl bei einem türkischen Sieg auf der Straße gewesen?

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Wenn es diese gegenseitige Toleranz und Anerkennung, die man heute sehen konnte, häufiger geben würde, wäre mancher Konflikt der letzten Zeit, mancher Streit über Moscheen und ähnlichem, überflüssig.

Zusammenfassend freue ich mich demnach gemeinsam mit unseren ausländischen Mitbürgern am kommenden Sonntag der deutschen Nationalmannschaft die Daumen zu drücken ((Spanier oder Russen mal ausgenommen :D )) und anschließend gemeinsam auf der Straße zu jubeln.

Fotos: Eigene unter CC Lizenzsiehe Flickr

Deutschland-Türkei

In ca. 1,5 Stunden beginnt das Halbfinale Deutschland gegen Türkei, welches ja sehr emotional aufgeladen ist. Auch wenn viele Seiten davon ausgehen, dass es friedlich bleibt und auch zu einem freundschaftlichen Miteinanderfeiern aufruft, glaube ich durchaus, dass es die ein oder anderen Scharmützel gibt. Nicht weil es Türken sind, sondern weil einfach zwei Mannschaften aufeinander treffen, die viele Fans im Land haben. Die meisten werden das Spiel sportlich sehen, womöglich enttäuscht über die Niederlage der eigenen Mannschaft sein, aber deshalb nicht gleich auf den feiernden Fan der anderen zugehen. Vielleicht sogar gratulieren und mitfeiern, wie es sich für gute Verlierer gehört. Allerdings gibt es auch immer einige, die – oft auch nach gutem Alkoholkonsum – ihrem Frust freien Raum lassen, sich durch das reine Feiern des anderen provoziert fühlen oder im Falle des Sieges diesen eben  provozieren.

Problematisch wird es, wenn dies dann für nationalistische Argumente genutzt wird, wie es die Rechten nun bereits tun. So warnen sie vor der hohen Wahrscheinlichkeit

“auf größere Gruppen aggressiver Türken zu treffen, die dann ihr Messer zücken und gewaltsam auf Deutsche losgehen”.

Sie werden sicher jeden einzelnen kleinen Fall köstlich ausnutzen, ich wage sogar, dass sie dies gerne provozieren, um dann wieder über “kriminelle Ausländer” herzuziehen.

Aber genug der Befürchtungen, wichtig ist doch die Vorfreude auf ein hoffendlich faires, spannendes und schönes Fußballspiel. Ich hoffe natürlich auf einen deutschen Sieg und den Einzug ins Finale gegen Spanien oder Russland am Sonntag (und schlussendlich auch die Meisterschaft). Aber ich glaube die Chance stehen trotz allen Überraschungssiegen der Türkei nicht so schlecht, wo doch dort bereits der Ersatz-Ersatzkeeper als Feldspieler aufs Feld muss. Und elf weitere Gründe für den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft findet man im Tagesspiegel.

In diesem Sinne auf ein gutes Spiel heute abend und danach ein friedliches und zumindest teilweise gemeinsames Feiern des Finalisten – wer immer es auch sein mag.

Freude nach Sieg über Portugal

Meine Güte, was war das gestern Abend für ein Spiel bei der EM 2008. Nachdem ich die deutsche Mannschaft nach der Vorrunde eher aufgegeben hatte, zeigte sie im Spiel gegen Portugal, dass doch noch guter Fußball möglich ist. 3:2 musste sich Portugal geschlagen geben, welches allerdings in den letzten Minuten noch versuchte das Spiel zu drehen. Anschließend wurde dann wieder richtig auf den Straßen Gelsenkirchens gefeiert. Und da anders als bei den bisherigen Spielen wirklich eine große Leistung und ein ernsthafter Gegner auf dem Platz stand und anders als in der Vorrunde für mich kein Pflichtsieg darstellte, ging man dann auch mal gucken, was so an der Ringstraße Ecke Hauptstraße für ein Fest gefeiert wurde.

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Und auch wenn einem auf dem Weg dorthin das schwenken der Fahne in Autos durchaus ein wenig Bilder aus dem Kosovo nach dessen Unabhängigkeit oder anderen nationalen Ereignissen durch den Kopf schossen, wurde doch wieder schnell deutlich, dass dieser “Patriotismus” eben nicht politisch, sondern sportlich ist.

Das Bild an der Haltestelle Grillogymnasium war dementsprechend von dem Leben in einer Stadt wie Gelsenkirchen geprägt und viele ausländische – auch türkische – Mitbürger ((zumindest mit entsprechendem Hintergrund)) standen am Straßenrand, schwenkten die schwarz-rot-goldene Flagge und freuten sich genauso über den Sieg, wie deutschstämmige ((so man dies einfach zuordnen kann)). Natürlich wurde schon über die Möglichkeit gesprochen, dass Deutschland und Türkei beim Halbfinale am kommenden Mittwoch aufeinander treffen könnten und man da womöglich andere Präferenzen hat, aber heute feierte man zusammen den Sieg der deutschen Nationalmannschaft und morgen hoffentlich den der türkischen.

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Ich finde dieses Bild zeigt das, was unter Multikulturalismus oft falsch beschrieben wurde, denn es geht bei diesem Begriff ja nicht um ein Nebeneinander her leben, sondern darum, dass verschiedene Kulturen sich gegenseitig ergänzen. Also ganz praktisch: Während viele ausländische Mitbürger sich mit der deutschen Nationalmannschaft freuen, tun dies viele deutsche beispielsweise mit der türkischen. Man kann nur hoffen, dass dies beim direkten aufeinandertreffen im Halbfinale ((ich nehme das jetzt einfach mal an :D )) auch so bleibt und – selbst wenn einem nicht nach einem gemeinsamen Feiern sein sollte – man zumindest die Freude des anderen respektiert und beim Finale dann am Besten noch gemeinsam die Daumen drückt.

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