Herzlichen Glückwunsch Italien!

Es halt leider nicht gereicht. Wiedereinmal sind wir im Halbfinale gescheitert und können am Sonntag nicht mit der deutschen Nationalmannschaft mitfiebern Europameister zu werden. Große Spieldiagnosen findet ihr woanders genug, hier nur auf die Schnelle einen Glückwunsch an die italienische Mannschaft und allen Fans am Sonntag ein spannendes und erfolgreiches Spiel – für wen auch immer man sein mag. :)

Das Video oben habe ich an dem Abend an der Ringstraße aufgenommen. Wir waren eigentlich schon auf dem Rückweg, aber offenbar war da noch mehr Huplaune vorhanden, als gedacht. Übrigens auch von deutschen Fans – viele Autos auf der Straße hupten zusammen mit den italienischen Freunden.

Ein fröhliches Miteinander

Also dann war es schließlich soweit: Nach 90 Minuten stand es 3:2 für Deutschland und die Türkei aus dem Turnier ausgeschieden. In letzter Minute dieses spannenden aber nicht hochgradigen Spiels schoss Phillipp Lahm die Deutschen in den Fußballhimmel – naja, zumindest eben ins Finale der Europameisterschaft, wo sich die Mannschaft von Joachim Löw allerdings gegen Russland oder Spanien ((die Entscheidung fällt morgen/heute [Donnerstag])) mehr einfallen lassen sollte. Da es allerdings weniger um das Spiel, als das danach gehen soll, hier nur der Verweis auf spreeblick, wo der Spielverlauf nochmal kurz und amüsant zusammengestellt wird.

image

Viel mehr geht es um die ungeheuren Emotionen nach dem Spiel, bei dem man sich schon fast fragen kann, was denn Sonntag nach dem Sieg über Spanien (oder Russland) noch kommen soll. Und noch eins schwebte über der Veranstaltung: Wird es friedlich bleiben? Um es kurz zu machen: Es blieb friedlich. Lediglich 15 Festnahmen und 12 Strafanzeigen konnte die Polizei in Gelsenkirchen bis ein Uhr vermelden, darunter sechs Körperverletzungen. Vorher gab es bereits im Rahmen des Public Viewing einige Festnahmen – im übrigen in diesem Fall komplett deutsche Staatsbürger ((bei den 15 Festnahmen gibt es keine Angaben)). Also schon rein statistisch dürften die rechten Gruppierungen, die noch vor den Türken mit Messern “warnten” damit widerlegt sein. Im Gegenteil: Die einzigen überregional gemeldeten größeren Vorfälle finden sich in Dresden, wo Dönerbuden angegriffen wurden. Ein Schelm wer böses dabei denkt…

image

Hier in Gelsenkirchen konnte man dagegen erleben, dass friedlich miteinander gefeiert wurde. Ob nun Menschen in Türkei-Trikots, die mit Deutschlandfahne auftauchten oder solche, die mit dem weißen Halbmond und Stern auf roten Grund an der Ringstraße/Hauptstraße feierten. Und dies bunt gemischt und eben gemeinsam. Autos wurden aufgehalten nicht nur mit einem kollektiven “Hinsetzen, Hinsetzen…”, sondern auch dem rhythmischen Rufen von “Deutschland – Türkiye – Deutschland – Türkiye”. Und auch wenn mehrheitlich die Farben schwarz-rot-gold den Platz beherrschte, wehte dazwischen völlig ungezwungen oft eine türkische Fahne im Wind.

image

Ich würde sogar sagen, dass dieses Gemeinsame den Abend bedeutender gemacht hat, als das doch durchwachsene Spiel vorher. Zum einen zeigte es (wieder), dass das Schwenken der deutschen Fahne oder gar das Bemalen des Gesichtes in den Nationalfarben keineswegs mit einem Nationalismus gleichzusetzen ist oder den Rechten in die Arme spielt. Zum anderen zeigte der Abend aber eben auch, dass die türkischen Mitbürger sich – bei allen Problemen in der Integrationspolitik – integriert haben ohne eigene Identitäten aufzugeben und damit auch mitfeiern können, wenn die eigene Mannschaft gegen die deutsche verliert. Hätten wir dies andersherum auch gekonnt? Wieviele Deutsche wären wohl bei einem türkischen Sieg auf der Straße gewesen?

image

Wenn es diese gegenseitige Toleranz und Anerkennung, die man heute sehen konnte, häufiger geben würde, wäre mancher Konflikt der letzten Zeit, mancher Streit über Moscheen und ähnlichem, überflüssig.

Zusammenfassend freue ich mich demnach gemeinsam mit unseren ausländischen Mitbürgern am kommenden Sonntag der deutschen Nationalmannschaft die Daumen zu drücken ((Spanier oder Russen mal ausgenommen :D )) und anschließend gemeinsam auf der Straße zu jubeln.

Fotos: Eigene unter CC Lizenzsiehe Flickr

Deutschland-Türkei

In ca. 1,5 Stunden beginnt das Halbfinale Deutschland gegen Türkei, welches ja sehr emotional aufgeladen ist. Auch wenn viele Seiten davon ausgehen, dass es friedlich bleibt und auch zu einem freundschaftlichen Miteinanderfeiern aufruft, glaube ich durchaus, dass es die ein oder anderen Scharmützel gibt. Nicht weil es Türken sind, sondern weil einfach zwei Mannschaften aufeinander treffen, die viele Fans im Land haben. Die meisten werden das Spiel sportlich sehen, womöglich enttäuscht über die Niederlage der eigenen Mannschaft sein, aber deshalb nicht gleich auf den feiernden Fan der anderen zugehen. Vielleicht sogar gratulieren und mitfeiern, wie es sich für gute Verlierer gehört. Allerdings gibt es auch immer einige, die – oft auch nach gutem Alkoholkonsum – ihrem Frust freien Raum lassen, sich durch das reine Feiern des anderen provoziert fühlen oder im Falle des Sieges diesen eben  provozieren.

Problematisch wird es, wenn dies dann für nationalistische Argumente genutzt wird, wie es die Rechten nun bereits tun. So warnen sie vor der hohen Wahrscheinlichkeit

“auf größere Gruppen aggressiver Türken zu treffen, die dann ihr Messer zücken und gewaltsam auf Deutsche losgehen”.

Sie werden sicher jeden einzelnen kleinen Fall köstlich ausnutzen, ich wage sogar, dass sie dies gerne provozieren, um dann wieder über “kriminelle Ausländer” herzuziehen.

Aber genug der Befürchtungen, wichtig ist doch die Vorfreude auf ein hoffendlich faires, spannendes und schönes Fußballspiel. Ich hoffe natürlich auf einen deutschen Sieg und den Einzug ins Finale gegen Spanien oder Russland am Sonntag (und schlussendlich auch die Meisterschaft). Aber ich glaube die Chance stehen trotz allen Überraschungssiegen der Türkei nicht so schlecht, wo doch dort bereits der Ersatz-Ersatzkeeper als Feldspieler aufs Feld muss. Und elf weitere Gründe für den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft findet man im Tagesspiegel.

In diesem Sinne auf ein gutes Spiel heute abend und danach ein friedliches und zumindest teilweise gemeinsames Feiern des Finalisten – wer immer es auch sein mag.

Die Türken wieder…

Erstens “befürchte” ich grade, dass mein Blog ein wenig EM lastig wird, zweitens lassen mir die Türken aber keine andere Wahl: Was war dass den für ein verrücktes Spiel? 118 Minuten lang das schlechteste, was ich seit langem gesehen habe – zum einschlafen langweilig von einigen sehr wenigen Szenen abgesehen. Beide Mannschaften im Prinzip gleich schlecht und von daher hoffte ich darauf, dass nicht ein Glückstreffer das Spiel noch entscheidet. Und dann doch: In der 119 Minute bekommen die Türken einen Gegentreffer, die Sache scheint erschieden. Und noch während ich meinen Frust twittern will, machen die Türken das Unmögliche möglich. In der Nachspielzeit der Verlängerung fällt das 1:1. In zwei Minuten also zwei Tore. Kein schönes Spiel, aber für diese 2 Minuten hatte es sich gelohnt aufzubleiben. Der Rest ist dann Geschichte: Im Elfmeterschießen verschießen die Kroaten die entscheidenden Elfmeter und am kommenden Mittwoch heißt es demnach Deutschland – Türkei, wie ich es ja schon “angekündigt” hatte.

Wenn man die Siegesfeiern und Hupkonzerte nach den letzten Spielen gewöhnt ist, kommt einem ein solches Dorf wie Borken wie ein Friedhof vor: Ein einziges Auto konnte man hupend in der 40.000 Einwohner Stadt miterleben – freilich ohne Fahnen, aber immerhin in rot :D In Gelsenkirchen ist es sicherlich etwas lauter. Ich bin jedenfalls gespannt, wie das Spiel am Mittwoch ausgeht, aber noch mehr, wie es drumherum ausgeht. Natürlich hofft man auf ein friedliches Miteinander, aber leider gibt es ja auch immer einige, die das Ganze etwas zu ernst nehmen. Von daher steht Public Viewing auf der Kippe… Guckt ihr am Mittwoch anders als sonst?

Freude nach Sieg über Portugal

Meine Güte, was war das gestern Abend für ein Spiel bei der EM 2008. Nachdem ich die deutsche Mannschaft nach der Vorrunde eher aufgegeben hatte, zeigte sie im Spiel gegen Portugal, dass doch noch guter Fußball möglich ist. 3:2 musste sich Portugal geschlagen geben, welches allerdings in den letzten Minuten noch versuchte das Spiel zu drehen. Anschließend wurde dann wieder richtig auf den Straßen Gelsenkirchens gefeiert. Und da anders als bei den bisherigen Spielen wirklich eine große Leistung und ein ernsthafter Gegner auf dem Platz stand und anders als in der Vorrunde für mich kein Pflichtsieg darstellte, ging man dann auch mal gucken, was so an der Ringstraße Ecke Hauptstraße für ein Fest gefeiert wurde.

image

Und auch wenn einem auf dem Weg dorthin das schwenken der Fahne in Autos durchaus ein wenig Bilder aus dem Kosovo nach dessen Unabhängigkeit oder anderen nationalen Ereignissen durch den Kopf schossen, wurde doch wieder schnell deutlich, dass dieser “Patriotismus” eben nicht politisch, sondern sportlich ist.

Das Bild an der Haltestelle Grillogymnasium war dementsprechend von dem Leben in einer Stadt wie Gelsenkirchen geprägt und viele ausländische – auch türkische – Mitbürger ((zumindest mit entsprechendem Hintergrund)) standen am Straßenrand, schwenkten die schwarz-rot-goldene Flagge und freuten sich genauso über den Sieg, wie deutschstämmige ((so man dies einfach zuordnen kann)). Natürlich wurde schon über die Möglichkeit gesprochen, dass Deutschland und Türkei beim Halbfinale am kommenden Mittwoch aufeinander treffen könnten und man da womöglich andere Präferenzen hat, aber heute feierte man zusammen den Sieg der deutschen Nationalmannschaft und morgen hoffentlich den der türkischen.

image

Ich finde dieses Bild zeigt das, was unter Multikulturalismus oft falsch beschrieben wurde, denn es geht bei diesem Begriff ja nicht um ein Nebeneinander her leben, sondern darum, dass verschiedene Kulturen sich gegenseitig ergänzen. Also ganz praktisch: Während viele ausländische Mitbürger sich mit der deutschen Nationalmannschaft freuen, tun dies viele deutsche beispielsweise mit der türkischen. Man kann nur hoffen, dass dies beim direkten aufeinandertreffen im Halbfinale ((ich nehme das jetzt einfach mal an :D )) auch so bleibt und – selbst wenn einem nicht nach einem gemeinsamen Feiern sein sollte – man zumindest die Freude des anderen respektiert und beim Finale dann am Besten noch gemeinsam die Daumen drückt.

Weitere Fotos

Glückwunsch, Türkei!

Meine Güte, was muss das für ein Spiel gewesen sein. Türkei gegen Tschechien endete mit 3:2 und mitbekommen habe ich es nur Dank der neuen Medien. Ich saß währenddessen nämlich im Zug von Berlin nach Essen / Gelsenkirchen und konnte weder auf Radio zurückgreifen, noch Spiegel Liveticker und immer neuladen ist dann doch etwas blöd. So vertraute ich auf Twittermeldungen, um den Zwischenstand zu bekommen. Und das ging ja wohl Schlag-auf-Schlag. Bis zu 75 Minute führte Tschechien, und dann konnte ich kaum Umsteigen, da lag die Türkei dann in Führung. In der Bahn dann bei zwei Handytelefonaten dazu dann noch gehört, dass es auch so ausging (und von der roten Karte) und so ging es zufrieden nach Gelsenkirchen, wo bereits die Party tobte ;)

image

Und ich freue mich mit unseren türkischen Mitbürgern. Ich glaube ein wenig ist das das was Multikulti eigentlich bedeutet, nämlich nicht ein stupides Nebeneinander her leben, sondern ein gegenseitiges Näherkommen, was sich bei mir dann eben in einem Mitfreuen und Mitzittern zeigte. Allerdings, liebe türkischen Freunde: Feiert schön und last euch von 254 Anrufen beim letzten Mal nicht beeindrucken, das ist eher traurig – es sei denn es wären bei Deutschlandspielen genauso viele, obwohl… nein auch dann wäre es traurig ;) Aber eins sei dann doch bei aller Mitfreude gesagt: Spätestens im Halbfinale ist leider Schluss für die Türkei – ihr dürft dann aber natürlich gerne mit den Deutschen den Einzug ins Finale feiern :D

Team-o-mat

Meine Güte, was es alles schon für Programme gibt, um seine Einstellungen zu testen. Wahl-o-maten kennt man ja schon, auch für US-Präsidenten, aber nun auch für Fußballmannschaften. Die NZZ bietet den Team-o-mat an, wo man anhand spielerischer Merkmale seine “Lieblingsmannschaft” angezeigt bekommt – jedenfalls einen Tipp, wo man auch mal hingucken sollte :D

image

(Via Julia)

Schwarz – rot – gold

Heute abend wurde bei Polylux über den EM-Patriotismus diskutiert und allgemein herrscht öfter Diskussion über die jetzt schwarz-rot-gold an den Fenstern. Ich kann den Bericht von Polylux nur empfehlen und teile eben eher die PRO Ansicht, aber grade dazu dennoch allgemeine Anmerkungen meinerseits zum Umgang hiermit. ((Der Artikel entstand aber nicht als direkte Reaktion, sondern schon im Vorfeld ;) )) Continue reading

erlassjahr.de Tippspiel

Überall sieht man bereits wieder Deutschlandfahnen an den Fenstern oder Autos, ein wenig kommen die Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 2006 wieder wach, denn morgen beginnt die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Auch immer häufiger bilden sich Tippgemeinschaften oder Tippspiele. Auch erlassjahr.de bietet in diesem Jahr ein solches auf seiner Internetseite an – vollkommen kostenlos ((wobei man sich über eine Spende aber definitiv freut ;) )) und mit zusätzlichen weiteren Informationen zu Schulden.

So gab es als ersten Auftakt die Regeln des Fußballspiels, wenn diese nach den Bestimmungen des Pariser Clubs (( Der Pariser Club (PC) ist ein informelles Kartell der öffentlichen Gläubiger; diesem Kartell, das seit 1956 besteht, gehören vor allem OECD-Länder sowie seit Juni 1997 Russland an. Im Pariser Club werden im Konsens Umschuldungen und Schuldenerleichterungen von Entwicklungshilfe und staatlich garantierten Exportkrediten für einzelne Schuldnerländer ausgehandelt. Die Vereinbarungen des haben jedoch keinen rechtlich bindenden Charakter. Daher müssen sie in bilateralen Abkommen zwischen Schuldnerland und jedem einzelnen Gläubigerland festgelegt werden. aus erlassjahr Glossar)) entstanden wären. Ein Beispiel gefällig?

§2 Der Schiedsrichter wird vor dem Spiel in geheimer und freier Wahl von
den Spielern des FC Paris gewählt. Die Spieler von Brazico werden
rechtzeitig über die Person des Schiedsrichters informiert.

Weitere Regeln finden sich hier, wer Lust hat, kann sich einen entsprechend unfairen Kicker bei der Jugendmesse respect vom 12. bis 14. Juni in Duisburg angucken. Aber vorher beim Tippspiel anmelden

Ich melde mich damit jetzt wahrscheinlich bis Sonntag ab, da ich auf der Mitträgerversammlung von erlassjahr bin. Neues von dort gibt es aber womöglich direkt auch im erlassjahr Blog.

Achja: Zu Gewinnen gibt es neben interessanten Informationen und der “Ehre” *räusper* natürlich noch mehr:

7. Gewinne: unter allen TeilnehmerInnen werden 3 erlassjahr.de Fanpakete verlost. Diese bestehen aus einem erlassjahr.de T-Shirt, einem Schlüsselband, einem Schal, einer CD und kleinen Überraschungen. Zusätzlich verlosen wir als Hauptpreis einen fair gehandelten Fussball mit dem erlassjahr.de Logo.

So, jetzt nicht mehr zögern :D