Medienkritik zum Aufstand in Ägypten

Man weiss noch nicht genau, wie der Aufstand in Ägypten ausgehen wird. Mubarak hat gerade seine Rede gehalten und begegnet die Forderungen nach seinem Rücktritt mit einem Entlassen der Regierung und dem Hinweis, dass er sich über die Probleme in dem Land bewusst sei. Naja, darüber schreibe ich morgen wohl nochmal, aber ich bezweifle, dass die Menschen jetzt nach Hause gehen und sich denken, dass ja jetzt alles gut sei. Von daher wird es noch eine lange Nacht und spannende Tage und bisher gibt es für mich nur einen “Sieger” dieses Konfliktes: Al Jazeera, den arabischen Sender bzw. dessem englischen Ableger.

Wer sich live über die Ereignisse informieren wollte, kam an dem Sender nicht vorbei. In Deutschland haben wir eh nichts anzubieten, aber dazu komme ich noch. Damit lief im Büro dann CNN und als Webstream eben Al Jazeera mit aktuelleren Bildern aus Kairo. Der Sender hat gute Arbeit geleistet und neutral berichtet, so dass man den Sender durchaus mit CNN gleichsetzen kann. Ich habe sogar eher dem Stream gelauscht, als dem Fernseher.

Was heute aber vor allem aufgefallen ist, ist die miese Medienlandschaft in Deutschland. Die beiden privaten Nachrichtensender N-TV und N24 bringen alles – nur keine Nachrichten. Während sich die Lage in Ägypten zuspitze brachten diese belanglose Dokumentationen. Und was dann besonders nervt: Wenn eine Krake sich während der WM für eine Kiste mit Spanischer oder Deutscher Fahne entscheidet, sind die Sender live dabei. Ewigkeiten wird eine Tür gezeigt, wenn ein Wettermensch aus dem Gefängnis kommt. Aber wenn in einem Land Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gehen und damit große Risiken eingehen, dann zeigt man lieber eine Dokumentation über das Bewegen einer Brücke. Ich weiß nicht, ob bei N24 doch nochmal bei Ägypten aufgetaucht hab, denn die Dauerwerbesendung von sonnenklar.tv, die Reisen anbietet habe ich mir nicht angeguckt, aber vielleicht tauchte das Wort Ägypten dann dort doch mal auf.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gab es auch keine Unterbrechung, aber Sonderberichte – wobei beim ZDF ein unnötiger Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt wurde. Und ob man Phoenix Vorwürfe machen kann, weiß ich nicht. Der Sender ist wahrscheinlich aus politischer “Rücksichtnahme” auf die Privatsender auch nur als “Ereignissender” bezeichnet worden. Ein wirklicher Nachrichtensender ist – so zumindest eine Einschätzung im netplanet Blog in einem sehr guten und lesenswerten Artikel zu dem Thema – wahrscheinlich von eben den Privaten bisher erfolgreich verhindert worden. Die meckern ja schon, wenn die Tagesschau ihre Sendungen per App aufs iPhone bringt.

Ich sage: Nehmt meine Gebühren und macht aus Phoenix ein vernünftiges Nachrichtenfernsehen. Die Privatsender hatten wirklich ihre Chance und nur weil ich Volksverblödung nicht zahlen muss (siehe normales Tagesprogramm bei RTL), heißt es ja nicht, dass nicht irgendjemand vernünftige Berichterstattung bringen kann. Wenn die lieber billige Dokumentationen als Füllmaterial zwischen Werbung und Dauerwerbesendungen nehmen, dann muss ein solcher Sender eben anders finanziert werden.

Ich hab kein Problem mit Al Jazeera oder CNN, ich verstehe Englisch, aber wieso man sich nicht auch in Deutschland einen vernünftigen Sender leisten kann, der zumindest ein wenig versucht in diese Richtung zu gehen, verstehe ich einfach nicht. Bei Inlandsberichten macht Phoenix das meist sehr gut, ich glaube, dass dies auch international gelingen könnte. Und das man dies auch finanziert bekommt und wie es geht, kann man ja auch in dem oben gelobten Artikel nachlesen.

Einen weiteren Artikel dazu hat Jens im Pottblog geschrieben, auch der ist sehr lesenswert. So und ich lasse Al Jazeera jetzt noch auf meinem iPhone etwas nebenbei laufen, während ich den Tag mit einer Folge Akte X ausklingen lasse :)

Zählen Florida und Michigan?

image In diesen Minuten fällt im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf der Demokraten in den USA eine wichtige Entscheidung: Zählen die Delegierten von Florida und Michigan? In beiden Bundesstaaten war bereits gewählt worden, aber aufgrund vorgezogener Wahltermine waren sie nach den Regeln der Demokratischen Partei vom Nominierungsparteitag ausgeschlossen worden. In Florida erhielt Hillary Clinton 50 Prozent der Stimmen, in Michigan gar 55, wobei Barack Obama hier nicht auf dem Wahlzettel auftauchte und 40 Prozent für unbenannte Kandidaten ((“uncommittet slate”)) stimmten. In Florida konnte er 33 Prozent gewinnen.

image Aktuell führt Obama mit etwas über 200 Delegierten und benötigt nur noch 42 weitere um die Mehrheit für sich zu gewinnen. Sollte sich das Clinton-Lager durchsetzen und beide Staaten komplett gewertet werden wobei Obama in Michigan keine Stimmen erhält, würde sein Vorsprung auf rund 81 sinken und er würde noch 155 benötigen.

Für Obama wäre maximal eine Splittung, also die Hälfte der Delegierten tragbar, wobei die nicht zugewiesenen Wähler in Michigan für ihn gerechnet werden. Dies würde weiterhin bedeuten, dass er mit rund 167(,5) Delegierten führt und damit noch 73 Delegierte benötigt.

In dem “popular Vote”, also der Mehrheit aller Stimmen könnte Hillary Clinton auch nur nach erstem Modell gewinnen, wenn man in Michigan Obama wirklich null Stimmen anrechnen würde.

Heute Nacht wird auch gewählt und zwar in Puerto Rico. Die 63 Delegierten dieses Bundesstaates – der im übrigen bei den Wahlen im November nicht mitbestimmen darf – dürften dabei eher an Hillary Clinton gehen. Die Umfragen stehen hierbei bei ca. 50 Prozent für sie gegen 40 Prozent für Barack Obama.

Die Diskussion des Rules Committee kann man bei CNN live verfolgen. Das Resultat sicher auch später hier…

Live-Blog: Vorwahlen in Pennsylvania

Es ist nach wochenlangem Warten wieder so weit: In Pennsylvania wird der Kampf zwischen Brack Obama und Hillary Clinton um die Präsidentschaftskandidatur nun wieder auf dem Stimmzettel ausgetragen. In den Umfragen ist Hillary Clinton im Schnitt sieben Prozentpunkte vor Obama, der amerikaweit das Rennen noch mit rund 150 Delegierten anführt. Allerdings – so ein Bericht von CNN – seien noch 10 Prozent der Wähler unentschlossen und sollte Hillary Clinton nur knapp gewinnen oder gar verlieren würde der Druck auf sie, aus dem Rennen auszusteigen, immens steigern. Ob man davon auszugehen hat? Ich denke ehrlichgesagt eher nicht, aber nichts desto trotz gibt es hier ab ca. 0 Uhr wieder die Möglichkeit die Berichte von CNN live mitzuerleben und auch mit zu diskutieren.

Zur Einstimmung noch die letzten Umfrageergebnisse:

Ich hoffe heute abend noch ein wenig allgemeines zu den letzten Ereignissen in den USA zu schreiben, wo der Tonfall sich doch wieder etwas zugespitzt hat. Aber ein Uniseminar bis 20 Uhr könnte das Ganze etwas knapp machen. Aber wer weiss, wann die ersten Zahlen eintrudeln ;)

Grenzziehung unklar…

Zugegeben, die Grenzen in Europa ändern sich doch manchmal schon ziemlich stark – letztes Jahr in Montenegro und vielleicht bald mit dem Kosovo, aber – mit Ausnahme von einigen Schulatlanten :) – die Wiedervereinigung Deutschlands dürfte doch inzwischen eigentlich  internationale Allgemeinbildung sein. Dachte man zumindest. Aber seht euch doch mal diesen Wetterbericht von CNN an :)

cnnwetter2.jpg

Interessant ist es aber, wenn man den Balkan anguckt oder die Baltischen Staaten, denn dort stimmen die Grenzen…

(gefunden bei Yigg und Tagesschau)

Die Mitmach-Fernsehdebatte

Gestern fand in den USA eine interessante Fernsehdebatte statt, haben sich dort die acht demokratischen Präsidentschaftskandidaten einer gemeinsamen Diskussion gestellt. Das besondere an der Diskussion war, dass die Fragesteller ihre Fragen bei youtube gestellt haben. Bei der gemeinsam mit CNN durchgeführten Veranstaltung wurden diese dann eingespielt und einige Kandidaten mussten dann eben Stellung beziehen. Bei Youtube kann man sich natürlich die Fragen und Reaktionen angucken und auch ich habe das ein wenig gemacht, auch um zu prüfen, ob der Spiegel mit der Kür von Hillary Clinton als Siegerin recht hatte… Continue reading