Leerstand am Bahnhof

Ankündigung von Avanti

Als ich Dienstag Abend vom Rollenspiel in Oberhausen nach Hause kam, staunte ich nicht schlecht, als ich bei avec lesen konnte, dass der Laden bald dicht macht. Genaueres erfährt man natürlich nicht so einfach, aber ich finde das schon sehr bedauerlich. Zum einen mochte ich den Laden, zum anderen stellt sich bei so etwas ja immer die Frage: Was kommt danach?

Etwas weiter im Bahnhof zum Beispiel hatte Dunkin’ Donuts das Ladenlokal gewechselt und war in ein kleineres umgezogen – vielleicht ist Gelsenkirchen nicht so Donuts orientiert – und die alte Stelle sieht noch immer so aus:

Weiteres leeres Schaufenster

Wahrscheinlich ist die Lage dort auch etwas schlechter als vorne im Eingangsbereich – wage ich einfach mal zu behaupten. Dennoch: Irgendwie ist in Gelsenkirchen doch eine ziemliche Fluktuation an Geschäften zu erkennen – im Bahnhof, wie in der Innenstadt. Und irgendwie ist das nicht sonderlich aufbauend, wenn man sich die Frage der Wirtschaftlichkeit stellt.

Naja, mal abwarten, vielleicht kommt ja die große Überraschung in einigen Tagen :D

Gedanken zu Stuttgart 21

Es ist schon viel geschrieben über Stuttgart 21 – soviel, dass man kaum alles lesen kann. Dennoch muss ich meine Gedanken auch etwas ordnen nach den letzten Stunden. Auch im Hinblick auf die Demonstration heute abend.

Ich halte Stuttgart für eine sinnlose Geldverschwendung. Ich kenne den Bahnhof in Stuttgart nicht, aber ich bezweifle einfach, dass man ihn zwingend in den Untergrund verlegen muss, um eventuell notwendige Überarbeitungen durchzuführen. Aber gut, im Prinzip würde ich entweder nichts davon wissen oder es wäre mir egal, wenn es in Stuttgart keinen Widerstand dagegen gäbe. Hier zeigt sich ein Demokratiedefizit, aber dazu später mehr.

Aber egal, ob man nun dafür oder dagegen ist: Ein solches Verhalten der Polizei wie gestern ist nicht zu rechtfertigen. Im Internet findet man massig Videos, wo man sieht wie wahllos Pfefferspray auch gegen einzelne Personen eingesetzt wird oder wie ohne weiteren Grund der Schlagstock genutzt wird. Oder Wasserwerfer, die eingesetzt wurden gegen einzelne Personen oder um Blockaden aufzulösen – früher hatte man dort einfach weggetragen.

Zur Gewalt muss man noch sagen, dass heute Nacht doch ein eindeutiges Zeichen gesetzt hatte. Trotz eines martialischen Auftretens der Polizei mit Gasmasken um 1 Uhr Nachts blieb es bei den Fällen der Bäume doch friedlich – selbst eine Polizeifunkmeldung um 2 Uhr konnte nichts anderes aussagen. Trotz dieser unheuren Provokation nach dem Tag sofort mit dem Fällen der Bäume zu fällen, anstatt wenige Tage abzuwarten und wieder Ruhe aufkommen zu lassen und trotz der Wut und Enttäuschung blieb es bei deprimierenden Sprechchören voller Hoffnungslosigkeit und einigen Beschimpfungen in Richtung der Polizisten. Man kann darüber Streiten, ob die die richtigen Adressanten sind, aber dies sind friedliche Aktionen, die meines Erachtens in einer solchen Situation auch ausgehalten werden müssen. Wenn es gewalttätige Demonstranten wären, dann hätte die Empörung in der Nacht anders geendet.

Aber es ist noch eins, was an diesem Protest bemerkenswert ist. Es sind mindestens zwei Drittel der Bürger in Stuttgart gegen das Projekt und sie stehen einer Staatsmacht gegenüber, die das Projekt offensichtlich um jeden Preis – auch mit den Knüppel in der Hand – durchführen will. Dies führt zu einer unglaublichen Hilflosigkeit. Und dies wo das “Alle Macht vom Volke” ausgehen soll. In Stuttgart – und im Prinzip auch durch die Bundesregierung in Berlin – wird Politik gegen das Volk gemacht.

Dies gipfelte dann ja auch in Aussagen gestern, dass es sich um unangemeldete Demos handeln würde, dass Schüler auf solchen Demos ja nichts zu suchen hätten und ähnliches. Was für ein Blödsinn! Demos muss man anzeigen bei der Polizei, aber sie können auch spontan entstehen und das ist die Versammlungsfreiheit in Deutschland. Und ich müsste mich sehr wunden, wenn es ein Mindestalter für Demonstrationen gibt. Traurig ist vor allem auch das Bild der Demokratie, was jungen Menschen mitgegeben wird. Wer die falsche Meinung hat – so muss der Eindruck enden – wird weggespült oder mit Pfefferspray und Schlagstöcken bearbeitet.

Bezeichnend ist auch der Hohn, der von CDU und FDP wiedermal über den Gegner ausgeschoßen wird. Ich sehe gerade nochmal die Wiederholung der Debatte über eine Aktuelle Stunde im Bundestag zu Stuttgart 21. Jörg von Essen, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP macht den Vergleich von Stuttgart 21 mit den (heute irrationalen) Ängsten vor der Bahn und neuer Technik vor 175 als der erste Zug in Deutschland fahren sollte. Diese Überhöhnung passt aber zu der Arroganz der Regierung in Berlin und auch in Stuttgart.

Landesinnenminister Heribert Rech hat nur mit einem Recht: Umfragen sind kein Mittel der Demokratie. Also machts doch formell: Volksabstimmung. Wenn man es nur mit einer lautstarken Minderheit zu tun hat, dann wird man es dabei feststellen. Aber das Risiko ist offensichtlich zu groß und es passt nicht zur üblichen Arroganz. Anstatt zum Stimmzettel zu rufen, anstatt sich zu vergewissern, dass man das Volk vertritt, wird eben auf das Volk eingeschlagen. Aber es gibt durchaus berechtigte Theorien, dass die Landesregierung diese Eskalation braucht und wünscht:

Wenn erstmal die Demonstranten Molotow-Cocktails werfen und Vermummte Straßenbarrikaden basteln – dann ist die Schwarz-Weiß-Welt wieder in Ordnung. Und dann besteht die berechtigte Hoffnung, dass die braven Stuttgarter Bürger wieder zu Hause bleiben und hinnehmen, was ihnen die Obrigkeit vorgesetzt hat. Früher bauten die Herrscher Schlösser, um sich zu feiern. Heute machen sie die Schlossgärten wieder platt und bauen Bahnhöfe. Der Bürger zahlt. Unterirdisch.

Einen sehr guten Artikel zur Demokratiefrage findet sich im übrigen bei Felix Neumann.

Noch einige Videolinks mit Kommentaren: Hier kann man sehen, wie Wasserwerfer eingesetzt werden, um eine Sitzblockade aufzulösen. Wird soetwas nicht sonst eher durch wegtragen gelößt? Dieses Video zeigt 8 Minuten lang verschiedene Szenen. Interessant insbesondere die Szene nach 39Sekunden, als ein einzelner Demonstrant mit dem Wasserstrahl angegangen wird oder bei 6:40, als 3 Polizisten einen älteren Mann angreifen. Und wer Adrennalin in einem Polizisten sehen will, der endlich mal Aggressionen abbauen kann oder einen, der das ganze unglaublich lustig findet, wird hier fündig. Auch hier Pfefferspray gegen eine Person.

Inzwischen sind in ganz Deutschland Demonstrationen angemeldet und aus dem Bahnhofsprojekt in Stuttgart ist eine bundesweite Protestbewegung geworden. Für alle aus Gelsenkirchen deshalb der Aufruf: Kommt um 19 Uhr zum Bahnhofsvorplatz und demonstriert mit! Alle anderen finden sicherlich hier eine Demo in der Umgebung.

Und auch bei Campact kann man bereits aktiv werden und den Rücktritt des Innenministers und einen Baustopp fordern.

Bald gibt es wieder was zu lesen am Bahnhof…

Als kleiner Nachtrag zu den seit Wochen nicht funktionierenden Anzeigetafeln am gelsenkirchener Hauptbahnhof sei nun auf einen Bericht der WAZ verwiesen, in dem es zwar eher um die nicht vorhandenen Uhren ging, aber auch die Anzeigetafeln erwähnt wurden:

“Wir arbeiten mit Hochdruck an der Installation der neuen Anzeigetafeln. Die, sagt Gand, seien digital, “mit LCD-Technik”, und schöner und schneller und effektiver. Und “so Gott will” bereits am kommenden Wochenende in Betrieb zu nehmen. “Wir haben in dieser Woche noch eine Schulung für alle Fahrdienstleiter und Fahrdiensthelfer. Wenn die erfolgreich verläuft, dann wird’s was.”

Ich bin ja mal gespannt. Mit richtigen Uhren wird es aber wohl noch ein wenig dauern…

Auf Lautsprecherdurchsagen achten…

Das am Bahnhof die Anzeigetafeln mal nicht funktionieren oder seltsames anzeigen, mag ja noch mal passieren. In Gelsenkirchen ist dies aber bereits seit Wochen so. Vor Weihnachten wurden die Anzeigetafeln am Hauptbahnhof durch neue digitale ersetzt und natürlich dauert eine solche Umstellung auch einige Tage. Wahrscheinlich hatte man grade deshalb auch die Zeit des Jahreswechsels genutzt, um dies in der Zeit zu machen. Naja, sollte man annehmen, dennoch steht am Bahnhof noch immer ein einfaches “Bitte Lautsprecherdurchsagen beachten”. Bin mal gespannt wie lange man darauf hoffen darf, das solche auch kommen, denn dies ist ja nicht immer der Fall…