Rückkehr der Atomenergie?

Das es in der SPD schon länger Stimmen gibt, man solle über den Atomkonsens nachdenken und die Laufzeit der Atomkraftwerke nochmal diskutieren, ist nicht wirklich neu. Wolfgang Clement, seines Zeichens Aufsichtsratsmitglied bei RWE, hatte dies vor der Wahl in Hessen bereits zum Ausdruck gebracht und damit ein Parteiausschlussverfahren angestoßen. Auch Erhard Eppler hat nun einen entsprechenden Vorstoß angebracht, wobei es ihm jedoch darum ging, eine Verlängerung der Laufzeit an eine entsprechende Erklärung im Grundgesetz zu koppeln, die den Atomausstieg festigt. Und auch wenn SPD – Minister Gabriel die Diskussion zurück weisst und feststellt, dass es keine neuen Argumente für Atomenergie gebe, ist die Diskussion um diese Technologie nun neu entbrandt. Auch wenn damit nun alte Argumente ständig neu aufgetischt werden, will ich dieses mal auch einige Anmerkungen dazu loswerden.

1. Atomstrom ist nicht klimaneutral

Atomstrom wird ja gerne als Antwort auf die Klimaproblematik genannt. Die Kraftwerke würden kein CO² in die Atmospähre jagen und damit das Klima schützen. Das Problem: Bei der Anreicherung und dem Abbau von Uran, welches als Rohstoff für diese Energieform notwendig ist, wird soviel CO² frei, dass man es mit einem auf Erdgas basierenden Blockheizkraftwerk vergleichen kann, was aber zusätzlich eben noch Wärme produziert.


Aus einer Anzeige der Atomindustrie:
Ungeliebte Klimaschützer? Wohl kaum

2. Uran ist auch ein Rohstoff

Steigene Rohstoffpreise sind dann das nächste Argument. Als wenn man für Atomkraftwerke keine Rohstoffe bräuchte. Die Uranvorräte reichen je nach Schätzungen 20 bis 65 Jahre. Wenn der Bedarf noch steigt ist allerspätestens 2050 damit Schluss und die Preise würden entsprechend auch steigen. Also wieso nicht verstärkt auf wirklich nachhaltige Energien setzen?

3. Müllproblem

Noch immer gibt es kein Endlager für den radioaktiven Müll, der in den Kraftwerken entsteht. Seit Jahren wird fleißig Abfall produziert, von dem man nicht weiss, wohin damit. Ein “Weiter so” würde einfach noch mehr Müll erzeugen.

4. International keine Lösung

Auch international ist – auch wenn dort teilweise angeführt – die Atomenergie keine Option, wie dieser Artikel sehr gut zeigt. Nur 15-16% der Energie stammt aus Kernkraftwerken. Man kann sich ja gerne mal vorstellen, was für ein Neubauprogramm das wäre, wenn man Klimaschutz durch Kraftwerke erreichen wollte – mal ganz abgesehen davon, dass dies die Rohstoffknappheit noch verstärkt.

5. Sicherheit

Klar, das Risiko eines Störfalls gibt es immer – ob nun technisch oder menschliches Versagen. Man muss dabei nicht mal nur nach Tschernobyl gucken, im technologischen Westen gibt es auch genug Negativbeispiele, auch in Deutschland. Aber unabhängig davon gibt es eben auch die Gefährdung durch Terroristen, die diese Anlagen einfach missbrauchen könnten.

6. Schäden

Zugegeben, man mag an den Risiken zweifeln, aber wenn man sich überlegt, dass ein GAU im AKW Biblis 2200 bis 2400 Milliarden Euro an Schäden nach sich ziehen würde, ist auch ein kleines Risiko schon unvertretbar. (Quelle) Dies ist wohl auch ganz offensichtlich der Grund dafür, wieso Betreiber von Atomkraftwerken nur bis zu 2,5 Milliarden Haften müssen. Alles was darüber hinaus geht, zahlt der Staat. Eine solche Haftpflichtversicherung hätten wir alle wohl gerne, aber auch diese Regelung zeigt doch, dass man sich keineswegs so sicher ist, wie immer angedeutet. Ansonsten könnte die Sperre ja weg und es würden sich sicher auch Versicherungen finden, die bei dem Maß an Sicherheit, welches uns versprochen wird, dann auch die Versicherung übernehmen würden. Aber ganz so sicher ist es eben nicht…

Wahrscheinlich könnte man noch viele, viele weitere Gründe aufzählen. Und klar, man sollte das vielleicht auch ausführlicher tun, aber für den Überblick dürfte es reichen und für mehr kann man beispielsweise diesen Artikel zur Klimafrage von Atomkraftwerken oder die Seiten von Greenpeace, wo es sogar 365 Gründe für den Atomausstieg gibt. Und aktiv werden kann jeder von zuhause, indem man den Atomausstieg selber macht.

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6 thoughts on “Rückkehr der Atomenergie?

  1. Pingback: Grünes Gelsenkirchen » Meinung » Atomausstieg beibehalten

  2. Besser spät als nie :-)

    Wie ich heute gelesen habe, ist die Debatte als Aufhänger für die kommende Rohölknappheit völlig bekloppt, da es hier um Strom geht (der nicht knapp ist, sondern sogar exportiert wird) und Öl wird dazu gar nicht genutzt.

  3. Was ist denn daran bekloppt?

    Schaffen es Grüne nicht, drei Tage weiter zu denken. ELtroautos (bis jetzt Benziner) müssen in 5 Jahren dann auch betrieben werden mit Strom. Das sind keine Perpeto Mobiles!

    Und auf einmal wird ein riesiger Batzen Öl durch Strom ersetzt. Da tauch dann doch ein Zusammenhang auf @ juliaL49.

    Und wer will mir erklären, dass es besser ist, die Tschechen und Polen bauen ihre WErke an unseren Grenzen? Da habe ich doch lieber ein deutsches, was strengeren Aufsichtsregeln unterliegt.

    Und da ich aus der WIndbranche komme. Grundlast im netz wird auch in 20 Jahren damit nicht geleistet werden können, dazu braucht man Kohle, Gas oder ähnliches. Kohle ist ja wohl super CO2 schädlich und wird immer teurer. Und wenn ich mir anschaue aus welchen Ländern wir unser Gas beziehen, dann weiß ich schon wohin sich unsere Unabhängigkeit entwickeln wird.

    MfG
    shore

  4. Atomkraftwerke brauchen auch ihre Rohstoffe und zu 20% kommen diese auch aus Russland, bei Gas sind es 30%, als Abhängigkeiten bestehen immer, bei Uran sogar etwas mehr, weil wir das zu 100% importieren müssen.

    Und als wenn die Polen oder Tschechen weniger Kraftwerke bauen würden, weil wir eins bauen. Es ist doch eine Illusion als gäbe es 100%ige Sicherheit – Vorfälle in Frankreich oder auch hier in Schleswig Holtstein bei Vattenfall zeigen das doch eindeutig. Und noch immer bleibt eine tausendejahre lang bestehendes Müllproblem.

    Über kurz oder lang muss man zu anderen Energieformen und zu besserer Energieeffizienz kommen, denn die Rohstoffe für die bisherigen reichen nicht mehr und natürlich könnte man sich jetzt nochmal für 20 Jahre auf Atomenergie fixieren und dann plötzlich merken, wenn die Lichter ausgehen – oder man führt jetzt die Energiewende vernünftig durch und sorgt für Energieeinsparung und erneuerbare Energien (nicht nur Wind, sondern eben auch Solar, Wasser, Biomasse, etc.)

  5. Also irgendwie häufen sich in letzter Zeit wieder die Meldungen über Störungen in AKWs. Hab letztens mal einen Bericht über die Lagerung des Abfalls von AKW geshen, nicht gerade sehr ermutigend.

  6. Pingback: Grünes Gelsenkirchen » Günstige Atomenergie – dem Steuerzahler sei dank

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