Margarethe Zingler Platz

Heute Abend war im Bildungszentrum eine Informationsveranstaltung zum Margarethe Zingler Platz – dem Hauptmarkt in Gelsenkirchen. Momentan hat man auf dem Platz ja einen kleinen Teil (gut ein Drittel), welcher als regulärer Platz genutzt wird und auf dem auch der Markt stattfindet. Der übrige Teil des Platzes wird momentan als Parkplatz genutzt. Zur Vergegenwärtigung hier nochmal die Grafik aus der städtischen Ausschreibung für das Bauvorhaben:

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Grob gesagt kann man sagen, dass die große Fläche (etwas mehr) als Parkplatz dient. In der Grafik ist es natürlich das geplante Bauprojekt.

2004 wurde bereits einstimmig im Stadtrat der Bebauungsplan für dieses Gebiet beschlossen. (Protokoll) Das einstimmig betone ich jetzt mal besonders, weil AUF und MLPD ihre damalige Zustimmung wohl momentan vergessen und auch in der Veranstaltung heute meinten das Projekt wäre nur für REWE und den Pflegedienst APD als Subvention gedacht und so gegen das Projekt vorgingen.

Zugegeben im ersten Moment habe ich auch meinen Skrupel gehabt, einen Platz zuzubauen. Aber machen wir uns nichts vor: Einen wirklichen Erholungswert hatte der Platz nicht. Der Platz um den es geht bestand in erster Linie aus einem: Autos. Man konnte weiter blicken, als nun mit einem 4 stöckigen Gebäude, aber dennoch muss ich sagen, dass ich dem Projekt eher positiv gegenüber eingestellt nach der Präsentation heute. Aber vielleicht stelle ich erstmal vor, was auf dem Platz entstehen wird.

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Das Foto ist leider etwas unscharf. Ich hoffe man bekommt bald mal bessere, aber so geht es vielleicht auch. Im Vordergrund ist die Gabelsbergerstraße, Ecke Hansemannstraße. Die überlichtete weiße Linie hinter den Bäumen im oberen Bereich des Baus ist die Pastoratstraße und man erkennt noch immer die bisher auch freie Fläche für den Markt mit dem Übergang zur Hauptstraße. Der Neubau ist entsprechend in der Mitte das Bildes mit einer ausgiebiger Dachbegrünung.

Im Erdgeschoss wird in erster Linie der REWE Markt von der Hauptstraße umziehen und im Seitenarm entlang der Pastoratstraße werden weitere Geschäfte oder vielleicht ein Café eingerichtet – beide mit Eingängen zum Margarethe Zingler Platz. Darüber liegen dann barrierefreien Wohnungen für Senioren auf drei Etagen und einem etwas geringeren fünften Geschoss. Im Seitenarm befinden sich dann Räume des Pflegedienstes und eine Tageseinrichtung (in der vierten Etage etwas kleiner angelegt als die Geschosse darunter und damit mit großer Dachterrasse). Diese sind mit den Wohnbereich direkt im Flur verbunden, was entsprechende Synergieeffekte ermöglicht. Im obersten Geschoss sind – wie man vielleicht auch grob auf der Grafik erkennen kann – die Wohnbereiche etwas kleiner als das Dach darunter, so dass hier Gemeinschaftsterrassen errichtet werden, die dem Aufbau einer Wohngemeinschaft dienen und helfen, dass ältere Menschen – die Zielgruppe der Wohnungen – hier trotz autarkem Leben nicht einsam werden. Noch anzumerken ist, dass es eine Art “Innenhof” gibt zu dem auch kleine Balkone herausführen. Auf dem Bild erkennt man es leicht an der U-Form der Obergeschosse. Der REWE Markt selber ist rechteckig und das “übrig gebliebene” Dach wird begrünt um den Menschen hier eine angenehmeres Umfeld zu ermöglichen. Vielleicht verdeutlicht diese extrem verwackelte Fotographie der Darstellung dies etwas besser:

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Parkplätze gehen im übrigen nicht wirklich verloren: Dafür sorgen zwei Ebenen einer Tiefgarage. Die Einfahrt hierzu ist von der Hauptstraße her. REWE hat einen Ladebereich, der von der Pastoratstraße befahren werden kann – was zu einigen Diskussionen führte, aber ich gehe davon aus, dass es problemloser ist als angenommen. Mal abgesehen davon, dass die Pastoratstraße als Durchfahrtsstraße vielleicht weniger genutzt wird, wenn die Tiefgarage existiert.

Generell erscheint das Projekt vernünftig. Es ist in erster Linie gedacht um sozialen Wohnungsbau zu ermöglichen: 55 Wohnungen werden geschaffen zu günstigen Mietpreisen, die behindertengerecht eingerichtet sind und damit eine immer steigende Nachfrage erfüllen.

Wohnungsbau für Freiflächen? Eigentlich keine GRÜNE Position und natürlich ist es eine schwere Entscheidung. Freiflächen dienen der Erholung und ich finde dann auch ein wenig der Entschleunigung in der doch manchmal etwas engen Welt. Das gilt natürlich auch etwas für den Margarethe Zingler Platz. Aber ein wirklicher Ort der Erholung ist der Platz momentan doch eher nicht. Dafür müsste man ihn ganz anders gestalten und selbst dann bleibt es noch immer ein Parkplatz. Da erscheint mir ein solcher Bau doch noch eher eine Aufwertung. Bessere alternative wäre natürlich eine Grünanlage, aber das ist ja doch eher illusionistisch :)

Ein REWE Markt, vielleicht noch ein schönes Café und der ein oder andere passende Einzelhändler werten das Erdgeschoss auf und machen dann auch einen Marktbesuch vielleicht wieder attraktiver. Der neue Bau kann – anders als heute oft gesagt – den Marktplatz wieder neue Bedeutung geben und mehr ins Zentrum rücken. Dies hätte dann auch Auswirkungen auf das Umland: Die Hauptstraße würde sowohl von der Ringstraße aber auch der Innenstadt mehr Besucher aufweisen und wäre auch dort für Händler interessanter.

Zugegeben, das sind Spekulationen. Ob es so kommt? Versprechen kann man es nicht, aber es wirkt auf mich optimistischer als ein weiter so. Die Entwicklung in der Hauptstraße war in der letzten Zeit eher negativ, das hatte ein Ortstermin im Dezember ja erst offenbart. Ein Patentrezept zum Umsteuern fehlt und man braucht wahrscheinlich einen externen Impuls. Ein Kino-Projekt in der Hauptstraße ist ein weg, ein anderer kann dieser Bau sein.

Baubeginn ist im April, man rechnet mit Fertigstellung nächstes Jahr im Sommer.

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9 thoughts on “Margarethe Zingler Platz

  1. guter und fairer Bericht über die Veranstaltung, zumal die Besucher tatsächlich hauptsächlich die Parkplatzfrage beschäftigte. Ob der Entwurf, der aus einer Platz-Möglichkeit ein Gebäude-Hinterhof macht, ein gelungener Plan ist, mag ich noch nicht zu beurteilen. Irritiert hat mich, dass das Gespenst der “Alternativlosigkeit” durch den Raum wehte. Von einem Stadtplanungsamt hätte ich ein wenig mehr an Alternativ-Ideen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes erwartet, als diesen durch Wegnahme (Bebauung) aufzuwerten. (Dein Protokoll-Link ist kaputt)

  2. Ich habe immer noch nicht verstanden, warum öffentlicher Raum privatisiert und kommerzialisiert werden muss, um ihn wieder nutzbar zu machen. Nur an der Melancholie der Einwohner einer Brennpunktstadt kann es doch wohl nicht liegen..?

  3. Privatisiert weil die Stadt nicht das Geld aufbringen kann ein solches Bauvorhaben alleine zu stemmen. Und kommerzialisiert? Ich finde das ist überzogen. Klar, da kommt ein REWE und Einzelhandel unten rein, aber im Kern hat man es mit GÜNSTIGEN Wohnungen zu tun. Das ein Investor das nicht schenkt ist m.E. klar und er will auch Gewinn daraus ziehen. Darum eine solche Unterstützung zur Refinanzierung.
    Ich finde es zur Belebung des Platzes aber auch gut, wenn es da einen Einzelhandel und vielleicht auch ein Cafe gibt, denn dies belebt den Platz. Ein reiner Wohnungsbau hätte ja keine Sogwirkung.
    Ein kleiner Park in der Innenstadt hätte vielleicht eine ähnliche Wirkung gehabt, aber das ist dann ja doch eher illusionistisch und da erscheint mir soetwas sinnvoller. Ich würde ja gerne wissen, wieviele Menschen einer solchen Aufwertung zustimmen würden. Dabei würden immerhin Parkplätze verloren gehen. Und ein Platz voller Autos finde ich nicht wirklich erholsam.

  4. Wär nicht eine schöne Alternative ein kleiner Parkbereich mit einem Wasserspielplatz für Kinder?
    Das könnte doch viel mehr Möglichkeiten für Begenungen schaffen.
    Und warum muss eigentlich jeder sein Auto mit in die Stadt nehmen?
    Es gibt grade in diesem Bereich eine sehr gute Nahverkehrsanbindung.
    Wir wollen eine Kinderfreundliche Stadt sein, lasst uns doch auch mal damit anfangen.
    Der jetzige Markt wär doch rund um den Alfred Zingler Platz viel besser aufgehoben, und würde hier doch eine neue Belebung erfahren.

    • Meinst du den Heinrich-König-Platz? Dann wäre der Markt zwar zentraler, aber für die Hauptstraße wäre das eher negativ. Aber da bin ich auch noch nicht zu einer abschließenden Meinung gekommen.
      Ein solcher kleiner Park wäre mir auch lieber, aber war und ist politisch wohl nicht durchsetzbar. Hättest mal die Diskussionen über Parkplätze am Mittwoch mitbekommen sollen :)

  5. Schrecklich, wie sich immer wieder herausstellt, das des Deutschen liebstes “Kind” sein Auto ist.
    Sorry, ich meinte den Heinrich König Platz.
    Der soll doch meines Wissens nach auch umgestalltet werden, oder?
    Warum nicht dieses ganze Viertel mit in die Umgestalltung nehmen?
    Und einmal Klotzen, und nicht Jahrelang zu kleckern?
    Und so Spielflächen, Sitzplätze e.c.t mit einbinden?
    Ein schönes Kaffee, und eine Eisdiele gibt es da doch auch schon, und die würden doch durch so eine Maßnahme auch aufgewertet, und könnten am Ende doch nur profitieren.
    Denn mal ehrlich, die Hauptstraße ist doch eher ein Weg.-und kein Hinkucker, oder?

  6. Also, für die entstehenden 55 barrierefreien und günstigen Mietwohnungen für Senioren bin ich durchaus zu haben. In Anbetracht der Tatsache, dass momentan ca. 1700 solcher Wohnungen nachgefragt werden, ist dieses Bauvorhaben natürlich ein wünschenswerter, wenn auch kleiner, Schritt.
    Laut Befragung von Senioren in Gelsenkirchen möchten diese zudem auch gerne zentral, also mitten im Geschehen, wohnen. Der gleichzeitige Wunsch nach mehr “Grün” in der Stadt wird mit diesem Entwurf allerdings nicht berücksichtigt. Nun müssen die zukünftigen Mieter leider auf Hausfassaden und Beton schauen. Schön ist was anderes!
    Zudem mangelt es an Orten der Begegnung und wie schon Susi Hoyer angesprochen hat, hätte der Margarete Zingler Platz durchaus das Potential, generationenübergreifender Platz der Möglichkeiten zu werden. Nur wurde in diese Idee leider zu wenig Energie gesetzt! Hier wird rein wirtschaftlich gedacht und der, in Zukunft mehr denn je, wichtige Aspekt des sozialen Miteinanders vernachlässigt. Als schönes Beispiel für ein gelungenes Konzept zur Gestaltung eines Platzes ist für mich der “Orange-Platz” in Bulmke.

  7. Die Idee mit dem Wasserspielplatz für Kinder finde ich total super. Das könnte ich jetzt noch weiter spinnen, mit Grünflächen und einem “normalen” Spielplatz. Dazu vielleicht ein kleines Cafe, wo man sich als Eltern aufhalten kann, während die Kinder spielen. Ach, ich hätte da schon noch ein paar gute Ideen, was man auf diesem Platz alles machen könnte – aber mich fragt ja keiner :-)

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