Managergehälter

Es wird wieder über Löhne in Deutschland gestritten. Nein, nicht um den Lohn eines Friseurs, der für 3 Euro pro Stunde arbeitet oder dem Mitarbeiter von PIN, der vielleicht seinen Job verliert, weil 9,80 Euro Mindestlohn zuviel ist, sondern um die Spitzenverdiener wie beispielsweise Porsche Chef Wendelin Wiedeking, der mit etwas mehr als 50 Millionen Euro im Jahr nach Hause geht. Es geht um Managergehälter und wenn man ehrlich ist, geht es um Neid. Wieso verdient der soviel und ich sowenig? Klar, ich könnte von einem Monatsgehalt sehr gut leben – wahrscheinlich gar den Rest meines Lebens, aber die Frage bleibt, ob diese Debatte irgendetwas bringt, denn aus Neid eine politische Entscheidung herzuführen, wäre sicherlich falsch.

Maximallohn?

Die erste Schlussfolgerung wäre es eine Art des Maximallohns einzuführen. Entweder statisch (maximal xx.xxx Euro im Jahr) oder eben im Verhältnis, wie von der Linkspartei gefordert (“20fache des niedrigsten Vollzeiteinkommens für Manager”). Ich halte dies für falsch aus dem gleichen Grund, die ich vor einiger Zeit schonmal genannt habe:

Wenn jemand bereit ist einer anderen Person 11 Millionen als Bankvorstand oder 40 Millionen als Rennfahrer zu bezahlen, soll er das machen können – was kümmert es die anderen?

Grade beim Fußball erleben wir das doch ständig, dass jemand Millionen damit verdient einem Ball hinterherzulaufen und niemand protestiert oder fordert einen Maximallohn für Fußballer, denn hier ist die Situation klar: Kommt er nicht nach Schalke, Bayern, Bremen oder wofür das Herz auch immer schlagen mag, dann geht er nach Spanien, Italien oder England und die eigenen Mannschaften können sich aus dem internationalen Wettbewerb verabschieden. Genauso würde es uns auch bei Managern ergehen. Zugegeben, man mag deren Leistung nicht so erkennen können, aber ich weiss, dass ich mir nicht den Chefsessel bei der Bahn, Porsche oder der Deutschen Bank zutrauen würde – aber dazu studiere ich sicher auch das falsche ;)

Und damit gilt: Wenn der Eigentümer jemandem soviel Geld zu zahlen, wenn dieser für die Firma so wichtig angesehen wird, wieso sollte man es dann verbieten? Denn – auch dies wird gerne übersehen – es sind ja nicht die Manager, die “mal eben” ihre eigenen Bezüge erhöhen, sondern es sitzt ein Aufsichtsrat dahinter, in dem nicht nur die Eigentümer des Unternehmens (Anteilseigner) sitzen, sondern auch Arbeitnehmervertreter.

Schaden würde man mit einem solchen Vorstoß der Wirtschaft hier, nicht den Managern. Die finden auch im europäischen Ausland, in Amerika oder zunehmend in Asien ihren Arbeitsplatz mit entsprechender Bezahlung. Und geholfen wird hier niemandem damit, denn neben schlechteren Managern würde auch die höhere Steuerzahlungen wegfallen.

Problemfall: Sonderzahlungen

Hauptproblem sind ja nicht mal alleine die Gehälter, sondern die Zusatzleistungen, die erfolgsgemäß gezahlt werden oder Abfindungen selbst dann, wenn Fehler im Management zur Beendigung des Vertrages führen. Die Frage bleibt nur hier, was der Staat gegen soetwas tun soll. Auch bei normalen Kündigungen vor Ablauf der Frist, etc. kann es – ich bin kein Experte für Arbeitsrecht – Situationen geben, in dennen sich Abfindungen einstellen. Und auch als Manager hat man eben einen Arbeitsvertrag, den man selber aber eben auch die Gegenseite einzuhalten hat.

Moral

Und dann kommt so oft die Moral ins Spiel, aber wer von euch würde bei seinem Job sagen: “Och, die 10 Millionen will ich nicht, weil andere so wenig verdienen?” Ganz ehrlich, ich denke die meisten würden das Geld annehmen – ohne deshalb unmoralisch zu sein oder unsozial. Denn man kann mit dem Geld nicht nur gut leben, sondern auch sinnvolle Dinge machen, Stiftungen unterstützen, Entwicklungsprojekte finanzieren, etc. – auch als Privatperson.

Forderung an die Wirtschaft

Daraus ergibt sich für mich eine klare Forderung nicht an den Staat oder die Manager, sondern an die Wirtschaft als solches, an die Eigentümer von Unternehmen und die Mitglieder in den Aufsichtsräten. Diese müssen m.E. ihre Verträge mit Vorstandsmitgliedern so formulieren, dass eben Fehlleistungen sich bei Managern genauso niederschlagen wie Erfolge.

Mindestlohn

Und um das Thema soziale Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren darf man eben nicht nur nach oben gucken, denn was hilft es einem Hartz 4 Empfänger oder einen Geringverdiener (was sich ja nicht ausschließt), wenn der Manager jetzt weniger verdient oder im Ausland arbeitet? Im Gegenteil, grade wegen der absehbaren Abwanderung von Spitzenmanagern und deren Geld würde er eher – mittelbar – leiden, aber in der Geldbörse von ihm ändert sich nichts … tolle Gerechtigkeit. Stattdessen sollten wir die Augen wieder auf einen vernünftigen Mindestlohn richten, anstatt uns Gedanken über die oberen Gehälter zu machen. Wenn alle Menschen genug zu essen und zu leben haben, wird es den Neid sicher weiterhin geben, aber vielleicht weniger Populismus in der Diskussion.

Mehr dazu auch bei Jörg Friedrich.

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0 thoughts on “Managergehälter

  1. Sie schreiben:
    “Denn – auch dies wird gerne übersehen – es sind ja nicht die Manager, die “mal eben” ihre eigenen Bezüge erhöhen, sondern es sitzt ein Aufsichtsrat dahinter, in dem nicht nur die Eigentümer des Unternehmens (Anteilseigner) sitzen”

    Aber genau das ist der Punkt wo die Sünden entstehen !
    Wer sitzt denn in den Aufsichtsräten ?
    In der Regel doch Manager aus anderen Konzernen.
    D.h. wenn man so will die “Kollegen” und unter “Kollegen”
    erhöht man sich dann gegenseitig die Bezüge.
    Wie heißt es so schön: die eine Krähe hackt der anderen
    kein Auge aus !

  2. Im Aufsichtsrat sitzen die Verteter der Anteilshaber – also im Kern die Besitzer -, aber zur Hälfte eben auch Vertreter der Arbeitnehmer. So einfach ist es demnach sicher nicht. Ein Tausch nach dem Motto “Komm in meinen Aufsichtsrat und ich gehe in deinen” dürfte es wohl kaum geben :)

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