Eritrea brüskiert die UN

image Vor zwei Jahren hatte ich das Vergnügen den ostafrikanischen Staat Eritrea bei der National MUN in New York zu vertreten. Auch wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass “unser Erzfeind” Äthiopien sich nicht annähernd so gut vorbereitet hatte oder die Simulation so ernst nahm wie wir, hatten wir uns sehr gut auf die Tagung vorbereitet und seitdem existiert ein großes Interesse an dem Land und den Grenzkonflikt, der seit Jahren die Beziehungen zwischen Eritrea und dem früheren Kolonialherren Äthiopien belastet. Und auch damals hatte Eritrea die Vereinten Nationen schon durchaus an der Nase herumgeführt. Aber vielleicht fangen wir in diesem Fall einmal ganz vorne an…

image Eritrea ist nämlich ein sehr junger Staat in der internationalen Staatengemeinschaft. Erst 1993 hatte das Land am roten Meer seine Unabhängigkeit von Äthiopien erhalten. Zuvor stand ein 30-jähriger Unabhängigkeitskrieg, der erst endete, als das äthiopische Regime stürzte und die neue Regierung – in Folge früherer Vereinbarungen – dem Küstenstreifen seine Unabhängigkeit schenkte.

Während in den ersten Jahren ein friedliches Zusammenleben der beiden Staaten möglich erschien, wurde ein Konflikt um die Grenzziehung gepaart mit der Einführung einer eigenen eritreischen Währung schließlich zum Ausgangspunkt des Krieges zwischen beiden Staaten, der von 1998 bis 2000 anhielt und ca. 70.000 Menschen das Leben kostete.

Beim Friedensschluss wurde vereinbart, zur Grenzziehung eine internationale Kommission einzuberufen, die eine verbindliche Entscheidung für beide Seiten fällt. Als diese 2003 schließlich die Stadt Badme Eritrea zusprach und ihren Vorschlag vorlegte, war es Äthiopien, welches diesen Beschluss nicht akzeptierte. Und im Prinzip ist dies der status quo.

Seit dem Friedensschluss sind die Vereinten Nationen mit einer Blauhelmmission der „United Nation mission for Ethiopia and Eritrea” (UNMEE) in einer entmilitarisierten Zone zwischen beiden Staaten stationiert. 2050 Soldaten und 221 Militärbeobachter ((darunter auch zwei Deutsche)) sollen so sicherstellen, dass aus der angespannten Lage kein neuer Krieg wird. Aber dies fällt den Peacekeepern zunehmend schwerer. 2006 – als wir nach New York fuhren – hatte Eritrea grade Flugverbote für UN Helikopter erlassen. Nun wurde der UN Mission die komplette Versorgung unterbunden, die UN Soldaten verließen Eritrea Richtung Äthiopien. Währenddessen rücken eritreische Soldaten in die entmilitarisierte Zone vor.

image Was bezweckt der eritreische Herrscher Isayas Afewerki damit? Diese Frage haben wir uns 2006 natürlich auch gestellt und der eritreische Botschafter gab uns natürlich auch eine Antwort: Die UN sei seit Jahren im Land und habe nichts erreicht, sondern sei im Gegenteil eher schädlich für das Land gewesen. Dabei wird dann auf die Wirtschaftsmacht der UN Soldaten und die damit verbundenen Probleme, sowie auf Fälle von Kindesmisshandlung hingewiesen. So hätten wir es in New York auch gemacht – aber die Wahrheit ist wohl, dass es um mehr geht als Druck auf die internationale Gemeinschaft auszuüben, auf das diese dann Äthiopien zum Einlenken bewege. Nein, eher dürfte Machtpolitik eine Rolle spielen.

Die USA haben Eritrea im letzten Jahr auf die schwarze Liste gesetzt, was die Umsetzung von Menschenrechten geht ((Bitte keine Diskussionen darüber, ob die USA dazu noch die moralische Autorität darauf haben, wegen Guantanamo und so. Darum geht es hier nicht! :) )) – und dies vollkommen berechtigt. Seit 1998 liegt eine demokratische Verfassung vor, die aufgrund des Ausnahmezustandes nie angewandt wurde. Stattdessen regiert der autoritäre Afewerki das Land seit der Unabhängigkeit von 1993. Die Gesellschaft ich hoch militarisiert. Die Wehrpflicht beträgt 16 Monate und eine Verweigerung ist einem Hochverrat gleichzusetzen – immerhin gilt dies aufgrund des gemeinsamen Kampfes während des Unabhängigkeitskrieges sowohl für Frauen wie für Männer, womit ich sagen will, dass Gleichberechtigung dort grundsätzlich einen anderen Stellenwert hat. Auch muss man sich sicherlich fragen, ob der innere, religiöse Frieden, der sich in dem zur Hälfte christlich, zur Hälfte muslimischen Staat nicht auch nur ein Konstrukt aufgrund der Bedrohung von außerhalb ist.

Eritrea hat für das kleine Land eine entsprechend starke Armee: Rund 10 Prozent der Bevölkerung sollen dem Militär in irgendeinerweise angegliedert sein. Allerdings ist dies bei dem Gegner auch kein Wunder: Äthiopien kann auf die größten Streitkräfte des afrikanischen Kontinents zählen. Dennoch hat es – vielleicht auch aufgrund des Engagements an der somalischen Grenze – abgestritten einen Krieg in Erwägung zu ziehen. Das wird freilich die andere Seite auch behaupten und so wird sich die Lage immer weiter zuspitzen, bis – wie UN Generalsekretär Ban Ki Moon es im letzten Jahr schon befürchtete – wirklich der erste Schuss zu einem neuen Krieg am Horn von Afrika führt.

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4 thoughts on “Eritrea brüskiert die UN

  1. Kommentar zu Ihrem -Bericht.

    1. Eritrea hat sich die Unabhängighkeit erkämpft, gesiegt und nicht geschenkt bekommen. Das wissen Sie auch!!

    2. Eritrea hat einen Präsidenten und nicht einen Herrscher, also schreiben Sie auch nicht so über ihn.

    3. Die entmilitarisiert Zone von 25 km befindt sich in Eritrea und nicht auf beiden Seiten. Vergessen Sie nicht, dass das Land Bauern gehört, die irgendwann mal das Recht haben, in das Land ihrer Väter zurückzukehren.

    4. Über Menschenrecht in den USA brauchen wir nicht zu
    reden. Jeder weiß, was los ist.

    5. Äthiopien mag zwar die größten Streitkräfte in der Region haben. Es geht aber nicht um Größe sondern um Effizienz.
    Resultat ist, 30 Jahre Krieg mit Eritrea, mit einer beschämenden Niederlage am Ende. Äthiopien sollte mal 1:1 gegen Eritrea kämpfen ohne sonstige Unterstützungen aus dem Hintergrund.
    6. Bei Ihnen habe ich auch nicht das Gefühl, dass sie neutral berichten.

    mfg

  2. 1. Natürlich bewerte ich den Unabhängigkampf nicht zu gering, aber es gab nunmal auch einen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit dem Umsturz in Äthiopien. Siehe auch Wikipedia: “Nach dem dreißigjährigen Unabhängigkeitskrieg, der erst 1991 mit dem Sieg der Eritrean People’s Liberation Front (EPLF) und verschiedener äthiopischer Widerstandsgruppierungen (u. a. die Ethiopian People’s Revolutionary Democratic Front) über die Zentralregierung Äthiopiens endete, folgte die Unabhängigkeit Eritreas.”

    2. Klar, er ist Präsident, aber dennoch ist die Regierungsführung sehr autoritär, manche unabhängige Beobachter sehen eben schon eine Diktatur. Bei aller möglichst neutralen Berichterstattung sollte man dies dann auch so bezeichnen. Und auf nationaler Ebene gab es auch seit Jahren keine Wahlen – vornehmlich wegen dem Konflikt. Das man durchaus Demokratie mit einer gespannten Lebenssituation verbinden kann, zeigt das Beispiel Israel ja durchaus.

    3. Wo sich die entmilitarisierte Zone befindet kann ich nicht genau sagen, dürfte ja auch von der endgültigen Grenzziehung abhängen. Aber sei es drum, da unterstütze ich ja sogar die Eritreische Sichtweise, die das internationale Gutachten umsetzen möchte. Nur bezweifle ich, dass das momentane Vorgehen die internationale Gemeinschaft zu brüskieren weiterhilft den Konflikt wirklich zu lösen.

    4. Klar, aber auch wenn es in den USA insbesondere Guantanamo sicher Menschenrechtsverletzungen gibt, setze ich das Land ganz sicher nicht auf eine Stufe mit anderen Regimen, wie Burma, Sudan, Simbabwe oder eben Eritrea, wo die Menschenrechte stärker verletzt werden.

    5. Predigen Sie hier wirklich einen neuen Krieg? Mir geht es eher darum einen solchen zu vermeiden, denn 30 Jahre Unabhängigkeitskrieg oder der letzte von 98 bis 2000 haben doch das Leid gezeigt, was dies bringt, oder? Es geht nicht darum, wer stärker ist, sondern darum, dass beide eben unermässliches Leid über die Bevölkerung bringen können mit ihren Truppen.

    6. Sind sie es? Ich bezweifle dies eher als meinen Versuch das ganze möglichst neutral zu erfassen. Ich habe mich lange mit der Situation dort beschäftigt und bin bei einer Simulation in New York auch in die Rolle eines eritreischen Botschafters geschlüpft. Ich stehe Eritrea sicher grundsätzlich positiv gegenüber, aber grade deshalb werde ich nicht einfach eritreische Regierungsansichten verbreiten, sondern meine eigene Meinung und diese kritisiert sowohl das eritreische Vorgehen, aber auch Äthiopien welches den Schiedsspruch nicht anerkennt. Und ich kritisiere natürlich auch die Staaten des Westens, die – oft aus wirtschaftlichen Gründen – Äthiopien nicht entsprechend unter Druck setzt.

    Soviel in aller Kürze zu meiner Sichtweise dieses Konflikts.

  3. Ich möchte mich zuerst für Ihre Antwort bedanken und möchte dennoch zu einigen Punkten meine Meinung äußern:

    1. Was mich lediglich gestört hat ist der Satz, Eritrea
    hätte ihre Unabhängigkeit “geschenkt” bekommen.

    2. Israel mit Eritrea zu vergleichen ist glaube ich nicht
    klug und möglich. Jedes Land, jedes Volk hat seine
    eigene Identität, Geschichte, Probleme und insbesondere
    Tempo in der Entwicklung.

    3. Die entmilitarisierte Zone ist klar deffiniert und
    auch aus dem Internet abrufbar.

    4. Sie schreiben, Eritrea brüskiere die internationale
    Gemeinschaft. Haben Sie sich schon mal die Frage
    gestellt, wie sich Eritrea und insbesondere Eriträer
    in den letzten 8-10 Jahren fühlen? Ich kann es Ihnen
    sagen, nämlich vergessen und nicht fair behandelt von
    der intl. Gemeinschaft.Fängt schon mit der
    unmenschlichen Vertreibung von unschuldigen Eriträern
    an.

    5. Ich habe Guantanamo weder erwähnt noch gemeint.
    Es gibt viele Länder auf dieser Welt, wo die Menschen-
    rechte verletzt werden. Nach welchem Kriterium haben
    Sie jetzt ausgerechnet diese 4 Länder ausgesucht?
    Merkwürdig,dass Sie u.a. Äthiopien ganz vergessen
    haben zu erwähnen.

    6. Ich bin bestimmt die Letzte, die einen Krieg predigt.
    Ich wünsche beiden Völkern den wohlverdienten Frieden.
    Ich wollte eigentlich nur sagen, dass das große
    Äthiopien niemals Eriträer davon abgehalten hat,für
    ihre Selbstbestimmung zu kämpfen.

    7. Ich kann als eine Betroffene nicht neutral sein, da
    gebe ich Ihnen recht. Sie, finde ich, sollten es aber
    sein, weil Sie mit Ihre Veröffentlichungen die
    Öffentlichkeit ansprechen und diese wiederum das Recht
    hat, gut informiert zu werden. Mir haben Sie etwas
    ausführlicher geantwortet, diese Ausführlichkeit ver-
    misse ich aber in Ihrem Bericht. Ich denke, dass das
    Fehlen von elementaren Tatsachen ein falsches Bild
    abgibt.

    Ich verabschiede mich für heute von Ihnen und sage
    mfG

  4. Hi,

    Ich habe alle kommentare gelessen das kann mann auch nur als kommentar bezeichnen.

    Fakt Ist:

    Wenn Sie schon so etwas über Eritrea schreiben oder der 30jährigen krieg in eritrea, dann sollen Sie auch so gerecht seine und erzählen das Äthiopien nicht alein
    den Krieg gegen eritrea geführt hat sondern mit unterschtuzung der ganzen welt, kann man wohl sagen
    den Russland, Israel, Kuba, Nord Korea, USA,Lybien.
    das sind die in dieser 30jahren die militärisch oder
    finanziel das Land unterstutzt haben um den Kirieg zu über stehen den noch war nicht mäglich das Kleine Eritrea
    in den Knie zu erzwingen.

    Immer noch sind USA, Israel und gekaufte soldner unterstuzen das GROßE militär macht Africa Äthiopien wenn
    es um gegen Eritrea geht.

    Ich bitte Sie wenn Sie sowas schreiben dann schreiben
    Sie auch ohne angst zu haben von Ihrgend eine regierung.

    Was UN Blauhelme anbelngt das ist eine thema für sich.
    Drüber schreibe ich Ihnen andersmal.

    Bis nächsten mal.

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