Ein Wahlrückblick

Zum Wahlausgang

Die letzten Wochen,vielleicht Monate war es im Blog leider extrem ruhig geworden. Zumindest für die letzte Zeit kann ich aber auch ganz eindeutig sagen, dass da einfach kaum noch Zeit für aufzutreiben gewesen wäre: Kommunalwahlkampf und Vorbereitungen auf die Diplomarbeit haben eine Menge Zeit gefressen. Naja, zu zweitem schreibe ich die Tage bestimmt auch nochmal etwas, aber jetzt erstmal zur Kommunalwahl.

Also für alle nicht Gelsenkirchener mal die Kurzfassung aus Grüner Sicht: Die SPD holt einen Erdrutschsieg nicht nur bei der Wahl zum Oberbürgermeister, sondern sichert sich auch die absolute Mehrheit im Stadtrat und allen Bezirksvertretungen mit Ausnahme der BV Süd, wo aber auch nur ein Sitz fehlt zur Mehrheit. Die Grünen haben ihren dritten Platz trotz enormen Zuwächsen bei anderen kleinen Parteien verteidigen können, sind aber auf gleichem Niveau geblieben, haben sogar minimal verloren.

Ich will auch nicht verhelen, dass ich gestern, als ich aus dem Briefwahlkreis in dem ich ausgezählt hatte zur Grünen Wahlparty kam schon enttäuscht war. Von einem riesigen Zuwachs war ich nicht unbedingt ausgegangen, aber so 7-8 hatte ich mir schon erhofft und vielleicht eben ein Mandat mehr. Stattdessen Stagnation und sogar Verluste. Es tröstet da zwar ein wenig, dass man noch immer dritte Kraft geblieben ist, aber so richtig eben auch nicht.

Woran es lag ist immer spekulativ, aber dass der Zuwachs bei LINKEN und BIG uns sicherlich den ein oder anderen Wähler gekostet hat, halte ich für offensichtlich. Grade in der Migrationspolitik sehe ich uns Grüne noch stärker in der Pflicht, als wir es in den letzten Jahren vielleicht betrieben haben. In der offiziellen Pressemitteilung wird noch ein anderer möglicher Grund genannt: Die Kooperation mit der SPD hat die eigene Profilierung erschwert. Ich denke am Ende wird es von allem ein wenig sein und ein wenig Baranowski Faktor für die SPD sicherlich auch.

In unserem Wahlkampf hingegen und vor allem auch dem Einsatz von Irene sehe ich dagegen keine Mängel. Im Gegenteil: Ich hatte selten soviel Spaß am Wahlkampf, wir haben mit der zweiphasigen Großflächenkampagne auch neue Elemente in den Wahlkampf gebracht, wirklich mit inhaltlichen Veranstaltungen für uns geworben und auch wenn ich mir ursprünglich mehr für den Internetwahlkampf vorgenommen hatte, fand ich dass wir auch da ein gutes Bild abgegeben haben. Aber Wahlkampf ist eben offensichtlich nicht alles.

An dieser Stelle sei mir erlaubt Irene nochmal für ihren Einsatz in den letzten Wochen zu Danken und Lob auszusprechen. Sie war bei allen (?) Podiumsveranstaltungen persönlich zugegen, wo die Konkurrenz nur Stellvertreter entsand. Hat Flyer verteilt, sich oft bereitwillig vor meine Videokamera gestellt und war sich am Freitag auch nicht zu schade dafür auch noch einen Hausbesuch bei einer Nachbarin vorzunehmen, um politische Probleme zu diskutieren. Diesem Einsatz wurde ihr Ergebnis leider nicht gerecht, aber dies führe ich eindeutig darauf zurück, dass Grüne Wähler eben Branowski gewählt haben und – anders als bei Linken oder anderen Parteien eben auch keine größere Hemmschwelle bestand, hier einen SPD Kandidaten zu wählen – und sei es nur, um den der CDU zu verhindern.

Und um das vielleicht zur Abschlussbetrachtung auch noch hinzuzufügen: Ich finde es noch immer richtig, dass wir einen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, denn Frank Baranowski mag sympatisch und nett sein, aber er ist nicht GRÜN. Bei seiner Vorstellung als Kandidat, der Susanne und ich als Grüne Vertreter beiwohnen durften, konnten wir auch bei vielen sozialen Dingen klatschen, aber die Norderweiterung als gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Wirtschaftspolitik und Umwelt darzustellen hat uns die Sprache dann doch verschlagen.

Aber das brauch er jetzt ja auch nicht mehr, denn Gelsenkirchen iteht nun unter einer absoluten Mehrheit der SPD. Ich bin gespannt, wie dies läuft, aber befürchte, dass es eben zu einer Arroganz der Mehrheit kommt.

Darüber werde ich mir amders als in den letzten Jahren aber auch ein eigenes Bild machen können, denn ich bin ja auch in die Bezirksvertretung Mitte gewählt worden. Wir hatten gehofft dort – und im Norden – auch noch ein zweites Mandat zu bekommen, aber dafür hätte man eben noch etwas dazugewinnen und nicht verlieren müssen :D Wie dem auch sei, bin ich sehr gespannt auf die Arbeit dort. Ist ja auch mein erstes kommunalpolitisches Engagement und von daher weiss ich noch nicht genau, was mich dort überhaupt erwartet. Über meine Arbeit dort werde ich aber wohl in einem eigenen Blog berichten, was unabhängig von meinem hier ja eher gemischten Blog läuft.

Ich hoffe, dass ich auch hier bald wieder richtig Gas geben kann, den Themen gab und gibt es eigentlich genug, nur die Zeit ist manchmal das Problem. Eine weitere Einschätzung zur Wahl gibt es von Dennis bei Grünes Gelsenkirchen. Dort findet man auch die Pressemitteilung und mehr zur Wahl. Das Video von dort stelle ich aber hier auch nochmal rein. In dem rede ich mit Irene über das Ergebnis und so:

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6 thoughts on “Ein Wahlrückblick

  1. Hey PatJe,

    ich habe deinen Artikel gerade gelesen und mir eine eigene Meinung bilden können!

    1. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das “schlechte” Ergebnis nicht nur an der Linken und Big liegt, sondern z.B. an euren Plakaten!
    Ich finde es schon fast peinlich, wenn man nur die Aussage “Das bessere Programm”, oder “Die bessere Kandidatin” verlauten lässt!
    Inhaltslos und aus meiner Sicht einfach nur ein Personenwahlkampf!

    2. Ich glaube das ihr die SPD auch zum Teil stark gemacht habt, weil es für viele Bürger nicht verständlich war warum ihr den Streit im Rat hattet!

    3. Ihr zum Beispiel mit euren ÖPNV-Program besser werben hättet sollen! Da stehen echt gute Sachen drin!

    Ich hoffe ihr redet Klartext!

    Gruß

    Christiane Meinere

  2. Hallo,

    vielen Dank für deine Anmerkungen, die ich auch in die Sitzungen mit hinein nehmen werde.

    Kannst du mich vielleicht noch kurz aufklären, was du mit “Streit im Rat” im Bezug auf die SPD meinst. Wir hatten mit der SPD ja eigentlich eine Kooperation und es gibt einige Überlegungen, dass dies eine eigene Profilbildung erschwerte. Von daher stolpere ich ein wenig über den Begriff Streit.

    Liebe Grüße
    Patrick

  3. Pingback: Grünes Gelsenkirchen » Noch ein Wahlresüme

  4. Hallo Christiane, vielen Dank für deine Anmerkungen, hier spricht wohl die Wählerin :)

    Zu 1:
    Es zeichnet sich (glaube ich) in diesem Fall ab das wir an manchen grünen WählerInnen mit dieser Kampagne vorbeikommuniziert haben. Tatsächlich sollte das “Bessere Programm” Kernsatz sein und zum Lesen unseres mit viel Aufwand erarbeiteten Programms animieren. Der Wahlkampf an sich lief ja dann in den Aktionen auch streng inhaltlich ab. Im Ergebnis scheint dies aber nicht ganz geklappt zu haben :(

    Zu 2:
    Ich glaube ich weiß was Du meinst. Die Trennung von der SPD fand ja in einem längeren Prozess statt in welchem man sich über Sachfragen dann allmählich voneinander entfernt hat.
    Du hast zweifellos Recht wenn Du sagen willst das es nach außen nicht deutlich ersichtlich sein konnte, warum dieser Prozess vonstatten ging. Zumal die SPD nach außen hin mit der Verkündung grüner Ideen ja auch den Anschein erweckt hat ein ökologisches Profil zu entwickeln (Stichwort Ökostromanteil). Was PatJe mit Profilbildung meint ist dass wir jetzt darüber nachdenken müssen warum es uns nicht gelungen ist unseren WählerInnen diesen Prozess zu kommunizieren.

    Zu 3:
    Danke. Und diese guten Sachen werden auch nicht unter den Tisch fallen gelassen :D

    Das sind jetzt nur meine ersten Eindrücke, konkret und in Klartext analysiert wird sicher schon in den nächsten Tagen.

  5. Hey,

    @PatJe:

    Mit Streit meine ich, dass es nicht umbedingt klug war eine eigene Kandidatin aufzustellen, weil:

    1. Frank Baranowski vor allem bei der Jugend sehr gut ankommt und auch bei der älteren Generation punkten kann! Ich kann mir das gute Wahlergebnis der SPD auch nicht anders erklären! (Okay, die Arbeit der Wahlhelfer war auch extrem! Zum Teil auch von den Jusos!)

    2. man durch das Aufstellen von einer eigenen OB-Kandidatin das Gefühl hatte, die Grünen haben Streit mit der SPD und nicht anders herum! Ich kann vielleicht nachvollziehen, dass du sagst “bei den sozialen Sachen habe ich applaudiert, aber grün ist Baranowski nicht” (nicht wörtlich, aber relativ sinngemäß). Aber ich denke das wir schon eine sehr grüne Stadt haben, z.B. durch die vielen Parkanlagen und Grünzonen. Dadurch – finde ich – hätte man den Punkt (etwas) vernachlässigen können!

    @Dennis
    Ich habe diesmal leider nur ein Kreuz bei den Grünen machen können! Sorgt dafür das es beim nächsten Mal wieder drei sind!

    Und noch eine Sache:
    Ich lese in meiner knappen Freizeit sehr gerne die verschiedenen Blogs in Gelsenkirchen durch!
    Ich habe die MLPD/Auf vs. Jusos Sache verfolgt und fande den Arktikel von Dennis auf GruenesGelsenkirchen nicht sehr gelungen! Ich weiß von Freudinnen und Freunden das die Grüne Jugend sonst auch viel mit den Jusos machen und war über den krassen Gegensatz echt erstaunt!

    Ich hoffe das ich alle Fragen beantworten konnte!

    Es grüß,

    Christiane

    PS: Ich will hier bitte keine Diskussion wie auf den anderen Blogs über das Thema MLPD/Auf! Das gab es zur Genüge! Ich habe es zwar nur verfolgt, mir jedoch glaube ich eine gute Meinung bilden können!

  6. Danke Christiane das Du dich so einbringst :)
    Was den besagten Artikel angeht hast Du ja vielleicht gesehen das die unterschiedliche Ansicht quer durch die Lager geht. Grüne und Jusos stimmten der Jusoposition zu, Grüne und Falken (also eigentlich auch Jusos) stimmten meiner Position zu.
    Du hast Recht damit das wir zu den Jusos normal ein sehr gutes Verhältnis haben und deswegen bin ich mir sicher das wir in der Sache nach der ganzen Wahlkämpferei später zu einem gemeinsamen Standpunkt kommen können.

    Was die eigenen Kandidatur angeht waren wir ganz einfach mit der SPD zu weit auseinander und in den Verhandlungen wollte die SPD uns auch keine Zugeständnisse für einen Kandidaturverzicht machen.
    Wenn man als komplette Partei eine andere Politikvorstellung hat als der vormalige Partner dann muß man dafür eben auch antreten. Aber deine Kritik das die Hintergründe nicht in der Öffentlichkeit angekommen sind hast Du ja bereits geäußert.
    Ökologisch hat die SPD eben u.a. auch unbemerkt ziemliche Sauereien veranstaltet – u.a. auch mit uns als ihrem Partner. Ich weiß nicht ob du das Thema Norderweiterung in Scholven verfolgt hast, aber dieses Thema kann man zweifellos als exemplarisches Beispiel werten.

    Und das Du unser Blog liest freut mich sehr, da steckt nämlich viel Arbeit drin :)

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