Die Theorie hinter der Verschwörungstheorie

Im Zusammenhang mit einer Blogparade zur Mondlandung habe ich mich einem meiner Lieblingsthemen – den Verschwörungstheorien – ein wenig genauer gewidmet und werde wohl in regelmäßiger Unregelmäßigkeit hier die ein oder andere Theorie vorstellen.

Den Auftakt bietet hierfür aber zunächst etwas Theorie. Als erstes Buch hatte ich nämlich “Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren” von Thomas Grünter in die Finger bekommen, der in diesem eben der Frage nachgeht, wie Verschwörungen funktionieren und vor allem, wie man eine Verschwörungstheorie kreiert, die auch bei noch soviel unsinnigen Annahmen ihre Wirkung entfaltet.

Den Kern einer guten Verschwörungstheorie bietet demnach eine einfache Dreiteilung:

  • Der Verschwörungsglaube bietet dabei die Grundlage. Hier geht es um eine diffuse Grundeinstellung gegenüber einer bestimmten Gruppe, seien es nun Illuminaten, die USA oder die Juden ((In Europa war der Antisemitismus oder Verschwörungstheorien gegen die Juden weit verbreitet, deshalb fließt es das ein oder andere mal ein. Hierzulande sind die Vorstellungen von Juden, die Ritualmorde an Christen begehen inzwischen ja verpönt und werden als Unsinn zurückgewiesen – in Arabischen Ländern ist dies aber durchaus noch immer anders)). Das hier gesetzte Misstrauen ist Grundlage für alle weiteren Verschwörungstheorien. Wenn es nicht existiert hat die Theorie am Ende auch keinen Erfolg, weil es keine kritische Masse an Unterstützern oder “Gläubigen” gibt.
  • Auf diesem Glauben baut die Verschwörungslegende auf, nach der ein bestimmtes Ereignis eben entsprechend dem Glauben umgedeutet wird. Also wird aus dem Autounfall von Lady Di eben ein Mordanschlag des britischen Geheimdienst MI6.
  • Zu guter Letzt kommt dann eben die Verschwörungstheorie dazu und baut die Legende weiter aus. Grünter nennt dies dann ein “intellektuelles, pseudowissenschaftliches Gedankengebäude”, welches so aufgebaut wird. Das “Problem” all dieser Theorien ist aber die fehlende Falsifizierbarkeit, also die Möglichkeit die Theorie am Ende wissenschaftlich zu prüfen. Es wird stattdessen ein geschlossenes System erzeugt, bei der man dann ggf. darauf verweist, dass die entsprechenden Spuren verwischt worden wären.

Wichtig ist eben nur die Frage, wie stark der Verschwörungsglaube gesetzt ist: Während im Mittelalter eben Juden, Hexen oder in England zum Beispiel auch Katholiken als Bedrohung der eigenen Gruppe angesehen wurden, kann man damit heutzutage in Europa niemandem hinter den Ofen hervorlocken. Dafür bieten CIA, die Vereinigten Staaten heutzutage ja gerne die Angriffsziele.

Ein Kernelement jeder Theorie ist dementsprechend eben diese Bedrohung von “uns” durch “die”, wobei die andere Seite immer die negativsten Eigenschaften hat, die man sich nur vorstellen kann, während man selber für Gerechtigkeit, Frieden, Wahrheit und Ähnliches einsteht.

Ich will jetzt nicht das ganze Buch weiter vorstellen, denn man soll es ja noch lesen (was sich angesichts von nur 9 Euro bei 300 Seiten durchaus lohnt), aber dennoch sollen kurz die Regeln für eine erfolgreiche Theorie rezitiert werden:

  1. Grundlage der Theorie bildet einfach formulierter Verschwörungsglauben
  2. Unerklärtes wird zusammengefasst, Fragen aufgeworfen und bestehende Erklärungen angezweifelt
  3. Wo es sich anbietet nachprüfbare Zahlen nutzen, gewagte Schlussfolgerungen einfach einfließen lassen
  4. Etablierte Methoden und Erkenntnisse immer wieder in Frage stellen, sowie Wissenschaftler oder Jornalisten gerne pauschal angreifen und als parteiisch bezeichnen
  5. Scheinbar (oder tatsächlich) nicht zusammenhängende Ereignisse, Indizien und Aussagen zu einem neuen Sinnzusammenhang zusammenführen
  6. Wahres, Halbwahres und Erfundenes so eng zusammenbinden, dass der Aufwand zur Nachrecherche zu Aufwendig wird
  7. und Motive für die Personen oder Gruppen erfinden.

Wer dies beherzigt, kann durchaus einen Verschwörungsglauben erstellen. Selbst das von Grünter erstellte Beispiel einer weiteren Existenz von Neandertalern, die als “dunkle Männer” das Weltgeschehen seit Jahren mitbestimmen, ist so gut beschrieben, dass man trotz des Wissens einer erfundenden Verschwördungstheorie ein wenig ins Grübeln kommt :)

Also jedem, der sich mit Verschwörungstheorien eingehender beschäftigen und verstehen will, wie sie funktionieren und ihre Wirkung auf Menschen entfalten, sollte hier zugreifen und sich dieses Buch kaufen. Ich habe es sehr gerne gelesen, weil es diesen theoretischen Ansatz immer wieder mit Beschreibungen von Verschwörungstheorien aufwertet. Angefangen von den Verschwörungen einiger Katholiken in England und den folgenden Verschwörungstheorien gegen diese in Großbritannien, über Hexenverfolgung, dem Sich-verfolgt-fühlen Stalins bis zu modernen Theorien zum 11. September oder der McCathy Ära wird hier einiges aufgegriffen. Und ja: Natürlich auch die Illuminaten, Freimaurer und die “Protokolle von Zion” haben ihren Weg in dieses Buch gefunden.

Abschließend habe ich hier auch ein neues Lieblingszitat von Machiavelli gefunden:

“Dem Fürsten kann nichts Übleres als eine Verschwörung zustoßen, denn sie kostet ihm entweder das Leben oder beschädigt seinen Ruf. Eine gelungene Verschwörung bringt ihn um. Deckt er die Verschwörung auf und lässt die Verschwörer hinrichten, so glauben die Menschen, er habe die Verschwörung nur erfunden, um seinen Gegnern zu schaden.” (Stammt nach Angaben des Autors aus dem Buch Discorsi)

Erinnert mich irgendwie an die Theorien zum 11. September

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10 thoughts on “Die Theorie hinter der Verschwörungstheorie

  1. Pingback: Wie Verschwörungstheorien funktionieren | Blog Illuminati | Illuminaten

  2. Ahoi

    Danke für die Teilnahme!

    Kann ich annehmen, dass du die Verschwörungstheorie von der Mondlandung bevorzugst, oder glaubst du, die Amis waren wirklich oben? Das geht leider aus dem Beitrag nicht ganz hervor, ist aber für meine Auswertung am Ende der Blogparade wichtig. Würde mich also freuen, wenn du entweder hier noch einen Kommentar hinterlässt, oder direkt unter meinem Blogparaden-Artikel :)

    Gruß Schocker Blogger

    • Hallo,

      das war in dem Sinne noch nicht die Teilnahme, sondern der Link diente nur zur Einleitung ;) Ein richtiger Artikel zur Mondlandung kommt noch und wird auch diese Verschwörungstheorie eher zurückweisen – soviel vorab.

      Liebe Grüße
      Patrick

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  5. Also ich kann dieses Zitat von Machiavelli beim besten Willen nicht verifizieren, obwohl ich jetzt den ganzen Fürsten von vorne bis hinten gelesen habe …

  6. Ich kann es jetzt nicht 100%ig verifizieren, da die Quelle nicht im Netz ist, aber das Zitat stammt nicht aus dem “Fürsten”, sondern aus dem Werk “Discorsi”. Werde das im Artikel noch deutlicher machen.

  7. Ah, danke, jetzt konnte ich es verifizieren. Auf http://oll.libertyfund.org/Texts/Machiavelli0156/Writings/HTMLs/0076-02_Pt02_Disc.html gibt es einen Volltext, leider nur in englischer Sprache. In Vol.2 findet man das Zitat, hier die englische Fassung:

    “There is, then, no greater misfortune for a prince than that a conspiracy should be
    formed against him; for it either causes his death, or it dishonors him. If the
    conspiracy succeeds, he dies; if it be discovered, and he punishes the conspirators
    with death, it will always be believed that it was an invention of the prince to satisfy
    his cruelty and avarice with the blood and possessions of those whom he had put to
    death.”

    Sorry, dass ich lästig bin, aber gelegentlich liebe ich es, Quellen zu verifizieren. Berufskrankheit (bin FH-Lektor) ;-)

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