Benedikt XVI. tritt zurück – Ein wenig Geschichte

Wir sind nicht mehr Papst. Oder nicht mehr lange. Okay, ich war es wohl nie wirklich, da ich nicht nur aufgrund der postestantischen Konfession nicht viel mit dem Spruch anfangen konnte. Aber bald wird es im Vatikan wohl jemand neuen auf dem Heiligen Stuhl geben. Papst Bendikt XVI. tritt – soweit es bisher bekannt ist – aus gesundheitlichen Gründen zurück. Anstatt aber einfach nur das zu schreiben, will ich kurz mal in die Geschichte blicken, wie das sonst aussieht, denn Rücktritte von einem solchen Amt dürften nicht viele vorgekommen sein.

Und in der Tat, die ellenlange Liste von Päpsten umfasst nur drei Rücktritte:

Papst Pontianus trat 235 zurück, aber wohl eher unfreiwillig, war er doch in Gefangenschaft geraten und litt in einem Bergwerk unter untragbaren Bedingungen. Er starb auch kurz darauf dort. Ob nun Papst Silverius – wie in dem Artikel genannt – zurücktrat, kann ich nach der kurzen Recherche nicht sagen, aber es sieht mir eher so aus, als ob er durch einen Gegenpapst ersetzt wurde – freiwillig war es damit sicher nicht.

Am ehesten vergleichbar ist damit der Rücktritt von Papst Colestin V. im Jahr 1294. “Als Gründe nannte er Krankheit, Unwissenheit (keinerlei Erfahrung in der Verwaltung der Kurie) und den Wunsch, wieder als Einsiedler zu leben.”, so der Wikipedia-Artikel zu dem nicht mal sechs Monate langen Papst. Ob bei Papst Benedikt XVI. allerdings auch Intrigen im Spiel waren, wie hier überliefert, darf vielleicht doch noch bezweifelt werden:

Einer Überlieferung zufolge sei Caetani an einer Intrige beteiligt gewesen. Er soll in drei aufeinanderfolgenden Nächten durch ein Loch in der Wand des päpstlichen Schlafzimmers dem Schlafenden zugerufen haben: „Coelestin, Coelestin, danke ab! Das Amt ist zu schwer für deine Schultern!“ Coelestin, der diese Worte – vergleichbar dem Traum des Nährvaters Josef – als Einflüsterung des heiligen Geistes deutete, habe sich daraufhin zum Rücktritt entschlossen.

Coelestin V. wurde nach seinem Abdanken – und einer kurzen Flucht – von seinem Nachfolger festgehalten und in “Ehrenhaft” genommen, um ein Schisma der Kirche zu verhindern. Ich denke bei Benedikt XVI. wird es etwas anders laufen und ihm damit alles Gute nach dieser sicher nicht leichten Entscheidung. Und in Kürze darf dann wohl wieder auf weißen Rauch auf dem Petersplatz gewartet werden…

Hier seine Erklärung vor den Kardinälen

In drei Teufels Namen

IMG_0294[1]Wieder ein Buch durch. Dieses mal “In drei Teufels Namen. Die etwas andere Geschichte der Hexen und ihrer Verfolgung”. Ich hatte es mir vor kurzem gekauft um ein wenig mehr über die Hintergründe und Geschichte der Hexenverfolgungen im Mittelalter zu erfahren und ich glaube das ist wirklich gelungen. Und das auch sehr unterhaltsam.

Dieter Breuers berichtet diese Geschichte nämlich anhand von Geschichten und Berichten der damaligen Zeit. Anstatt also reine Fakten zu präsentieren werden diese mit Einzelbeispielen verknüpft. Das Buch ist damit sicherlich keine wissenschaftliche Abhandlung, denn Fußnoten fehlen ebenso wie andere Quellenangaben, aber ich denke dennoch, dass meinen einen guten Überblick über die Geschichte erhält. Also für Interessierte eine klare Kaufempfehlung. Dennoch noch einige Beispiele und auch generell etwas dazu, was ich aus dem Buch gelernt habe.

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Challanger Katastrophe vor 25 Jahren

Heute vor 25 Jahren explodierte die Raumfähre Challanger kurz nach dem Start. Wer das nicht mehr in Erinnerung hat, hier eine 10 Minuten Doku zu dem Unglück aus der Serie 100 Jahre – Der Countdown:

Die Süddeutsche hat hierzu heute einen sehr interessanten Artikel zur Geschichte des Space Shuttles generell. Lesenswert!

Erster Weltkrieg wird am Sonntag beendet

Na gut, der Krieg ist seit 1918 beendet und die Welt hatte schon das Übel eines Zweiten. Dennoch wirkt der Erste Weltkrieg bis heute – oder eher Sonntag – nach: In dem Versailler Vertrag von 1919 wurde der deutschen Regierung damals sowohl die Kriegsschuld auferlegt und eine nicht genauer bezifferte Reparationsverpflichtung. Im Laufe der 20er Jahre wurden dann Zahlen genannt, aber Deutschland war immer weniger in der Lage diese zu finanzieren, so dass es zum Dawes-Plan und dem Young-Plan kam.

Dawes und Young wussten, dass nur eine funktionierende Ökonomie in der Lage sein würde, Wiedergutmachungsleistungen in nennenswertem Umfang zu leisten. Daher sahen beide Pläne vor, dass die deutsche Regierung einerseits jährlich eine bis 2,5 Milliarden Reichsmark aus dem Steueraufkommen an die Siegermächte des Weltkrieges überweisen sollte. Hinzukommen sollten aber internationale Anleihen zugunsten der deutschen Wirtschaft, um deren Wachstum zu finanzieren und so letztlich zu einer sicheren, regelmäßigen Zahlung beizutragen. Die sogenannte Dawes-Anleihe betrug knapp vier Milliarden Reichsmark (800 Millionen Goldmark) zu einem Zinssatz von sieben Prozent, die Young-Anleihe umfasste etwas weniger als 1,5 Milliarden Reichsmark (300 Millionen Goldmark) zu günstigeren 5,5 Prozent. Vor allem institutionelle Investoren, aber auch Privatanleger sicherten sich diese Wertpapiere. (Artikel in der Welt)

Beim Londoner Schuldenabkommen 1953 wurden die Auslandsschulden größtenteils erlassen, aber Zinsforderungen wurden aus den Verhandlungen ausgelassen und bis nach der Wiedervereinigung vertagt. Und daran dachte irgendwie zu dem Zeitpunkt niemand. Selbst in den 80ern, als alle übrigen Schulden bezahlt waren, waren die Schuldscheine eher historisches Sammelmaterial als eine gute Geldanlage.

Wie wir nun wissen, kam dann die Wiedervereinigung dann doch überraschend und damit wurden die Zinsen fällig. Und da im Abkommen eine 20-jährige Tilgung vereinbart wurde, werden am Samstag eben die letzten Schulden aus dem Ersten Weltkrieg, den 20er Jahren und der Nachkriegszeit bezahlt.

Die DDR war eine Diktatur!

Bei Anne Will wird heute abend für mich etwas befremdlich über die Frage diskutiert, ob die DDR wirklich eine Diktatur sei. Also, dass zu bezweifeln halte ich für einen ziemlichen Unsinn: Wo man seine Meinung nicht vollkommen und überall frei äußern konnte oder ausreisen konnte, kann man doch nicht anfangen darüber zu zweifeln, ob es eine Diktatur war. Ob nun der Begriff Unrechtsstaat dann noch dazu kommt, ist dann nur noch eine Detaildiskussion, wobei ich mir nicht wirklich vorstellen kann, wie man die DDR nicht so bezeichnen will.

Und klar: Nicht alle Menschen in der DDR hatten unter dem Regime zu leiden oder unterstützen dies. Viele hatten in der DDR sicher ein erfülltes und glückliches Leben und der Alltag war für viele damit sicher kein Problem – vielleicht erscheint es sogar angenehmer als das Leben nun in der Bundesrepublik.

Aber welche Bedeutung hat dies denn für die Bewertung des Staatssystems? Ist ein Staat weniger diktatorisch, weil er jedem eine Arbeit bietet oder ein besseres Sozialsystem hat? Wohl kaum. Freiheit findet sich natürlich auch im Sozialsystem und ich finde, dass in industriellen Nationen zur Freiheit auch eine Grundversorgung mit Kultur gehört, aber wenn dazu nicht die Grundfreiheiten wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit oder eben die Wahl der eigenen Regierung gehören, ist ein gutes Sozialsystem nicht mehr als Brot und Spiele, um einen sozialen Frieden zu wahren.

Ich halte dementsprechend auch nicht viel davon, dass man – wie Thierse es in der Diskussion wohl forderte ((zumindest hatte ich ihn so verstanden)) – gleichzeitig mit der Bezeichnung der DDR als Diktatur auch das Lebenswerk der Menschen dort schützt. Ich finde das sind wie gesagt zwei Paar Schuhe. Wenn man das Dritte Reich als Dikatur bezeichnet, erwähnt man ja auch nicht gleichzeitig, dass nicht alle Menschen in der Zeit Nazis waren und am Massenmord beteiligt waren, sondern viele sich auch einfach mit der Situation arrangiert und ihr Leben gelebt haben. Sowas ist selbstverständlich und die Aussage, dass das Dritte Reich auch seine Guten Seiten hätte, ist ebenso unnutzbar. Völlig klar: Der Vergleich hinkt, Diktatur ist nicht gleich Diktatur und sowohl der Schrecken als auch der innerstaatliche Eingriff in das Leben war in den 12 Jahren unter den Nationalsozialisten gravierender, als in den 40 Jahren der DDR, aber dennoch relativieren solche Aussagen auf die DDR angewendet dieses Regime deutlich.

Ebenso im übrigen auch wie eine Verherrlichung deren Symbolen als Ostalgie. Also zum Beispiel das Hotel, welches dort gezeigt wurde im alten DDR Stil. An den Wänden sind Bilder von Honecker oder als Tischdekoration Schildchen der Freien Deutschen Jugend zu finden. Also einem Menschen, der für viele Tote an der innerdeutschen Mauer verantwortlich und mehrere Tausende, die für ihre Meinung eingesperrt wurden, und die Insignien einer Organisation die für die politische Gehirnwäsche von Jugendlichen genutzt wurde.

Klar, vielleicht sehe ich das mit dem Auge eines Westlers und ich spitze hier im Artikel ich etwas zu, aber nach dieser Diskussion musste der ein oder andere Gedanke einfach mal raus :) Und – das war ja das erste Skurrile der Diskussion vorhin – am Beginn wurde doch glatt gesagt, Wessis könnten kaum darüber reden, weil sie die Erfahrung nicht hätten. Also mal abgesehen von dem “Miteinander reden”, was dort ja auch immer betont wurde, frage ich mich, ob man dann auch nur über den Nationalsozialismus oder was weiss ich, die Diktatur im Irak reden dürfte, wenn man das alles miterlebt hätte. Nun mit diesem Beitrag habe ich mich darum ja nicht gescherrt :)

Die Theorie hinter der Verschwörungstheorie

Im Zusammenhang mit einer Blogparade zur Mondlandung habe ich mich einem meiner Lieblingsthemen – den Verschwörungstheorien – ein wenig genauer gewidmet und werde wohl in regelmäßiger Unregelmäßigkeit hier die ein oder andere Theorie vorstellen.

Den Auftakt bietet hierfür aber zunächst etwas Theorie. Als erstes Buch hatte ich nämlich “Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren” von Thomas Grünter in die Finger bekommen, der in diesem eben der Frage nachgeht, wie Verschwörungen funktionieren und vor allem, wie man eine Verschwörungstheorie kreiert, die auch bei noch soviel unsinnigen Annahmen ihre Wirkung entfaltet.

Den Kern einer guten Verschwörungstheorie bietet demnach eine einfache Dreiteilung:

  • Der Verschwörungsglaube bietet dabei die Grundlage. Hier geht es um eine diffuse Grundeinstellung gegenüber einer bestimmten Gruppe, seien es nun Illuminaten, die USA oder die Juden ((In Europa war der Antisemitismus oder Verschwörungstheorien gegen die Juden weit verbreitet, deshalb fließt es das ein oder andere mal ein. Hierzulande sind die Vorstellungen von Juden, die Ritualmorde an Christen begehen inzwischen ja verpönt und werden als Unsinn zurückgewiesen – in Arabischen Ländern ist dies aber durchaus noch immer anders)). Das hier gesetzte Misstrauen ist Grundlage für alle weiteren Verschwörungstheorien. Wenn es nicht existiert hat die Theorie am Ende auch keinen Erfolg, weil es keine kritische Masse an Unterstützern oder “Gläubigen” gibt.
  • Auf diesem Glauben baut die Verschwörungslegende auf, nach der ein bestimmtes Ereignis eben entsprechend dem Glauben umgedeutet wird. Also wird aus dem Autounfall von Lady Di eben ein Mordanschlag des britischen Geheimdienst MI6.
  • Zu guter Letzt kommt dann eben die Verschwörungstheorie dazu und baut die Legende weiter aus. Grünter nennt dies dann ein “intellektuelles, pseudowissenschaftliches Gedankengebäude”, welches so aufgebaut wird. Das “Problem” all dieser Theorien ist aber die fehlende Falsifizierbarkeit, also die Möglichkeit die Theorie am Ende wissenschaftlich zu prüfen. Es wird stattdessen ein geschlossenes System erzeugt, bei der man dann ggf. darauf verweist, dass die entsprechenden Spuren verwischt worden wären.

Wichtig ist eben nur die Frage, wie stark der Verschwörungsglaube gesetzt ist: Während im Mittelalter eben Juden, Hexen oder in England zum Beispiel auch Katholiken als Bedrohung der eigenen Gruppe angesehen wurden, kann man damit heutzutage in Europa niemandem hinter den Ofen hervorlocken. Dafür bieten CIA, die Vereinigten Staaten heutzutage ja gerne die Angriffsziele.

Ein Kernelement jeder Theorie ist dementsprechend eben diese Bedrohung von “uns” durch “die”, wobei die andere Seite immer die negativsten Eigenschaften hat, die man sich nur vorstellen kann, während man selber für Gerechtigkeit, Frieden, Wahrheit und Ähnliches einsteht.

Ich will jetzt nicht das ganze Buch weiter vorstellen, denn man soll es ja noch lesen (was sich angesichts von nur 9 Euro bei 300 Seiten durchaus lohnt), aber dennoch sollen kurz die Regeln für eine erfolgreiche Theorie rezitiert werden:

  1. Grundlage der Theorie bildet einfach formulierter Verschwörungsglauben
  2. Unerklärtes wird zusammengefasst, Fragen aufgeworfen und bestehende Erklärungen angezweifelt
  3. Wo es sich anbietet nachprüfbare Zahlen nutzen, gewagte Schlussfolgerungen einfach einfließen lassen
  4. Etablierte Methoden und Erkenntnisse immer wieder in Frage stellen, sowie Wissenschaftler oder Jornalisten gerne pauschal angreifen und als parteiisch bezeichnen
  5. Scheinbar (oder tatsächlich) nicht zusammenhängende Ereignisse, Indizien und Aussagen zu einem neuen Sinnzusammenhang zusammenführen
  6. Wahres, Halbwahres und Erfundenes so eng zusammenbinden, dass der Aufwand zur Nachrecherche zu Aufwendig wird
  7. und Motive für die Personen oder Gruppen erfinden.

Wer dies beherzigt, kann durchaus einen Verschwörungsglauben erstellen. Selbst das von Grünter erstellte Beispiel einer weiteren Existenz von Neandertalern, die als “dunkle Männer” das Weltgeschehen seit Jahren mitbestimmen, ist so gut beschrieben, dass man trotz des Wissens einer erfundenden Verschwördungstheorie ein wenig ins Grübeln kommt :)

Also jedem, der sich mit Verschwörungstheorien eingehender beschäftigen und verstehen will, wie sie funktionieren und ihre Wirkung auf Menschen entfalten, sollte hier zugreifen und sich dieses Buch kaufen. Ich habe es sehr gerne gelesen, weil es diesen theoretischen Ansatz immer wieder mit Beschreibungen von Verschwörungstheorien aufwertet. Angefangen von den Verschwörungen einiger Katholiken in England und den folgenden Verschwörungstheorien gegen diese in Großbritannien, über Hexenverfolgung, dem Sich-verfolgt-fühlen Stalins bis zu modernen Theorien zum 11. September oder der McCathy Ära wird hier einiges aufgegriffen. Und ja: Natürlich auch die Illuminaten, Freimaurer und die “Protokolle von Zion” haben ihren Weg in dieses Buch gefunden.

Abschließend habe ich hier auch ein neues Lieblingszitat von Machiavelli gefunden:

“Dem Fürsten kann nichts Übleres als eine Verschwörung zustoßen, denn sie kostet ihm entweder das Leben oder beschädigt seinen Ruf. Eine gelungene Verschwörung bringt ihn um. Deckt er die Verschwörung auf und lässt die Verschwörer hinrichten, so glauben die Menschen, er habe die Verschwörung nur erfunden, um seinen Gegnern zu schaden.” (Stammt nach Angaben des Autors aus dem Buch Discorsi)

Erinnert mich irgendwie an die Theorien zum 11. September

Zeitungszeugen

image Heute habe ich im Copy-Shop meiner Universität doch noch Ausgaben von Zeitungszeugen gefunden. Wie schon berichtet ist dies eine Wochenzeitung, die Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus nachdruckt und in einen Zusammenhang stellt. Die Bayerische Landesregierung hatte die Zeitung eingezogen, weil sie die Urheberrechte an Nazi-Propaganda besitzt. Und wie schon im letzten Artikel bleibe ich auch bei näherer Betrachter dabei: Diese Aktion ist sinnlos. Die Publikation ist sehr gut und überzeugt mich durchaus. Und es ist doch durchaus besser, man bringt diese Propagandaschriften jetzt kommentiert heraus, als bis 2015 zu warten, bis dies jeder kann.

Aber anders als beim letzten Mal habe ich nun das Schriftstück direkt betrachten können – zumindest Ausgabe 2 zum Brand des Reichtags, der als Quellen die Vorwärts, den Völkischen Beobachter und die Vossische Zeitung beiliegt, zudem ein Wahlplakat der NSDAP. Letztes fand ich zunächst dann doch etwas verstörend, aber ich habe gesehen, dass in Ausgabe 3 eines der KDP beiliegt. Diese habe ich auch gekauft, aber es ist eine zensierte Sonderausgabe, so zumindest der Titel, denn anstatt dem Angriff und der Frankfurter Zeitung findet man nur eine Erklärung über den Sachverhalt und einen Coupon für die komplette Ausgabe im inneren des Mantels.

Und dieser Mantel rundet das Angebot auch gut ab. Zunächst wird ausführlich auf den Hintergrund und die Ereignisse der Ausgabe eingegangen, also beispielsweise Ermächtigungsgesetz, Reichtagsbrand oder – ab heute – der Boykott jüdischer Geschäfte. Auf der Rückseite wird unter “Geschichte erleben” dann schließlich noch auf die Zeitungen eingegangen, also deren Geschichte und eine geschichtliche Einordnung und Einschätzung, aber auch beispielsweise Besonderheiten, wie besondere Anzeigen und ähnliches. Die Zeitungen selber sind eben so wie Zeitungen aus den dreißiger Jahren. In Frakturschrift geschrieben, mit dem ein oder anderen Bild und auch Anzeigen für Lebensmittel oder den Gewinnspielzahlen der letzten Tage – eben eine Originalausgabe vom jeweiligen Tag. Gelesen habe ich diese wiederum natürlich noch nicht, das dauert grade bei der Schrift dann doch etwas, aber ich freue mich schon darauf, einen eingehenderen Blick in die verschiedenen Darstellungen zu werfen, wohlwissend, dass es sich – je nach Medium – um reine Propaganda handelt.

Aber ich finde man kann nicht viel besser aus der Geschichte und dem Leben in der Zeit des Nationalsozialismus lernen, als durch die Zeitungen, die ja nicht nur die wesentlichen Weltereignisse darstellen, sondern eben auch andere Ereignisse des Tages – verbotene Demos, verschärfte Gesetze, etc. Morgen kommt bekanntlich die Ausgabe zur Boykottierung von jüdischen Geschäften und in einer Woche dann diejenige zum Austritt aus dem Völkerbund.

Das Vorgehen der bayrischen Landesregierung scheint da noch unverständlicher und ganz ehrlich: Ich glaube noch immer nicht daran, dass nun plötzlich die Neonazis Deutschlands in die Läden stürmen, um sich diese Zeitung kaufen oder dass sich jemand einfach so eine rechte Zeitung liest und dann plötzlich der Ansicht ist, dass unter Hitler doch alles besser wäre und die Demokratie ein großer Müll ist.

Im Gegenteil bietet diese Reihe Geschichtsinteressierten eben einen faszinierenden Blick zurück (oder einem befreundeten Rollenspieler neues Quellenmaterial ;) ) und das sage ich auch als jemand, der die kompletten Protokolle der Nürnberger Prozesse in einem Schuber auf dem Regal verstauben lässt :D

Zeitungen per Internet – 1981 eine Sensation

Es ist immer mal wieder interessant zu sehen, welche technischen Entwicklungen die IT-Branche oder eben allgemein das Internet und World Wide Web in den letzten Jahren gemacht haben. Folgendes Video zeigt beispielsweise die Sensation, dass man 1981 bereits Zeitungen per Computer aufrufen konnte. Heute Alltag, aber damals wirklich schon interessant:

Die Anmoderation mit der unglaublichen Vorstellung, doch morgens mit dem Kaffee die Zeitung auf dem Bildschirm zu lesen erinnerte mich ein wenig an Zeiten vor 10 Jahren, als es auch für mich noch wie ein Wunder erschien, dass in Amerika die Menschen einfach mal eben ins Netz gehen um morgens den Wetterbericht oder Staumeldungen abzurufen. Theoretisch war das hier sicher auch schon möglich, aber in Zeiten von Einwahl und Minutenpreisen bei maximal ISDN Geschwindigkeit für den normalen Haushalt doch fast schon Luxus … wobei unsere Internetrechnungen auch teilweise seeehr hoch waren ;)

Jedem das seine

Jeder, der bei dieser Überschrift einen Schrecken bekommen hat und mich vielleicht schon für mangelnde Sensibilität kritisieren wollte, hat offensichtlich ausreichende Geschichtskenntnis. So bescheinigt Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, allen anderen – und auch mir – eine “totaler Geschichtsunkenntnis”, wenn man diese drei Wörter nicht mit dem KZ Buchenwald in Verbindung bringt, wo diese über dem Eingang eingebracht waren. Hintergrund sind inzwischen zurückgezogene Kampagnen von Tchibo und Esso wegen dieser Wortkombination.

Ganz ehrlich: Ich bin der letzte, der meint man sollte die Geschichte Ruhen lassen oder die unmenschlichen Verbrechen des Nationalsozialismus in irgendeiner Form verharmlosen sollte, aber “Jedem das Seine” steht für mich wirklich nicht in nationalsozialistischem Zusammenhang. Wer den Ursprung bedenkt und die Aussage geht es eben um Toleranz hoch drei:

Geprägt hatte ihn allerdings der Philosoph Cato der Ältere vor mehr als 2000 Jahren; er meinte ihn positiv: Jeder Mensch soll sein Leben so gestalten können, wie er es möchte.

Ich sehe es auch so und habe den Spruch in meinem Leben sicherlich mehrmals gebraucht. Somit steht er für genau das Gegenteil von dem, was der nationalsozialistischen Logik entspricht.

Man sollte vorsichtig mit Wörtern aus dem Nationalsozialismus sein, aber in dem Zusammenhang geht mir die Aufregung etwas zu weit.

Was denkt ihr? Habt ihr die Redewendung im nationalsozialistischen Zusammenhang gesehen? Werdet ihr deshalb jetzt anders damit umgehen?