Burma-Aktion am 4. Oktober hat begonnen

Free Burma - Blog EU - www.free-burma.org Es mag seltsam klingen, aber die Free-Burma Blogaktion hat bereits begonnen, obwohl noch nicht der 4.  Oktober ist – zumindest hier noch nicht. Im zu Frankreich gehörenden Neukalendonien im Pazifik hingegen ist es bereits morgen und die internationale Blogaktion hat ihren Beginn gefunden – ich verstehe zwar kein Französisch aber dennoch hier der Link zu dem Beitrag (via). Morgen wird auch in Deutschland nach dem Motto “One Blog post for Burma” in vielen Blogs die normale Arbeit eingestellt und nur ein einzelner Blogeintrag eingestellt – “Free Burma”. Ziel der Aktion ist es, ein weltweites Zeichen für Frieden zu setzen und gleichzeitig die Solidarität mit den Menschen in Burma zu bekunden, die dort für Freiheit und Demokratie auf die Straße gegangen sind.

Über Sinn und Unsinn

Es gibt sicherlich viele, die sagen, dass dies alles keinen Sinn machen würde – Welchen Einfluss hat es, wenn man in seinem kleinen Blog einen solchen Beitrag postet? Aber ich muss sagen, dass dieses Argument für mich ziemlich nebensächlich ist. Es passt gut in die Aussage, dass man ja eh nichts tun könne und von daher grundsätzlich die Hände in die Taschen steckt. Wenn man dies immer sagen würde, gäbe es keine Demonstrationen auf den Straßen, denn der einzelne kann dann auch nichts bewegen, sondern erst die Menge kann Einfluss ausüben. Und was wir hier erleben, ist eben eine weltweit vernetzte Aktion.

Marc stellt hierzu in der Wissenswerkstatt eine interessante Gegenfrage mit Antwort:

“Darf man nur das tun, von dessen Effekten [=Erfolg] man im Vorfeld bereits sicher ausgehen kann?” Ich bin mir sicher, daß die Aktion nicht schadet. Und gewisse positive Nebeneffekte – etwa die Tatsache, daß die Aktion garantiert von einigen Aktivisten in Burma registriert wird und ihnen Mut machen kann – liegen sowieso auf der Hand.

Und Robert Basic hatte bereits vorher mal beschrieben, wieso er diese Aktion organisierte und seine Rolle damit sieht:

Die Antwort ist nicht einfach, weiß man doch, dass man unmittelbar nicht mal bisserl Macht hat, etwas dagegen zu tun, dass Bürgerrechte irgendwo da draußen mit Gewalt in Grund und Boden gestampft werden. Ich bin nur ein Staubkorn, dennoch bin ich ein Korn. (…) Solange es aber darum geht, dass der Bürger eine globale Stimme haben kann, wenn er nur will, berichte ich und trage ein Atomteilchen dazu bei, dass man uns “da oben” hört und sieht. (…) Ich konsumiere nicht nur Nachrichten, ich beschäftige mich damit weitaus mehr, weil ich blogge. Das schafft ein ganz anderes Bewußtsein als bisher. Irgendwann und irgendwie wird der Mensch besser zusammenrücken, egal wo er ist. Eine Idealvorstellung mit allen Wenn und Aber, doch ich säe ein Korn des Hinschauens, des sich Kümmern um andere, das noch lange nach mir weiter Früchte tragen wird. Viele kleine Bäume ergeben einen Wald, den niemand abholzen kann, einfach so. Irgendwann. Und ich habe viel Geduld wie auch Zeit. Noch haben die meisten Menschen nicht mal ansatzweise begriffen, über welche Power sie durch die Vernetzung in der Hand halten. Die einem auf der anderen Seite Angst machen kann, doch es wird die Zukunft zeigen, was wir daraus machen werden.

Viel habe ich dem nicht hinzuzufügen. Es ist mir bewusst, dass ich mit diesem Blog und dass auch die aktuell 3.864 Internetseiten, die sich an der Aktion beteiligen, die Welt nicht ändern können oder nun plötzlich in Burma die Situation verbessern morgen, aber daran scheitert die gesamte internationale Politik mehr oder weniger, wie sollen dass dann einige Tausend Menschen ändern? Nein, es geht darum Zeichen zu setzen, sich zu solidarisieren und Öffentlichkeit zu schaffen. Vielleicht schafft man es mit dieser Aktion noch nicht, direkt etwas zu ändern, aber vielleicht beim nächsten Mal – oder vielleicht danach? Ich glaube jede Form des Massenprotestes muss sich erst etablieren und häufig erprobt werden, bis man irgendwas erreichen kann. Aber wer vom “das bringt eh nichts” ausgeht, kann sicher garnichts verändern.

Mitmachen

In diesem Sinne rufe ich dann auch alle auf, sich morgen mit einem Beitrag zu beteiligen. Der Weg ist ganz einfach: Morgen einfach einen Artikel mit dem Titel “Free Burma” veröffentlichen, dazu ein Bild aus dem Bilderpool und mindestens einen Link auf www.free-burma.org. Und wenn du magst trag dich noch in die Teilnehmerliste ein.

Die Welt ändert sich nicht von heute, aber wir können alle mit kleinen Schritten dazu beitragen, dass sie sich zumindest ein wenig verbessert.

Free Burma  - Banner - 04.10.07 - www.free-burma.org

  • Delicious
  • Facebook
  • StumbleUpon
  • Twitter
  • RSS Feed

9 thoughts on “Burma-Aktion am 4. Oktober hat begonnen

  1. Die Burma-Aktion ist verlogen, denn bis vor wenigen Tagen hat sich niemand für das Land interessiert. Wenn Farbige in Afrika in ungleich größeren Massen zusammengeschossen werden, interessiert das hier keine Sau.Anders ist das bei exotisch gewandeten Mönchen, die dazu noch die neue Schicki-Micki-Religion der Intellektuellen, den Buddhismus vertreten. Ich habe den Eindruck, die Blogger mißbrauchen die freiheitskämpfenden Burmesen, um ihre eigene Bedeutung als politische Aktivisten demonstrieren zu können. Und in eine solche Aktion klinke ich mich gern für eigene Interessen ein.

    Wer sich für Freiheit in Burma einsetzt, sollte auch über das demokratische Niveau in Deutschland nachdenken. Es werden bei uns nationale Aktivisten wegen Volksverhetzung ( §130 STGB) zu zum Teil mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der § 130 STGB ist der Kern der Demokratiegefährdung in Deutschland, da er die für eine Demokratie hoher Qualität nötige Meinungsfreudigkeit hierzulande behindert. Wer Angst hat, bei einem falschen Wort ins Gefängnis zu kommen, verzichtet gleich ganz aufs Reden. Ich würde mich freuen, wenn Blogger sich nicht nur für Freiheitsrechte im fernen Ausland einsetzen, sondern auch bei uns für eine möglichst umfassende Meinungsfreiheit eintreten.

  2. @Fish: Danke für den Hinweis, hab das sofort geändert ;)

    @Kurbjuhn: Ich hatte bereits im Februar berichtet, als Russland und China die Resolution ablehnten und auch der allseits verhasste George Bush hatte das Land seit längerem genannt. Sei es drum, es gibt immer einen Startpunkt und wenn es häufiger welche gibt, wäre das nur eine gute Entwicklung.
    Was deinen Punkt zum Artikel 130 angeht muss ich aber eindeutig widersprechen. Ich finde es richtig, dass Aufstachelung “zum Hass gegen Teile der Bevölkerung” oder Angriffe auf die Menschenwürde nicht als Meinungsäußerung gelten. Solange man also nicht grade über Bevölkerungsgruppen herziehen will, sehe ich nicht, wie die Meinungsfreiheit durch den Artikel eingeschränkt wird. Aber vielleicht hast du ja ein paar Beispiele für den Alltag eines Demokraten?

  3. Pingback: Free Burma « photokej

  4. Pingback: Sozialblog.de » Blog Archiv » Free Burma!

  5. Das Problem bei allen Einschränkungen der Meinungsfreiheit ist, daß ich dadurch die Büchse der Pandora in Richtung Dikatatur eröffne. Wer definiert, welches die Verbrecher sind und welches die verbrecherischen Gedanken und Äußerungen? Mit dem Ehrenschutz von Mensch und Staat sowie dem Schutz von Opfern vor emotionaler Belästigung haben Dikatatoren aller Zeiten ihre Gewaltherrschaft und ihre Freiheitseinschränkungen begründet.Deshalb befindet sich ein Staat mit Meinungsdeliktsgesetzen tendenziell auf dem Weg in Richtung Diktatur.
    Vielleicht zeigt das Beispiel Großbritanniens am besten, wie ein Land sich in wenigen Jahren durch entsprechende Gesetze in ein Volk von Duckmäusern verwandelt. Der von mir in Deutschland behauptete Zusammenhang zwischen Meinungsdeliktsgesetzen und der Furcht z.B. von Arbeitern, sich kritisch zu ihren Arbeitsbedingungen zu äußern, obwohl doch lezteres vom § 130 STGB gar nicht erfaßt ist, läßt sich mit der natürlichen Neigung zur Vorsicht erklären, wenn man weiß, daß die Gesetze so schwammig formuliert sind, daß selbst Juristen nicht mehr genau wissen, was denn nun noch erlaubt ist zu sagen.In England haben verschiedene Gesetze mit Strafandrohungen bis zu 7 Jahren bei rassistischen Äußerungen zu einem Klima der Angst bei der angestammten weißen Bevölkerung geführt, siehe z.B. http://www.dailymail.co.uk/pages/live/articles/news/news.html?in_article_id=453134&in_page_id=1770
    . Anstatt sich rassistisch und kulturkritisch zu äußern, ziehen sie schweigend in andere Gegenden.
    Als größte Gefahr für die Demokratie sehe ich die Diskussionsunwilligkeit eines Volks, die sich in Meinungsdeliktsgesetzen ausdrückt. Stasi 2.0 z.B. verbessert nur die Exekutivmöglichkeiten des Staats und ist deshalb nicht der Kern der Demokratieferne in Deutschland. Deshalb behaupte ich ja auch, daß die entsprechenden Überwachungskritiker selbst nicht die größten Demokratieverfechter sind.Der Kampf gegen Stasi 2.0 ist für mich eher Ausdruck der Pflichtexekution von Demokratie im Rahmen der Reeducation. Ein wahrer Einsatz für Demokratie besteht für mich im Engagement für eine einzige Sache: Im Einsatz für die volle Meinungsfreiheit, so wie sie die US-Verfassung kennt.

  6. Pingback: Free Burma « okej

  7. Was ist es denn für eine Demokratie, die Menschenwürde zugunsten einer vermeintlichen Meinung aufzugeben, die im Kern Rassismus oder Verleugnung von geschichtlichen Tatsachen ist.
    Im übrigen ist mir kein Fall bekannt, dass jemand wegen Kritik an Arbeitsbedingungen verhaftet oder verurteilt wurde. Im Gegenteil habe ich hier sehr oft solche Fälle im Blog berichtet, wenn sie in den Medien dargestellt wurden. Und ganz ehrlich: Die Angst von Engländern nun nichtmehr über ihre ausländischen Mitbürger rassistisch herzuziehen hält sich in Grenzen.

  8. Pingback: Ameisen-Blog » Free Burma

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comments links could be nofollow free.