An kleinen Bahnhöfen sparen

Die Financial Times Deutschland hatte bereits gestern die Pläne von Verkehrsminister Tiefensee zur Bahnprivatisierung vorgestellt und damit alle Befürchtungen zur Bahnprivatisierung bestätigt: Kleinere Bahnhöfe sollen vom Netz genommen werden, sofern sie nicht “volkwirtschaftlich zu vertreten” seien. Also doch: Um die Bahn profitabler zu machen, wird dann eben auf dem Land gesparrt. Die Bahn muss wirtschaftlich sein und nicht in erster Linie einen Dienst am Bürger darstellen.

Zugegeben, vielleicht würde ein Bus es auch mal machen, wie Tiefensee es darstellte bei Anne Will, aber das Problem ist ein grundlegendes: Es fehlt ein gesamtheitliches Konzept. Für Tiefensee wird das Problem einfach ausgelagert, die Deutsche Bahn ist das Problem los und dann muss jemand anderes diese Aufgabe – wirtschaftlich – lösen. Sollten die Länder diese Bahnhöfe beispielsweise bedienen wollen, muss eine “auskömmliche Wirtschaftlichkeitsrechnung” und eine “angemessene Verzinsung” zu finden sein.

Interessant ist dabei der Blick in unseren Alpennachbarn – die Schweiz. Hier existiert ein ganzheitliches System, durchaus mit vielen kleineren Anbietern auf dem gleichen Netz, aber mit abgestimmten Fahrzeiten und einem einzigen Tarif. So ist die Bahncard 100 dort 1/3 günstiger und gültig für wirklich alle öffentlichen Verkehrsmittel. Kein Nahverkehrsticket, kein “Keine Preisauskunft möglich” bei der Bahn. Als wir im März in Genf waren, konnten wir gar für nur 40 Euro durch die ganze Schweiz reisen – quasi als Tagesticket.

Natürlich lässt sich nicht alles davon auf Deutschland übertragen, aber man sollte sich doch fragen, wieso die Schweizer 2.000 km pro Jahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, wir Deutsche jedoch nur 800. In den Innenstädten ist weniger Verkehr mit Autos unterwegs. Und es ist nicht so, dass nicht auch in der Schweiz die tolle Idee der Privatisierung gekommen wäre – aber die Bevölkerung hatte sich dort in mehreren Volksabstimmungen dagegen ausgesprochen. Also wäre es vielleicht mal gut, wie andere Länder eine flächendeckende und dennoch auch wirtschaftliche Versorgung mit Nahverkehr hinzubekommen. Wir brauchen dazu sicher keinen Ausverkauf der Bahn…

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0 thoughts on “An kleinen Bahnhöfen sparen

  1. Gehts noch? Von wegen gegen Privatisierung ausgesprochen, das stimmt nur halb, das Stimmvolk hat die Privatisierung abgelehnt aber die SBB hat daraufhin einfach die komplizierten und kleinen Zugstrecken einfach an private Bahnunternehmen verkauft. Auch, dass die Preise günstiger geworden wären stimmt nicht. Ausser auf Langstrecken (die den Nahverkehr nicht entlasten) wurden die Preise nicht gesenkt sondern erhöht! Ja unsere Tarifmodelle für Abonnemente sind einfacher gehalten als in DE aber unser Streckennetz (bzw. das von der SBB gesund-geschrumpfte Netz) ist auch viel kleiner als in DE, logisch steigen da auch die Kosten für den Unterhalt (welchen die DB gewährleisten muss). Ich finde dieser Blog-Eintrag ist irreführend.

  2. Desweiteren haben die neuen privaten ÖV-Unternehmen die kleinen Bahnhöfe alle dicht gemacht, dort stehen jetzt nur noch Automaten. Zwar wurden die Bahnhöfe bzw. deren Verkehrsanbindung nicht per se eingestellt aber, die Bahnhöfe wurden zu “Haltestellen” umgebaut.

  3. So wie ich das in dem Bericht verstanden habe, sind es durchaus viele kleine Firmen, aber auch diese stehen in öffentlicher Hand. Ich hatte auch nur diese Quelle und will das schweizer System jetzt auch nicht hochloben oder 1:1 übertragen, das geht auch garnicht, aber ich finde man sollte sich doch das ein oder andere dort angucken.
    Und irgendwie wären den Menschen sicher “Haltestellen” lieber, als das was sich hier anbahnt: komplettes Dichtmachen ;)

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