Amis, go home?

U.S. Soldier Baqubah, Iraq by Staff Sgt. Stacy L. Pearsall (DOD 070331-F-7234P-137) Die Zeit titelt mit der Frage “Sollen Bushs Truppen raus aus dem Irak?” und stellt dabei eigentlich das in Frage, was doch Konsens erscheint. Der Krieg von George W. Bush und den USA gegen den Irak war falsch und demnach tut man sich leicht mit der Ablehnung der Besatzung. Die Zeit versucht die Frage mit einer Pro- und Contra-Rede zu beantworten und stellt damit das einfache Denken in Frage. Hier die Darstellung beider Argumentationen mit dem Versuch eine eigene Meinung zu bilden…

Für einen Abzug

spricht sich Matthias Nass aus.  Er widerspricht den Anhängern der Dominotheorie im Bezug auf den Irak, und sieht in dem Staat eher einen “Eckstein eines Lügengebäudes”, in dem mit dem militärischen Eingreifen das “Tor zur Hölle” geöffnet wurde. Bushs Antwort – mehr Soldaten – habe in manchen Regionen zwar zugegebenermaßen stabilisiert, in anderen allerdings die Kämpfe eskalieren lassen. Ein freier Irak sei so nicht in Reichweite, sondern man habe es mit einem “Trümmerfeld” zu tun, dem es durchaus schlechter gehen könnte, aber bei dem man nicht hoffen dürfte, dass “derjenige, der die Tragödie zu verantworten hat, sie zum Guten wenden kann”.

Demnach plädiert er für einen geordneten – nicht überstürzten Rückzug, der natürlich auch diplomatische Gespräche mit den Nachbarn – also allgemein einen Kurswechsel erfordert. Und damit schließt er den Kreis zur Dominotheorie zum Beginn:

“Denn wer nicht geordnet abzieht, wird eines Tages überstürzt fliehen. Nützt das dem Ansehen der Supermacht? Wie viel größer wäre der Triumph bei al-Qaida, den Taliban oder in Iran, müsste Amerikas Botschafter in Bagdad das Sternenbanner über der Grünen Zone einholen…”

Rückzug gefährdert Freiheit und Sicherheit des Westens

Für Jan Ross ist grade die Dominotheorie ein Hauptgrund für die Ablehnung eines schnellen Truppenabzugs:

“Eine siegreiche Terror- und Dschihad-Bewegung würde sofort den nächsten Schauplatz und den nächsten Krieg ins Auge fassen, das andere Staatsschöpfungs- und Befriedungsunternehmen des Westens: Afghanistan. (…) Die Feinde des Westens würden nach einem Erfolg im Irak Blut geleckt haben; sie würden sich mit doppeltem Eifer und mit gesteigerter Siegeszuversicht an die andere, verbliebene Front werfen.”

Er geht davon aus, dass die Situation im Irak sich nach dem Rückzug verschlechtert und im “schrecklichsten Fall völkermörderisch” wird. Er wirft die Frage auf, was der Westen dann tun soll und er sich damit – anstatt ein Problem zu beseitigen ein neues zu schaffen. Es sei klar, dass die USA nicht ewig im Irak bleiben werden, aber man solle den Gegnern eben auch nicht deutlich machen, wann der Abzug bevorsteht.

Mein Fazit: Raus mit Strategie

Ich finde, dass vieles von dem was Ross sagte schon einen wahren Kern hat. Aber auch Nass hatte darauf hingewiesen, dass eine Niederlage in Afghanistan enorme Bedeutung für den terroristischen Islamismus hätte. Die Tatsache, dass sich 160.000 amerikanische Soldaten im Irak befinden zeigt meines Erachtens, dass ein “Weiter so” nicht funktioniert. In jedem Fall braucht es einen Strategiewandel und neue Ideen für das Land und ich glaube kaum, das amerikanische Truppen dort noch Sicherheit gewähren können.

Morgen kommt ja der Bericht des aktuellen Kommandanten im Irak, mal gespannt, was er vorschlägt ;)

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